Ariana Grande ist auf Tour, doch Gesprächsthema ist vor allem ihr KörperDie Pop-Sängerin hat auf Instagram dazu aufgerufen, nicht über das Äussere von anderen Menschen zu sprechen. Damit hat sie einerseits recht – und liegt gleichzeitig trotzdem voll daneben.28.06.2026, 05.30 Uhr3 Leseminuten«Es gibt so viele verschiedene Arten von Schönheit»: Ariana Grande bei der diesjährigen Golden-Globe-Verleihung in Beverly Hills (am 11. Januar 2026).Taylor Hill / GettyAlle Welt spricht zurzeit über Ariana Grande. Vor drei Wochen hat die 33-jährige Pop-Sängerin ihre «Eternal Sunshine»-Tour begonnen. Alle 41 Konzerte waren nach Minuten ausverkauft. Zeitgleich mit der Tour wird auch «Petal», das neue Album der Sängerin, erscheinen. Und die vorab veröffentlichte Single «Hate That I Made You Love Me» landete auf Anhieb auf Platz eins der amerikanischen Charts.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch das ist es nicht, worüber alle sprechen. Das Thema ist vielmehr Ariana Grandes Körper. Im Vergleich zu vor wenigen Jahren scheint er ausgemergelt, knochig und ungesund fragil. Man muss vorausschicken: Körper ist nicht gleich Körper. In der Pop-Musik ist der Körper immer auch Marketinginstrument und Projektionsfläche. Das weiss auch Ariana Grande, die als Teenager vor der Kamera aufgewachsen ist und in den Augen des TV-Publikums «Cat» (aus der Serie «Victorious») war, lange bevor sie Ariana Grande werden durfte.Dass sie 2020 im Song «Pov» feststellte: «I’d love to see me from your point of view» («Ich würde es lieben, mich aus deiner Perspektive zu sehen»), verriet einiges über diese Vermischung von Selbstbild und Aussenwahrnehmung.Und der Blick der anderen kann zur eigenen Obsession werden. Schon 2024, als Ariana Grande im Filmmusical «Wicked» vom Himmel schwebte, schien es, als habe die Rolle der Fee «Glinda» von Ariana Grandes Körper Besitz ergriffen. Dieser wirkte fast schwerelos und zerbrechlich. Ob das Streben des Stars nach Schlankheit in ein ungesundes Verhalten gekippt sei, fragten sich damals viele ihrer Fans.Es war zu dieser Zeit, als Ariana Grande auf Instagram verkündete: «Ich bin gesünder als jemals zuvor.» In ihrem Instagram-Post rief sie dazu auf: «Wir sollen Körper nicht bewerten, sondern schweigen, wenn uns etwas nicht gefällt.» Und: «Es gibt so viele verschiedene Arten von Schönheit.»Body-Positivity kämpft gegen SchönheitsnormenDamit spielte die Sängerin auf Body-Positivity an, eine Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass nicht nur die schlanke und weisse Schönheitsnorm, sondern jeder Körper in seiner Eigenart als schön gilt – ob weich oder gestählt, enthaart oder flaumig, üppig oder knochig.Doch weil es selbst bei Body-Positivity um das Äussere geht, hat sich daraus die Folgebewegung Body-Neutrality gebildet. Um konsequent zu sein, fordert diese, dürfe man dem Aussehen eines Körpers keinerlei Beachtung mehr schenken, sondern müsse sich ihm gegenüber vollkommen neutral (daher der Name) verhalten. Der Fokus solle einzig auf den Charakterzügen einer Person, ihren geistigen Fähigkeiten sowie ihren Werten liegen.Auch Ariana Grande hat durchaus recht, wenn sie fordert, das Augenmerk auf ihre Musik und ihre schauspielerischen Leistungen zu legen statt auf ihre Figur.Allerdings hat die Sache, was Ariana Grande angeht, mehrere Haken. Erstens: Wenn sich die Sängerin auf Body-Positivity beruft, wirkt das geradezu willkürlich. Denn: Wie glaubhaft kann jemand Body-Positivity proklamieren und dabei gleichzeitig offensichtlich von Body-Negativity bestimmt sein, was den eigenen, drastisch abgemagerten Körper angeht? Das ist, als wollte jemand kettenrauchend auf die Gefahr von Zigaretten aufmerksam machen.Zweitens: Mit dem Erstarken der Maga-Bewegung und dem damit verbundenen traditionellen Frauenbild erleben in den USA sowohl Body-Positivity wie auch Body-Neutrality zurzeit herbe Rückschläge. Die Maga-Bewegung wird immer mehr auch zu einer «Masa»-Bewegung (Make America skinny again), und das Schönheitsideal extremer Dünnheit der 2000er Jahre ist zurück. Mit Kanälen wie Skinnytok und Extremdiät-Influencern wie der New Yorkerin Liv Schmidt, die Hunderttausende Follower hat, ist der Trend in der breiten Bevölkerung angekommen.Und drittens ist mit dem Aufkommen von Ozempic der menschliche Körper vollends im Zeitalter seiner technischen Optimierbarkeit angekommen. Was einst als Mensch galt, gilt jetzt vorwiegend als Modelliermasse der Eitelkeiten. Das zeigt sich unter anderem am drastischen Gewichtsverlust von Stars wie Demi Moore, Selena Gomez und eben auch von Ariana Grande. Sie alle gefährden die eigene Gesundheit, um das herrschende Schönheitsideal zu erfüllen – oder es noch zu überflügeln. Dass sie mit diesem Verhalten Vorbild für Millionen von Fans sind, lässt Fragen nach ihrem Verantwortungsbewusstsein laut werden.Hinsichtlich dieses Problems war Ariana Grande auch schon weiter. Nachdem sie 2020 in «Pov» noch mit den Augen der anderen gesehen werden wollte, sang sie 2025 in «Hampstead» umgekehrt: «I would rather be (. . .) alive than dying by your point of view.» (Ich möchte lieber lebendig sein, als an eurer Sichtweise zu sterben.) Momentan scheint von dieser Selbstreflexion wenig übrig zu sein. Aber wer weiss, womöglich kehrt mit ihrem neuen Album auch das Nachdenken über sich und den Blick der anderen zurück. «Petal» erscheint am 31. Juli.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel