Trumps grünes Fiasko: Die Sanierung des Reflecting Pool in Washington droht an den Algen zu scheiternTrump will das grösste Bassin auf der National Mall pünktlich zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung blau erstrahlen lassen. Das Projekt misslingt bis jetzt gründlich.23.06.2026, 17.04 Uhr4 LeseminutenReutersOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Donald Trump hatte einen Traum. Er wünschte sich einen «Reflecting Pool», der diesen Namen verdient. Das Bassin auf der National Mall in Washington sollte am kommenden Nationalfeiertag, dem Fourth of July, so blau wie das Blau der amerikanischen Flagge erstrahlen. Die umliegenden Monumente auf der National Mall würden auf der Wasseroberfläche perfekt reflektiert werden, genauso wie es sich der Architekt Henry Bacon 1914 beim Spatenstich für das Lincoln Memorial erdacht hatte – so Trumps Vision.Das Lincoln Memorial Reflecting Pool ist der Stolz der Amerikaner. Das 619 Meter lange und 51 Meter breite Rechteck liegt zwischen dem Lincoln-Denkmal und dem George-Washington-Obelisken. Jährlich frequentieren rund 24 Millionen Besucher die präsidialen Monumente auf der National Mall, der breiten Flaniermeile, die sich über rund drei Kilometer vom Capitol bis zum Lincoln Memorial erstreckt. Zur Sightseeingtour gehört das obligate Foto der sich auf dem Wasser spiegelnden Bauten und der Wolken im Himmel.Beamte des Nationalpark-Service reinigen den neu renovierten Reflecting Pool, am 18. Juni 2026.Rahmat Gul / APDoch so grandios die Anlage ist, ingenieurtechnische Eigenheiten verursachten von Anfang an Probleme – wie zum Beispiel undichte Leitungen und Algenbefall. Denn der Pool ist auf ehemaligem Sumpfland gebaut, dessen Instabilität im Beton und den Leitungen massive Lecks verursachte. Und im seichten Wasser des Bassins vermehrten sich die Algen unkontrollierbar. Die Dysfunktionalität des Bauwerks machte schon manchem Präsidenten zu schaffen, letztmals Barack Obama. Er renovierte den Pool für mehr als 30 Millionen Dollar, doch kaum wurde er 2012 wieder eröffnet, fingen die Probleme von neuem an.Trumps ExpresssanierungSein Nachfolger Donald Trump kam erst in der zweiten Amtszeit auf die Idee, sich um das Sorgenkind zu kümmern. Dafür setzt er sich nun, im Jahr des 250-jährigen Bestehens der Unabhängigkeitserklärung, umso energischer für das Projekt ein. Als ehemaliger Bauherr und Immobilienmogul sieht er sich prädestiniert, Washington ein neues bauliches Gesicht zu verleihen. Dazu gehört die Herausforderung, das zu schaffen, woran seine Vorgänger gescheitert waren: einen sauberen, leuchtenden Reflecting Pool.Die Arbeiten für das 16-Millionen-Dollar-Projekt mussten im Eiltempo ausgeführt werden. Er beauftragte die Firma Atlantic Industrial Coatings mit der Beschichtung – ohne öffentliche Ausschreibung und ohne Zustimmung des Kongresses, wie es gängig ist bei der Renovation von nationalen Denkmälern. Mit dem Unternehmen hat er beim Bau seiner Golfplätze zusammengearbeitet. Ein Nachbar von Trump aus Florida wurde mit der Installation eines neuen Wasserreinigungssystems betraut.Trump suchte eigenhändig die Farbe für die Beschichtung des Pools aus. Statt einer natürlichen Tönung wählte er zuerst ein Türkis aus, analog zum Swimmingpool auf seinem Anwesen Mar-a-Lago. Der Aufschrei war gross, worauf sich Trump auf ein «Old Glory Blue» einliess – wie das Blau der amerikanischen Flagge offiziell heisst. Gesagt, getan: Die Sanierungsarbeiten starteten Mitte April und wurden pünktlich vor dem Start der Feierlichkeiten rund um den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung fertiggestellt.Präsident Trump verkündet am 6. Juni die Fertigstellung der Sanierung des Reflecting Pool.