Der Kampf ums Überleben beginnt gleich hinter der Gürtelstraße. Ein Lastwagen brettert vorbei. Dem Kennzeichen nach kommt er aus den Niederlanden und will dorthin wohl wieder zurück, über die Berliner Allee Richtung Norden zur Autobahnauffahrt Weißensee.Komisch, den Niederländern wird nachgesagt, dass sie im Umgang mit Fahrradfahrern weltweit die Nase vorn haben. Dieser Niederländer jedoch klebt mit seiner Nase vermutlich am Display eines Smartphones oder hat sie mitsamt Augen sonst wohin gerichtet, nur nicht auf die Fahrbahn. Mit geschätzten 20 Zentimetern Abstand und gefühlten 80 Stundenkilometern rauscht der Vierzigtonner vorbei, dass der Luftzug einen nur so aus dem Sattel bläst.
Die anschließende Sogwirkung zieht das Fahrrad für Bruchteile von Sekunden mit sich, was ein Kamikazepilot in seinem Coupé der gehobenen Mittelklasse offensichtlich nicht einkalkuliert hat. Ruckartig schert er auf den rechten Fahrstreifen aus, um schnell noch einen Pkw zu überholen, bevor es einspurig wird.Knapp vorbei ist voll daneben. In dieser Art geht es weiter mit erhöhtem Adrenalinausstoß und Puls.Über die Berliner Allee lässt sich ja vieles sagen. Zum Beispiel, dass sie einen interessanten Gewerbemix vorhält. Vom Nagelstudio bis zum Bestattungsinstitut ist so ziemlich alles dabei, was der Mensch zum Leben braucht. Oder zum Sterben.









