Schon zum sechsten Mal ist Sigi Gantenberg bei den Bad Homburg Open. Die 84 Jahre alte Besucherin hat das Rasentennisturnier der Damen also noch nie verpasst, seit es 2021 zum ersten Mal in der hessischen Kurstadt stattgefunden hat. Gantenberg aus dem nahen Neu-Anspach spielt auch selbst noch, wie sie erzählt. Am Montag aber will sie andere spielen sehen. Ganz besonders auf eine Tennisgröße freut sich die Zuschauerin in der Warteschlange vor dem Centre Court: „Vor allem sind wir wegen der Venus Williams gekommen.“Für frühestens 15.30 Uhr ist das Auftaktmatch der 46 Jahre alten US-Amerikanerin gegen die Rumänin Irina-Camelia Begu angesetzt. Am Vormittag füllen sich die Tribünen erst einmal mit Besuchern, die Diana Shnaider sehen wollen. Die Siegerin der Bad Homburg Open von 2024 spielt gegen die Dänin Clara Tauson. Seit zehn Uhr ist der Einlass geöffnet, gegen halb zwölf fächeln sich auf etwa einem Viertel der Tribünenplätze schon Gäste Luft zu. Wie im vorigen Jahr ist es deutlich über 30 Grad heiß. Am Stand vor dem Centre Court gibt es nur noch Tageskarten der Plus-Kategorie für 85 Euro. Das Plus bedeute ein Freigetränk und einen Platz weit vorne, erläutert der Mitarbeiter am Schalter. „Wenn es Schatten gibt, dann da.“Vergebliche Suche nach ErdbeerenAber auch in der Mittagssonne dürften viele Besucher der Spitzenspielerin Williams zustimmen, die sich vor ihrem Einsatz so zitieren lässt: „Es ist wunderschön in Bad Homburg.“ Sigi Gantenberg und ihre Begleiter jedenfalls sind da ganz einer Meinung mit der siebenfachen Grand-Slam-Siegerin. Gut, dass das Turnier noch bis Samstag dauert. „Am Donnerstag kommen wir wieder zum Viertelfinale.“Entlang der Brunnenallee im Kurpark ist wie jedes Jahr eine Flaniermeile aufgebaut, die den Namen eines Sponsoren trägt. Dort und auf den frei zugänglichen Match Courts 1 und 2 braucht niemand ein Ticket.Schlagkräftig: Ein Kind schlägt ein paar Bälle zurück.Janek StempelAn den Ständen mit den Gin-Spezialitäten und den Double-Cheeseburgern ist noch nicht viel los. Vergeblich bleibt dagegen am Montagvormittag die Suche nach Erdbeeren mit Sahne und damit nach einem saftigen Hauch von Wimbledon. Schließlich gelten die Bad Homburg Open als Vorbereitungsturnier der Spielerinnen auf das größere Ereignis in England, das kurz danach beginnt. Voriges Jahr wurden während der Tennis-Woche im Kurpark 480 Kilogramm Erdbeeren verzehrt. Das klingt nach einer ordentlichen Menge. Allerdings hat von den mehr als 60.000 Besuchern dann auch wieder jeder rechnerisch nur acht Gramm gegessen.Besucher auf der Suche nach AbkühlungAm Stand mit den Merchandise-Produkten des Turniers gehen in diesem Jahr Kappen am besten. „Speziell die weißen“, sagt Beate von Streit. Sie und ihr Mann führen den Stand namens „The Boutique“, wie sie erzählt, schon im vierten Jahr, können also vergleichen. 26 Euro muss ein Besucher für eine Erwachsenenkappe ausgeben. Am Sonntag war es das 62 Besuchern wert, wie ein Blick in den Kassencomputer zeigt. Bei den Sommertemperaturen sind auch Handtücher beliebt. „Als Sonnenschutz und um darauf zu sitzen.“Flaniermeile: Auch an den Ständen dreht sich alles ums Tennis – oder ums Essen, Trinken und Abkühlen.Janek StempelAuf der Suche nach Abkühlung bleibt manch ein Besucher vor dem hintersten Stand der Meile stehen. Der Tourismus-Dachverband des Zillertals und der österreichischen Gemeinde Mayrhofen, die mit Bad Homburg eine Städtepartnerschaft führt, haben einen Pistenplan des Skigebiets aufgebaut. Wer gut in Autosuggestion ist, kann sich also mit Gedanken an Winterurlaub in den Alpen erfrischen. Kühl ist es auch im Stand der Stadt Bad Homburg, dank Ventilator. Wer sich fürs Picknick im Kurpark eine Kunststoff-Sektflöte mitnimmt, kann nachher noch etwas Prickelndes zu sich nehmen. Die Badeschlappen mit Bad-Homburg-Logo sollte man dann aber besser ohne die Tennissocken mit dem Aufdruck „Champagnerluft und Inspiration“ tragen.Auf Court 1 bereiten sich Xinyu Wang und Renata Zarazua auf den Spielbeginn vor. Die Chinesin lässt den Schläger über die Schulter kreisen, joggt auf der Stelle. Als die Münze fällt, darf die Mexikanerin wählen, wer aufschlagen soll. Sie entscheidet sich für die Konkurrentin. Nach ein paar Minuten Aufwärmen werden die Spielerinnen begrüßt; die Chinesin bekommt mehr Applaus.Manche Besucher auf den frei zugänglichen Rängen legen schnell noch etwas Sonnencreme nach. Als das Spiel läuft, wird es ruhig. Die Zuschauer blicken konzentriert auf das Feld. Viele tragen Strohhüte, wie überall auf dem Gelände. Andere haben sich noch eine passende Kappe zum Turnier gekauft. In Weiß.
Bad Homburg Open: Alle warten auf Venus Williams im Kurpark
Bei den sechsten Bad Homburg Open lassen sich die Besucher von der Hitze nicht schrecken. Die Stände im Kurpark verschaffen Abkühlung. Und am Nachmittag soll eine weltbekannte Tennisgröße aufschlagen.











