PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungLokalpolitikDas paralysierte LandVon Lars Petersen Leiter National Investigation Premium-GruppeStand: 03.07.2026Lesedauer: 3 MinutenDie Lichter des Bayer-Chemparks spiegeln sich im Wasser des Rheins bei LeverkusenQuelle: Henning Kaiser/dpaBayer ist der größte Arbeitgeber der Region um Leverkusen. Doch der Versuch, im Städtchen Monheim einen modernen Fußballcampus auf einem Acker zu bauen, scheitert an der Lokalpolitik. Der Fall zeigt, was in Deutschland schiefläuft.Wer Monheim am Rhein nicht kennt, hat im Prinzip nichts verpasst. 43.000 Einwohner, Kreis Mettmann, zwischen Düsseldorf und Köln, zwei Aldis – so weit, so gut. Und doch lohnt es, sich genauer mit Monheim zu beschäftigen.Denn das Städtchen zeigt seit Monaten exemplarisch, was in Deutschland fehlt: Mut zur Veränderung. Seit Jahren versucht der Fußballverein Bayer 04 Leverkusen dort einen Nachwuchs-Campus zu bauen. Der Grund dafür ist symptomatisch: Ab 2032 drohen jahrelange Großbaustellen rund um das Stadion, die BayArena, weil die marode A1-Autobahnbrücke – Emblem für jahrzehntelanges Infrastruktur-Versagen in Deutschland – endlich instandgesetzt werden muss. Dieser Kollaps mit Ansage zwingt Bayer 04 nun dazu, mit seinem Nachwuchs-Campus ins beschauliche Monheim auszuweichen. Um die Betriebsgenehmigung für das Stadion zu behalten, muss der Verein Feuerwehrzufahrten, Fluchtwege und Parkflächen neu konzipieren. Das wird zulasten der bisherigen Trainingsflächen gehen müssen.In Monheim sollen Fußballplätze für die Jugendmannschaften entstehen, ein klimaneutrales Gebäude, Rad- und Joggingwege um das Gelände. Keine Müllverbrennungsanlage, keine Waffenfabrik, kein Gefängnis, sondern moderne Sportplätze.Lesen Sie auchDoch die verantwortlichen Lokalpolitiker von CDU, SPD und Grünen im Stadtrat wehren sich mit Händen und Füßen. Sie argumentieren das eine Mal mit zunehmendem Verkehr oder Lärm, das andere Mal mit Klimaschutz, da der Acker, auf dem der Campus entstehen soll, wichtig für kalte Luft und als Hochwasserschutz sei.Alles berechtigte Anliegen, keine Frage. Doch wenn die von den Parteien vorgeschlagenen Alternativ-Standorte bei genauerer Prüfung durch Bayer 04 Leverkusen plötzlich ihrerseits zu nah an Naturschutzgebieten liegen oder es dort bedrohte Tierarten gibt, werden die vermeintlichen Klima- und Umweltbedenken beim Wunsch-Standort ad absurdum geführt. Der Föderalismus als HemmnisIn Monheim geht es in Wahrheit um etwas anderes. Die Lokalpartei Peto, die bis zur Kommunalwahl 2025 16 Jahre lang allein regiert hat, hat durch eine deutliche Senkung der Gewerbesteuer zahlreiche Unternehmen angelockt. Geld sprudelte in die Stadtkasse, wodurch sich die Stadt vieles leisten konnte und sich rasant veränderte. Heute sind Schulen, Kitas und der öffentliche Nahverkehr für Monheimer kostenlos. Lesen Sie auchCDU, SPD, FDP, Linken und Grünen ging der Veränderungswille von Peto offenbar zu weit. Obwohl Peto die Kommunalwahlen 2025 gewann, bildeten die Parteien ein ungewöhnliches Parteienbündnis und lösten Peto im Stadtrat ab. Sie machten von Anfang an klar, dass sie alles anders als Peto machen wollen. Eine der ersten Amtshandlungen: den Fußballcampus auf Eis zu legen, womit der größte Arbeitgeber der Stadt, der Chemiekonzern Bayer, düpiert wurde.Wenn ein paar Lokalpolitiker aus Angst vor Veränderungen zehn Fußballplätze für Kinder und Jugendliche zu einem riesigen Problem machen und die wirtschaftliche Entwicklung einer ganzen Stadt gefährden, läuft etwas schief. Zum ernsten Problem über die Stadtgrenze hinaus wird diese Blockade, wenn eine übergeordnete Landesregierung nicht eingreift, weil wir ja im Föderalismus leben. Das ist in der Sache zwar zutreffend, doch genau dieser ausweglose Formalismus lähmt – wie viele andere Beispiele zeigen – unser Land. Wie oft scheiterten schon Vorstöße für einheitliche Standards an Schulen oder klare Strukturen in den Sicherheitsbehörden am Veto von Ministerpräsidenten? Und kaum ist die Rentenreform vorgestellt, kündigen die Länderchefs bereits Widerstand an. Lesen Sie auchNiemand dürfte bestreiten, dass sich Deutschland weiterentwickeln muss, in einigen Bereichen sogar rasch und umfassend. Dafür braucht es Mut, Veränderungsbereitschaft und den Willen, Ungewohntes auszuprobieren und die Dinge notfalls hinterher zu korrigieren. In Monheim passiert das Gegenteil. Dort hat man nicht einmal den Mut für zehn Fußballplätze, die der größte Arbeitgeber der Stadt auf einem bislang ungenutzten Acker bauen will. Platzt das Projekt, hat Bayer-Sportvorstand Simon Rolfes schon klargemacht: „Können wir den Campus nicht bauen, sind wir auf Dauer nicht mehr auf höchstem Niveau wettbewerbsfähig. Das ist sicher.“