Nach seinem Spektakel-Sieg in der Gluthitze von Spielberg hatte George Russell nur einen Wunsch. „Ich freue mich sehr auf einen Drink“, sagte der britische Mercedes-Fahrer nach seinem zweiten Triumph in dieser Formel-1-Saison. Der Schweiß tropfte dem Briten bei Temperaturen von mehr als 34 Grad im Schatten vom Kinn, die enormen Strapazen des packenden Großen Preises von Österreich waren dem 28-Jährigen anzusehen. Ausgerechnet an diesem heißen Sommertag funktionierte sein Trinksystem im Auto nicht, trotzdem gelang den Silberpfeilen im achten Rennen der siebte Erfolg des Jahres.Nur mit Mühe konnte Russell den überraschend starken Max Verstappen auf Abstand halten. Der viermalige Weltmeister schaffte ausgerechnet beim Heimspiel seines Red-Bull-Teams in der Steiermark sein bestes Ergebnis in diesem Jahr. Auch dank technischer Verbesserungen hatte der Niederländer im Ziel nur 1,6 Sekunden Rückstand. „So knapp hinter dem Sieger Zweiter zu werden, darüber bin ich sehr glücklich“, sagte Verstappen: „Es war ein sehr gutes Rennen für uns, die ersten paar Runden haben richtig Spaß gemacht.“Dritter wurde im zweiten Mercedes Kimi Antonelli, der nur 0,3 Sekunden hinter Verstappen ins Ziel kam. Der 19-jährige Italiener behält so auch die Führung in der Gesamtwertung und liegt nun 40 Punkte vor dem neun Jahre älteren Russell, der sich im Titelkampf zurückmeldete. „Zu Beginn des Rennens war ich zu aufgeregt und habe zu viele Fehler gemacht“, sagte Antonelli: „Ich hatte Probleme mit den Bremsen, bin aber schließlich doch noch herangekommen.“Rekordweltmeister Lewis Hamilton verlor seinen zweiten Rang, weil er es in Spielberg nach starkem Start nur auf den fünften Platz schaffte. Erneut ohne Punkte blieb der einzige Deutsche, Nico Hülkenberg musste sich im Audi mit Platz zwölf begnügen.Das richtige Reifenmanagement war vor rund 100 000 Zuschauern entscheidendRussell verteidigte seinen ersten Startplatz souverän und hielt die Konkurrenz auf Abstand. Die Pole hatte sich der 28-Jährige einen Tag zuvor nicht unumstritten gesichert und einen Unfall von Red-Bull-Star Verstappen genutzt. Während der viermalige Weltmeister von der Strecke flog, beendete Russell noch seine schnellste Runde. Die Situation wurde von den Rennkommissaren untersucht, Russell konnte aber kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Hinter dem Mercedes-Fahrer ging dessen Ex-Teamkollege Hamilton auf die Verfolgung. Dahinter folgten Verstappen und WM-Spitzenreiter Antonelli auf dem mehr als 50 Grad heißen Asphalt schnell mit einem kleinen Abstand.Ausgestattet mit einigen technischen Verbesserungen an seinem Red Bull und unbeeindruckt vom Crash am Samstag attackierte Verstappen Hamilton. Rad an Rad fuhren die beiden Ex-Champions spektakulär über den welligen Kurs und schenkten sich keinen Zentimeter. Kurz darauf holte sich Hamilton frische Reifen, an der Spitze lag Russell derweil komfortabel vor Verstappen. Das richtige Reifenmanagement war vor rund 100 000 Zuschauern auf dem Red-Bull-Ring entscheidend. Auch Verstappen kam schon nach 19 von 71 Runden an die Box, um neue Gummis aufziehen zu lassen. Für das Mercedes-Team, das die ersten sechs WM-Läufe für sich entschieden hatte, bedeutete das eine doppelte Führung, ehe auch Russell das erste Mal zum Reifenwechsel stoppte.Unter dem Jubel der Fans zog Verstappen wieder sehenswert an Hamilton vorbei und schob sich auf einen Podestplatz. Davor spulte Russell dank des überlegenen Mercedes-Motors die schnellsten Runden ab. Weil Carlos Sainz seinen defekten Williams unfreiwillig abstellen musste, sorgte eine virtuelle Safety-Car-Phase für kurze Entspannung. Danach klagte Antonelli über Probleme an den Bremsen, Hamilton beschwerte sich über zu wenig Leistung und rutschte auf Rang sechs nach hinten. Ganz vorn stürmte Verstappen Runde für Runde immer näher an Russell heran, mit dem harten Reifen nahm er Russell Sekunden um Sekunde ab, kam aber nicht mehr vorbei.