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Reflecting Pool in Washington: „Dafür muss man schon viel machen“ Algen, Risse, Verfärbungen: Nur wenige Tage bleiben, um den Reflecting Pool in Washington vor dem großen Staatsjubiläum zu sanieren. Wie ein professioneller Poolbauer die Sache angehen würde.

Alana Diderichs 28.06.2026 - 10:12 Uhr Zum Unabhängigkeitstag will US-Präsident Donald Trump den Reflecting Pool in neuem Glanz präsentieren – noch kämpfen Arbeiter gegen Algen. Foto: IMAGO/ZUMA PressUS-Präsident Donald Trump liebt große Bilder und perfekte Kulissen. Deswegen soll der Reflecting Pool vor dem Lincoln Memorial in Washington, D. C., in neuem Glanz erstrahlen, pünktlich zum 250-jährigen Bestehen der USA Anfang Juli.Trump setzte daher im April eine Sanierung des Beckens an. Schließlich eignen sich nur wenige Orte besser für patriotische Bilder als das Wasserbecken, in dem sich das Washington Monument spiegelt.Doch spätestens Mitte Mai sorgte etwas anderes für Aufsehen: Nach der Sanierung traten Algen auf, die blaue Beschichtung bekam lange Risse und einzelne Teile trieben im Becken. Aus zwei Wochen und zwei Millionen Dollar für die Sanierung sind insgesamt 15 bis 16 Millionen Dollar geworden. Nur wenige Tage vor dem großen Jubiläum sieht das Wasserbecken schlechter aus als zuvor. Hektisch versucht man nun, die Fehler zu finden – und das Becken irgendwie noch schön zu machen für den großen Tag.Algen zu verhindern, ist fast unmöglichFrank Eisele erstaunt es nicht, dass der Reflecting Pool Probleme bereitet. Die Anlage unterscheide sich grundlegend von einem gewöhnlichen Schwimmbecken, erklärt der studierte Chemie- und Maschinenbauer und Sachverständige für Schwimmbadtechnik.Bei einem Schwimmbad hat man eine bewegte Wasseroberfläche, erklärt Eisele. „Das wird bei einem Reflecting Pool zu vermeiden versucht.“ Schließlich soll er seine Umgebung möglichst gut reflektieren. Das mache den Betrieb allerdings deutlich anspruchsvoller, bestätigt auch Markus Fromm, Senior Manager bei dem Poolfachhändler Pool Systems.Hinzu kommt eine weitere Besonderheit. Der Reflecting Pool in Washington ist fast 600 Meter lang und weniger als einen Meter tief. Durch die geringe Wassertiefe erwärmt sich das Wasser schnell, besonders im Sommer. Anders als in einem tiefen Becken gibt es keine kühleren Wasserschichten. Daher seien Algen bei Temperaturen von rund 30 Grad, wie sie derzeit in Washington vorzufinden sind, fast unumgänglich, so Eisele. An sich seien Algen in einem offenen Wasserbecken aber nichts Ungewöhnliches. „Das sieht man bei hohen Temperaturen auch im Freibad.“ Dann müsse eben gereinigt werden.Der Reflecting Pool bereitet vor dem 250-jährigen Bestehen der USA große Probleme. Foto: REUTERS„Es ist sehr schwierig, so ein großes Becken algenfrei zu halten, dafür muss man schon viel machen“, sagt Eisele. Allerdings ließen sich Algen bei einer funktionierenden Wasseraufbereitung in der Regel dauerhaft unter Kontrolle halten, so Fromm.Medienberichten zufolge setzten Arbeiter Wasserstoffperoxid ein, um die Ausbreitung der Algen zu verhindern. Grundsätzlich sei das nachvollziehbar, da Wasserstoffperoxid Algensporen abtöte und so die Ausbreitung erschwere, erklärt Eisele. Doch sei das Mittel deutlich weniger wirksam als Chlor, wie es etwa in deutschen Freibädern eingesetzt werde.Mit Wasserstoffperoxid lasse sich die Algenbildung also nicht vollständig verhindern. Zudem sei die eingesetzte Konzentration offenbar zu gering gewesen. „Die Art und Konzentration des Desinfektionsmittels haben einen Einfluss auf die Algenbildung“, erklärt Eisele.Am Grund des frisch sanierten Reflecting Pools blättert die neue blaue Beschichtung bereits ab. Foto: IMAGO/UPI PhotoDoch nicht nur die Algen bereiten Probleme. Die neue Beschichtung, durch die der Pool den Blauton der amerikanischen Flagge haben soll, zeigt bereits Schäden: Lange Risse ziehen sich über den Boden, Teile der Beschichtung lösen sich.Trump macht dafür Vandalismus verantwortlich. Die Experten halten das nicht für die einzige mögliche Erklärung. „Rissbildungen in Beschichtungen können durchaus auftreten“, sagt Eisele. Etwa, wenn der Untergrund vor dem Beschichten nicht ausreichend vorbereitet oder beim Auftrag der Beschichtung selbst nicht fachlich richtig gearbeitet worden sei.Aus der Sicht der beiden Experten spricht grundsätzlich nichts gegen eine solche Beschichtung. Auch in olympischen Schwimmbecken würden Beschichtungssysteme eingesetzt, erklärt Eisele. Der Belag brauche jedoch ausreichend Zeit zum Aushärten. Werde dieser Prozess unterbrochen oder die Fläche zu früh wieder mit Wasser belastet, könne die Beschichtung reißen oder sich lösen. Die Sanierung stand von Beginn an unter Zeitdruck. Es sei daher denkbar, dass die Austrocknungsphase nicht eingehalten worden war.Trump in China Der Gipfel der großen Worte Trump und Xi geben sich in Peking demonstrativ freundlich. Für Europa und Deutschland ist das eine Warnung: Washington und Peking bleiben Rivalen – doch sie verhandeln pragmatisch. von Jörn PetringHinzu kommt: Die dunkelblaue Beschichtung nehme Sonnenwärme stärker auf als ein heller Untergrund. Dadurch erwärmt sich das ohnehin flache Wasser schneller – ein weiterer Faktor, der Algenwachstum begünstigen kann, sagt Fromm.Und Trump denkt wie gewöhnlich groß. Die Sanierung werde „30, 40, vielleicht sogar 50 Jahre halten“, versprach der Präsident im April. Die Experten halten das für unrealistisch. Bei einer solchen Anlage müsse eher nach 15 bis 20 Jahren an eine Sanierung gedacht werden, sagt Eisele. „Man braucht bloß an das eigene Haus zu denken.“ Dort halte ein Anstrich auch keine Jahrzehnte.Für Privatleute lässt sich aus der Millionensanierung so eine Lehre ziehen: Wer einen Pool möglichst pflegeleicht haben möchte, sollte nicht allein nach der Optik entscheiden. Wer ein Becken plant oder saniert, sollte auch auf Beschichtung, Sonneneinstrahlung und die richtige Wasserpflege achten. Dunkle Beschichtungen sehen zwar edel aus, erwärmen das Wasser aber schneller und können Algenwachstum begünstigen. Und wer nach einer Sanierung zu früh wieder Wasser einlässt, riskiert später Risse oder Ablösungen. Am Ende sind es oft diese Details – und nicht die Größe des Beckens –, die über Algen und die Haltbarkeit entscheiden.Ob der Reflecting Pool zum Nationalfeiertag makellos die Monumente Washingtons reflektiert, dürfte sich noch zeigen. Dass Trumps Versprechen ebenso wenig belastbar sind wie die neue Beschichtung, hat sich hingegen schon herausgestellt. 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