Ab ersten Juli in Deutschland zu kaufen: Die Sylt-Edition von Longines basiert auf der überarbeiteten Taucheruhr Hydroconquest. Foto: PRIn Deutschland käme man bei Luxuskunden um zwei Orte nicht herum, sagte mir einmal der Chef eines großen Luxusgüterherstellers, dessen Namen ich hier für mich behalte: „Sylt braucht man im Sommer, Kitzbühel im Winter.“ Das erinnert ein wenig an das berühmte Fußballerzitat von Andreas Möller: „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“ – doch aus Sicht eines internationalen Konzernchefs liegt Kitzbühel mit nur 35 Kilometern Entfernung zur Grenze ohnehin fast in Deutschland. Im Kern stimmt der Satz, zumindest für die Uhrenbranche. Die führt seit einigen Jahren nicht nur Sommeruhren im Programm, sondern hat vor allem „die Insel“ entdeckt, wie Hamburger mit Immobilienbesitz Sylt gern nennen.Kein Zufall also, dass es auch in diesem Sommer wieder eine Longines Sylt-Edition gibt – ab nächster Woche die bereits fünfte.UhrenWoche Was hinter dem Hype um die Swatch Royal Pop steckt Audemars Piguet kooperiert mit Swatch. Der Andrang auf die Kollektion zwingt mehrere Filialen zur vorsorglichen Schließung. Eine Kolumne. Kommentar von Joern Frederic KengelbachDie Sommeruhren kommenSommeruhren sind ein junges Phänomen. Unseren Urgroßvätern wäre es nicht eingefallen, eine wertvolle Armbanduhr auch nur in die Nähe eines Strandes zu bringen. Zwar feiert Rolex in diesem Jahr 100 Jahre seiner Oyster, der ersten serienmäßig wasserdichten Uhr der Welt, doch es dauerte bis in die Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts, ehe sich die einst für Profis gedachten Taucheruhren als Freizeituhren für Geschäftsreisende durchsetzten. Plötzlich galten sie trotz ihrer Größe als schick, weil man sich einfach immer auf sie verlassen konnte.Wer schon mal vor Ort war, weiß: Mit einer normalen Rolex Submariner lockt man trotz unbestrittener Qualitäten in Kampen heute aber niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Es gibt schlicht zu viele von ihnen, um noch aufzufallen. Womit dann?Auffällig unauffällig: Die Sylt-Version der Longines Taucheruhr gibt sich dezent – im Vergleich zu vielen Sommer-Editionen großer Marken. Foto: PRDen Weg weg von der klassischen Edelstahl-Sportuhr hat keine Marke so befeuert wie Hublot mit seinen bunten Keramikmodellen. Seit 2017 macht die Manufaktur die Mittelmeerküste Jahr für Jahr zur Sommerbühne und inszeniert ihre Launches als gesellschaftliche Happenings – den „Hublot Summer“ feiert sie rund um die firmeneigenen Boutiquen in Saint-Tropez, Capri, Forte dei Marmi, Mykonos, Ibiza, Bodrum oder Monaco. Man kann das kritisieren oder als Statussymbol neuer Art lesen: Seht her, ich kann es mir leisten, eine Uhr zu kaufen, die nur diesen einen Sommer zählt. Sprichwörtlich Auffallen um jeden Preis ist daher die DNA solcher Modelle: 2021 wagte sich Hublot mit der türkisfarbenen, auf 200 Stück limitierten, Big Bang Unico Summer vor; sonst dominieren Pastelltöne oder ein sattes Blau. Na logisch: Blau wie das Meer, blau wie der Himmel – wenn die Sonne denn scheint.Auch 2026 dreht die Marke auf: Zwei Modelle führen die Kollektion an, beide kombinieren Mintgrün, Rosa und Himmelblau: ein Chronograph mit 42 Millimetern, limitiert auf 200 Stück, und ein Tourbillon mit 44 Millimetern in nur zehn Exemplaren. Dazu kommen drei einfarbige Keramikmodelle in Pfirsich, Mint und Petrolblau.Die Kombination von weißem Zifferblatt und blauer Keramiklünette gibt es nur bei der neuen Longines HydroConquest Sylt Edition. Foto: PRHaute Horlogerie orientiert sich an High FashionMann kann das amüsiert abtun, aber dass sich die Haute