Aufstehen, weitergehen: Die Australierin M.L. Stedman erzählt vom Umgang mit SchicksalsschlägenIn ihrem ergreifenden Roman entwirft M. L. Stedman das Leben einer Familie im Outback. «Ein weites Leben» ist ein richtiger Sommerschmöker.28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenEin folgenreicher Verkehrsunfall im Outback zerstört das Leben der australischen Familie in M.L. Stedmans Roman.Thurston Hopkins / Picture Post / Getty ImagesAuf einer Schaffarm im australischen Outback braucht man vor allem eines: Beharrlichkeit. Heisse Sommer, bitterkalte Winter, karges Land. Einen Kühlschrank hat Lorna erst seit kurzem, denn die Geschichte spielt in den 1950er Jahren. Doch die Lagerung von Kängurufleisch ist nicht ihre erste Sorge. Die Ehefrau und dreifache Mutter wird gleich zu Beginn von einem schweren Schicksalsschlag getroffen: Ihr Mann und ihre Söhne verunglücken mit dem Lastwagen. Der Ehemann und der ältere Sohn sterben, der jüngere, Matt, fällt ins Koma und erleidet schwere Hirnverletzungen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.M. L. Stedman zeichnet in ihrem mitreissenden Roman den weiten Weg einer versehrten Familie: die beinahe übermenschliche Tapferkeit Lornas, die Widerborstigkeit ihrer Tochter Rosy, der aufreibende Kampf Matts um seine Erinnerungsfähigkeit. Später wird er die Farm weiterführen, obwohl er eigentlich studieren wollte.Doch das ist noch nicht alles: Ein zweiter verhängnisvoller Zwischenfall bringt neues Unglück über die drei. Wird das Leid irgendwann nicht mehr das letzte Wort haben? Die Autorin erzählt von Menschen, die allen Umständen zum Trotz beharrlich und liebevoll sind, weil sie Verantwortung für andere tragen. Sie fasst Herzzerreissendes in schlichte Sprache, ohne psychologisierende Begriffe wie Resilienz, sondern ganz aus dem Erleben ihrer Figuren heraus.Und was für lebendige, kraftvolle, erfahrungsreiche Charaktere das sind! Die Australierin M. L. Stedman ist eine Meisterin der Figurenzeichnung. Mehr als ein Jahrzehnt hat sie, die wie Elena Ferrante unter Pseudonym schreibt, an diesem Roman gearbeitet. Diese Sorgfalt und Tiefe merkt man der weiten, weitherzigen Geschichte an. Sie spielt zwar in einer vergangenen Zeit. Doch nicht nur für sich selbst zu leben, ist deswegen noch längst nicht altmodisch.M. L. Stedman: Ein weites Leben. Übersetzt von Cornelius Hartz. Blanvalet 2026. 528 Seiten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel