Die Klimaanlage im Auto zeigt 36,5 Grad Außentemperatur und es geht nur im Schneckentempo voran. Grund ist die große Baustelle rund um den Föhringer Ring. Seitdem in der Nacht zum vergangenen Dienstag die wichtige Verbindung über die Isar an der nördlichen Münchner Stadtgrenze gesperrt ist, geht nicht nur zu den Stoßzeiten in der Früh und am Abend vor allem in Unterföhring nichts mehr.Auch am frühen Nachmittag stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange. Wer sich nicht auskennt oder die bereits zum Beispiel in Garching aufgestellten orangefarbenen Schilder mit dem großen U übersehen hat, der muss sich spätestens an der mit rot-weißen Baken versperrten Kreuzung von Münchner Straße und Zufahrt zum Föhringer Ring in Unterföhring in einen langen Stau einreihen.Nicht alle behalten da die Nerven. Vor allem die Lenker von Autos mit auswärtigen Kennzeichen versuchen, schnell noch umzukehren oder auf den mit Pylonen abgegrenzten Fahrstreifen zu gelangen, was noch weiteres Chaos verursacht – und schließlich die Polizei auf den Plan ruft. Ein Streifenwagen ist an der Abfahrt positioniert, über Lautsprecher werden alle zur Ordnung gerufen, die dennoch auf die gesperrte Geradeausspur Richtung München gelangen wollen. Sie müssen umkehren. Nur Lastwagen der Baufirmen, Linienbusse sowie Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei werden durchgelassen.Dieses Durcheinander hält bis in den späteren Abend hinein an. Aus allen Richtungen versuchen Autofahrer zwar nicht auf den gesperrten Föhringer Ring zu kommen, aber zumindest auf die schmale Leinthalerbrücke über die Isar gleich daneben. Auch hier staut es sich bis nach München-Freimann.Nur im Schritttempo geht es aus Unterföhring raus, auch schon am Nachmittag. Sabine WejsadaDurcheinander an der Kreuzung zum Föhringer Ring. Sabine WejsadaDas Verkehrschaos wird noch bis mindestens 22. Juli dauern. Der Münchner Norden gerät also noch weitere vier Wochen zur Staufalle, deren Auswirkungen großflächig zu beobachten sind. Das zuständige Staatliche Bauamt Freising hat wegen der Vollsperrung des Föhringer Rings zwischen der A9 und der Kreisstraße M13 bei Unterföhring zwar weiträumige Umfahrungen eingerichtet, doch diese Ausweichstrecken sind auch ohne die momentane Kappung der wichtigen Ost-West-Verbindung über die Isar an der Stadtgrenze vielfach überlastet. So kommt der Verkehr etwa auf der B471 zwischen Ismaning und Garching regelmäßig zum Erliegen, wenn auf dem unfallträchtigen Ostring der A99 nichts mehr geht. Gleiches gilt für die Freisinger Landstraße zwischen München und Garching, falls es auf der A9 eng wird.Und auch auf der M13, die an Unterföhring vorbei in den Münchner Osten führt, ist vor allem in der Rushhour stark frequentiert. Am heißen Donnerstagnachmittag nehmen viele Ungeduldige nach einer Kehrtwende an der verstopften Kreuzung zum Föhringer Ring diese Ausweichroute – um sich dann erneut im Schneckentempo über die Mitterfeldallee durch die drei Kreisel in Richtung M13 zu quälen. Ohne Geduld ist alles nichts.Angebot der SZ:Wählen Sie den Whatsapp-Kanal für Ihren LandkreisDie Süddeutsche Zeitung bietet Whatsapp-Kanäle für alle Landkreise rund um München an. Das Angebot ist kostenlos. So abonnieren Sie die Kanäle.Die Komplettsperrung des Föhringer Rings ist nach Angaben des Staatlichen Bauamts erforderlich, weil die wichtige Verkehrsader über die Isar auf vier Spuren erweitert wird. Dafür ist in den vergangenen Jahren bereits der südliche Teil der neuen Herzog-Heinrich-Brücke errichtet worden. Jetzt gehen die Arbeiten in eine „entscheidende Bauphase“, wie das Bauamt mitteilt. In den kommenden Wochen erfolge die Herstellung eines sogenannten Mittellängsverbaus, um ein nördlich der bestehenden Fahrbahn gelegenes Baufeld abzusichern. Zu diesem Zweck ist auch die Ausfahrt der Anschlussstelle Frankfurter Ring auf der A9 in Fahrtrichtung München dicht. Während der Individualverkehr großräumig ausweichen muss, können Busse des MVV die Verbindung nutzen. Damit nichts passiert, hat das Bauamt einen Sicherungsposten abgestellt.So still ist es sonst nie: Nur Busse und Einsatzfahrzeuge dürfen den Föhringer Ring derzeit passieren. Sabine WejsadaNach kompletter Fertigstellung der neuen Isarbrücke Süd wird der Verkehr über das Bauwerk fließen, und zwar auf zwei Fahrstreifen in Richtung Osten. Angelegt wird dann auch eine neue Ausfädelspur für alle jene, die nach Unterföhring oder München-Oberföhring wollen. Erst wenn das alles erledigt ist, kann nach Information des Bauamts der Abbruch der Herzog-Heinrich-Brücke starten, gefolgt von einem neuen Bauwerk. Die Kosten für die Erweiterung des Föhringer Rings auf vier Spuren dürften laut aktuellen Berechnungen knapp 76 Millionen Euro kosten, eine stattliche Summe für eine Strecke von 1,9 Kilometern. Ein Ende der Bauarbeiten ist 2030 zu erwarten.Engstelle: Nicht nur am Föhringer Ring wird gebaut, auch auf der darüber führenden Münchner Straße von Ober- nach Unterföhring. Sabine WejsadaWem es gelungen ist, die Engstelle an der Kreuzung zum Föhringer Ring zu überwinden, der muss allerdings seinen Fuß schnell wieder vom Gas nehmen. Denn auf der Münchner Straße zwischen der Einmündung Feringastraße und der Brücke über den gesperrten Ring gibt es Behinderungen, weil die Stadtwerke München (SWM) dort Gasleitungen verlegen. Das verursacht weitere Staus aus und in Richtung München. Und auch ein paar hundert Meter weiter, wo zahlreiche Einkaufsmärkte liegen, sind Bauarbeiter am Werk. Zwei der vier üblichen Spuren sind gesperrt.Unterföhring gleicht aktuell einem Ort, der mehr oder minder abgehängt ist von der nahen Stadt München. Zumindest, wenn man im eigenen Auto unterwegs ist.
Föhringer Ring: Baustelle wird zur Staufalle
Die noch bis Ende Juli dauernde Komplettsperrung des Föhringer Rings bringt den Verkehr vor allem in Unterföhring zum Erliegen.






