Am zweiten Turniertag der Bad Homburg Open saßen zwei ergraute Herren auf der Tribüne, blickten auf den Centre Court hinab und erinnerten sich an die gute alte Zeit. Unter anderem an das Jahr 2022, als die Tennisfans im Kurpark tobten, weil sie die frühere Wimbledon-Finalteilnehmerin Sabine Lisicki durchs Turnier tragen wollten. So hervorragend, sagte einer der Stammgäste vom Tennisclub Bad Homburg, sei die Stimmung nie wieder gewesen. Zumal es damals bei der zweiten Auflage nicht nur Lisicki ins Viertelfinale geschafft hatte, sofern auch Titelverteidigerin und Turnierbotschafterin Angelique Kerber.Vier Jahre später zeigt sich, wie sehr sich die Tenniswelt verändert hat. Die einzige deutsche Teilnehmerin im Hauptfeld (Eva Lys, Nummer 77 der Welt) scheiterte in Runde eins, das WTA-Turnier gewann Karolina Muchova. Es lässt sich nicht drum herumreden: Die Bad Homburg Open sind inzwischen zu gut und die deutschen Damen zu schlecht, damit beide zusammenkommen könnten. Im Dating-Deutsch würde man wohl sagen: Es matcht nicht.Deutsches Damentennis hat sich von der Weltspitze entferntDas Wimbledon-Vorbereitungsturnier ist 2024 aus der 250er- in die höhere 500er-Kategorie der Profiorganisation WTA aufgerückt und damit zum Anziehungspunkt internationaler Branchenstars geworden. Das deutsche Damentennis dagegen hat sich zunehmend von der Weltspitze entfernt. Und zwar so weit, dass die Spielerinnen es nicht mehr ohne Hilfe von Wildcards in so ein hochrangiges Turnier schaffen.Und so hatten die Bad Homburg Open in der zurückliegenden Woche einige Besonderheiten zu bieten, aber keine Lokalmatadorin, die heimische Tennisfans zu Beifallsstürmen hinriss wie einst Sabine Lisicki. Angelique Kerbers Abschiedsspiel gegen ihre serbische Freundin Ana Ivanović wirkte schon am ersten Turniertag wie das letzte Hurra.Anders als in den vergangenen Jahren ist der Turnierveranstalter nicht mehr so freigiebig mit Wildcards für Landsfrauen. 2025 hatten in Tatjana Maria und Laura Siegemund noch zwei reife Tennisdamen einen Freispielschein bekommen. In diesem Jahr war es in Eva Lys nur eine Spielerin, die es versteht, auch abseits des Tennisplatzes für eine gewisse Aufmerksamkeit zu sorgen. Die anderen Wildcards gingen an Stars der Branche wie die 46 Jahre alte Venus Williams oder die Olympiasiegerin Zheng Qinwen.Weil außerdem drei deutsche Damen schon in der ersten Qualifikationsrunde gescheitert waren, war der Deutsches Tennisbund (DTB) als mitgliederstärkster Tennisverband der Welt lediglich auf Augenhöhe mit den Philippinen, was die Teilnahme am Hauptfeld angeht.An dieser Tristesse im Taunus wird sich so schnell nichts ändern. Zwar hat der DTB eine Strategie in Angriff genommen, um wieder mehr Spielerinnen und Spieler in die Weltspitze zu bringen („Tennis Deutschland 2032“). Doch von deren Ergebnissen – so sie überhaupt kommen – wird man in Bad Homburg nicht viel sehen. Erscheint die Lage bei den weiblichen Talenten doch noch mauer als bei den jungen Männern.Die Bad Homburg Open werden ihre Erfolgsgeschichte wohl auch ohne deutsche Beteiligung fortschreiben: zu attraktiv ist der Termin vor dem Rasenklassiker in Wimbledon, zu gut ist das Teilnehmerfeld besetzt. Wenn noch eine ebenso vielversprechende wie mitreißende deutsche Spielerin dazukäme, wäre es ein Match fürs Leben – auch für die ergrauten Herren auf der Tribüne.
Bad Homburg Open: Deutsche Tristesse im Taunus
Angelique Kerber fällt als Spielerin weg, eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht: Die Bad Homburg Open sind zu gut und die deutschen Damen zu schlecht für ein perfektes Match.