Horlogerie immer stärker an Modetrends orientiert, hat handfeste Gründe: Es gibt immer mehr Vermögende, die Uhren nach Anlass kaufen statt nach Funktion. Solche Editionen nehmen vielen teuren Marken zugleich die Sammlerschwere früherer Generationen. Papa trägt Stahl, Sohnemann lieber Bonbonfarben. Aber mal ehrlich: Wer will in einer Welt, in der ständig neue Trends ausgerufen werden, für alle Ewigkeit denselben Look am Arm tragen, wenn man auch anders kann? Insgeheim dürften sich sogar die Puristen freuen: Mehr Träger machen auch das Standardmodell begehrter – und wem die Sommerlooks nicht gefallen, der kauft eben den Klassiker.Doch zurück nach Sylt, an die deutsche Côte d’Azur. Ausgerechnet IWC war hier omnipräsent, setzte mehrere Jahre auf Nordseeblau und stapelte direkt neben dem Strandclub Sansibar umgebaute Überseecontainer zur wohl lässigsten Uhrenboutique der Insel. In diesem Jahr legt man eine Pause ein und wendet sich den Luxusreisenden von morgen zu: Die WirtschaftsWoche berichtete ausführlich über IWCs Uhr für die bemannte Raumfahrt.Auch Breitling, das mit Surfstars wie Kelly Slater zusammenarbeitet, hält für Inselfans seit 2022 überwiegend blaue Sylt-Editionen bereit. Die letztjährige Superocean Sylt Edition vertrieb Inseljuwelier Spliedt in Kampen. Seit Juni dieses Jahres betreiben die Schweizer dort sogar eine eigene Boutique. CEO Georges Kern lebt als Manager das Motto: Ganz oder gar nicht.Für Sie und ihn: Neben der 41 Millimeter-Modell wird die Sylt-Edition mit der zweiten, 39 Millimeter großen Variante, auch für Frauen und Männer mit schmaleren Handgelenken tragbar. Foto: PRLongines startete sein Insel-Experiment 2022, ebenfalls in Kampen, am Wattweg 1. Die ersten Jahre gehörten der DolceVita: 2022 startete man mit einem Serienmodell, 2023 brachte man die erste auf 100 Stück limitierte DolceVita Sylt-Edition mit einem Textilband im Stil der Sylter Strandkörbe heraus, 2024 folgte die Mini DolceVita Sylt-Edition, limitiert auf 250 Stück, ein Teil davon mit Diamantlünette. Die Uhren waren so schnell vergriffen, dass man 2025 eine Schippe drauflegte. Jetzt gab es es gleich ein sportliches Doppel: Die Conquest Sylt-Edition, je 200 Stück, bestehend aus einer Herrenuhr mit 41 Millimetern am Stahlband für damals 2.350 Euro und eine Damenuhr mit 34 Millimetern am Kautschukband für 2.250 Euro.Leider kein Glasboden: Auch wenn die Hydroconquest eine Taucheruhr ist, bei der ein Glasboden unangebracht scheint, könnte man dann wenigstens das schöne Uhrwerk mit Siliziumspirale bewundern. Wie im Vorgängermodell. Foto: PR2026 steht bei Longines die überarbeitete HydroConquest im Mittelpunkt – und ihr entspricht bis auf das Zifferblatt und den Gehäuseboden auch die Sylt-Edition. Wie im Vorjahr feiern gleich zwei limitierte Modelle das maritime Lebensgefühl. Es gibt jeweils 300 Stück mit 39 und 42 Millimeter Durchmesser. Beide kombinieren eine blaue Keramiklünette mit weißem Zifferblatt – diese Kombination gibt es in der regulären HydroConquest-Kollektion nicht. Auf dem verschraubten Boden ist die Silhouette der Insel Sylt eingraviert, die Uhr hält bis 30 bar (300 Meter) dicht. Und da sich in der Vergangenheit viele Händler wohl beschwert haben, dass es die Uhren nur auf Sylt oder online gab: Verkaufsstart ist der 1. Juli, der Pop-up am Wattweg 1 in Kampen öffnet vom 15. Juli bis 15. August. Verkauft wird auf Sylt – bei Spliedt und Wempe –, in der Online-Boutique und im ausgewählten Fachhandel, allerdings nur in Deutschland.Ein Hauch Cote d'Azur in Kampen: Der Longines-Pop-Up erinnert ein bisschen an Badehäuser in französischen Strandbädern, n'est pas? Foto: PREine starke