«Wir haben eine phantastische Arbeit geleistet», sagte Trump an einer Medienkonferenz am 6. Juni, und stellte einen bizarr anmutenden Grössenvergleich mit Wolkenkratzern wie dem Empire State Building und dem neuen World Trade Center an: Wenn man den Pool vertikal aufstelle, dann könne man «zwei oder drei (Türme) hineinfüllen», so breit sei der Pool und so stark, dass er 50 bis 100 Jahre halten werde.Die Dominanz einer AlgeNur Tage danach zeigte sich jedoch ein anderes Bild. Das Bassin erlebte laut der «Washington Post» den grössten Algenbefall seit mindestens fünf Jahren. Die harmlose Algenart Desmodesmus bildete laut Experten einen dichten, grellgrünen Teppich auf dem Grund und an den Rändern des Pools. Dann löste sich auch noch der neue Farbanstrich – grosse Farbfetzen stiegen hoch und schwammen auf dem Wasser. Die Bilder gingen um die Welt. In Trump-kritischen Medien herrscht die Schadenfreude. «Trump wollte einen Reflecting Pool in Nationalflaggenblau. Er erhielt einen Sumpf», schrieb das Magazin «The Atlantic». Danach folgte eine genüssliche Abhandlung über dessen genauen Grünton.Luftaufnahme nach der Renovation, am 19. Juni. Die Algen haben einen hellgrünen Teppich im Poolbecken gebildet.Aaron Schwartz / ReutersAlgen schwimmen auf der Oberfläche des Pools.Rahmat Gul / APWissenschafter debattieren, warum es zu einem solch dramatischen Algenbefall kommen konnte. Sie streichen den «Albedo-Effekt» heraus – je dunkler die Farbe, desto wärmer das Wasser, desto stärker die Algenbildung. Aber auch Algensporen in den Röhren könnten verantwortlich sein, die mit dem frischen Wasser in den sanierten Pool sprudelten und sich explosiv verbreiteten. Und schliesslich gibt es das «New-Pond-Syndrom»: In einem säuberlich gereinigten Teich ist das ökologische Gleichgewicht zwischen Mikroorganismen ausgeschaltet, deshalb kann sich ein einziger Organismus explosiv ausbreiten.Trump gibt Vandalen die SchuldDerweil verbreitet Trump eine ganz andere Theorie: Er macht Vandalen verantwortlich für die Schäden am Reflecting Pool. Jemand habe wohl mit einem Messer einen rund 100 Meter langen Schnitt in die Beschichtung gemacht. Auf die Frage, wie das habe geschehen können, obwohl das Bassin streng überwacht werde, wies Trump darauf hin, dass die U.S. Park Police fünf Verdächtige festgenommen habe.Unter ihnen befand sich der mehrfache Olympiateilnehmer und Kanusportler David Hearn. Der 67-jährige Rentner beteuert seine Unschuld: «Ich habe ein Stück der losen Beschichtung gesehen und berührt, die war aber noch am Boden festgemacht», sagte Hearn gegenüber ABC News. Eine Anklage ist bisher gegen keine festgenommene Person erhoben worden.Präsident Trump hat angekündigt, dass das Wasser des Reflecting Pool wieder ausgelassen werden müsse, um die Schäden zu reparieren. Das Becken wird nun von der Nationalgarde bewacht. Vielleicht gelingt es dem Präsidenten noch, der Welt am 4. Juli einen blauen Pool zu präsentieren. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung wird die Sanierung des Reflecting Pool wohl als giftgrüne Schluderei in der Erinnerung haften bleiben.Eine Bildergalerie zeigt die Renovierungsarbeiten am Reflecting Pool in Washington. Die Fotos wurden am 2. und 28. Mai, und am 7., 12., 16. und 18. Juni aufgenommen.ReutersPassend zum Artikel
Ein blauer Traum scheitert: Algen-Chaos im Reflecting Pool von Trump
Trump will das grösste Bassin auf der National Mall pünktlich zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung blau erstrahlen lassen. Das Projekt misslingt bis jetzt gründlich.