Positionierung im PreissegmentDie neue HydroConquest zählt zu den besten Value-for-Money-Uhren am Markt. Technisch gibt es wirklich nichts zu meckern: Longines hat den Taucheruhren-Klassiker überarbeitet, und das ist gelungen. Weg von den großen arabischen Ziffern, hin zu aufgesetzten Indizes. Die einseitig drehbare Keramiklünette gibt es in der Serie in fünf Farben – Schwarz, Blau, Grün, Schiefergrau und Eisblau. Das neue H-Link-Stahlband, das man ähnlich schon von der GMT-Version kennt, liegt angenehm am Handgelenk. Die Sicherheitsfaltschließe lässt sich mehrstufig schnell verstellen, das ist praktisch im Sommer und beim Sport.Value for money: Für 2300 Euro bekommt man heute kaum noch bekannte Schweizer Markenuhren. Bei Longines bekommt man eine sehr professionelle, bis 30 bar wasserfeste Sportuhr mit antimagnetischem Automartikuhrwerk und 72 Stunden Gangreserve. Foto: PRIm Inneren der Uhr arbeitet das Longines-Kaliber L888.5. Es basiert auf einem bewährten ETA-Werk (die ETA ist der Werkeproduzent der Swatch-Group, zu der auch Longines gehört). Das Werk hat Longines aber so weit modifiziert, dass man fast von einem eigenen Kaliber sprechen kann: Verzierung, Montage und Reglage finden im Stammhaus in Saint-Imier statt, wo die Manufaktur seit 1832 ihren Sitz hat.Sämtliche Eckdaten überzeugen in diesem Preissegment: 72 Stunden Gangreserve und eine Silizium-Spirale, die die Uhr gegen Magnetfelder unempfindlich macht – heute wichtiger denn je. Longines übertrifft dabei die ISO-Norm 764 um das Zehnfache. Eigentlich zu schade, dass es keinen Glasboden wie im Vorjahr gibt. Stattdessen verschließt ein massiver, verschraubter Boden das Gehäuse.Gegenüber der Standarduhr für 2.150 Euro kostet das limitierte Modell 2.300 Euro. Vertretbar, wenn man dafür weiß, dass es nur 300 Trägerinnen und Träger je Größe geben wird, zumindest für diesen Sommer.Sylt-Feeling für immer: Die Farbkombination Blau-Weiß ist ganzjährig tragbar. Foto: PROptisch bleibt die Uhr mit weißem Zifferblatt und azurblauer Lünette dezent genug, um im Business-Termin unerkannt zu bleiben, und auffällig genug, damit Kenner oder Gleichgesinnte sie am Strand erkennen. Reizvoll finde ich: Diese Sommeruhr entspricht gerade nicht den eingangs beschriebenen Modeerscheinungen. Mit Stahlboden und Taucheruhren-Eckdaten gehört sie zu jenen verlässlichen Modellen, die das Genre der Stahlsportuhren einst groß gemacht haben. Mit der Farbe Blau macht man bei einer Armbanduhr eigentlich nie was verkehrt.Vielleicht ist das Sylter Publikum auch schlicht zu klug, um sich eine Luxusuhr nur für einen Sommer zu kaufen. International dürften die Wiederverkaufswerte solcher Modelle überschaubar bleiben. Meine US-amerikanische Schwägerin, die die Insel einmal besuchte, brachte es ihren Freunden so bei: „Oh, it’s like a tiny little version of the Hamptons where you can only get by train or by plane.“Wie sangen doch einst die Ärzte in ihrem berühmten Song Westerland, den ich in meiner Jugend in Schleswig-Holstein noch auf Schallplatte hörte: „Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich, und ich weiß genau, jeder Zweite hier ist genauso blöd wie ich.“ Oder schlau, möchte man ergänzen. Eines steht fest: Menschen gönnen sich im Urlaub gern etwas, und die Sommerkollektionen großer Marken nehmen vielen Uhrenklassikern die Schwere. Wer das Kleingeld hat, behält mit einer solchen Uhr vor allem eines – eine Erinnerung an die schönste Zeit des Jahres. Zumindest auf Sylt sind die Temperaturen ja bislang noch erträglich.Lesen Sie hier alle Artikel der UhrenWoche und weitere spannende Geschichten rund um die Trends der Uhrenbranche.