KommentarWir nehmen die Probleme der Jugend so wenig ernst wie einst den KlimawandelDie Politik steckt im Defensivmodus fest. Sie reagiert nur auf direkt erfahrbare Bedrohungen, statt Gefahren rechtzeitig zu antizipieren. Darum kämpft das Land mit einer Krise in der Landesverteidigung, in der Rentenfinanzierung – und bald auch mit einem Jugendproblem.28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenDas Bundesamt für Gesundheit diagnostiziert eine weitere Zunahme psychischer Auffälligkeiten, Teenager fühlen sich gestresster und neigen häufiger zu Depressionen.Oleh Slobodeniuk / E+ / GettyGlauben Sie auch, dass die Hitzewelle das einzig relevante Thema der Woche ist? Keine Sorge, Sie sind mit diesem Irrtum nicht allein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Denn nichts verbindet Menschen mehr als das Dauerleiden an der Dauerhitze. Ich schwitze, also bin ich, umschreibt das Lebensgefühl der Nation. Im Ausnahmezustand kann jeder Hitzesklave mitreden, Massnahmen fordern – und den Kulturkampf um die Deutung der Rekordtemperaturen führen. Früher war alles besser, und es war genauso heiss, wie die Veteranen in den Schützengräben des Klimadiskurses erzählen.Die neue Aufregung folgt einem alten Gesetz. Die direkte Erfahrbarkeit von Bedrohungen zwinge Menschen, zu handeln oder zumindest so zu tun, attestierte einst der Soziologe Ulrich Beck der Risikogesellschaft. Der Mensch gehorcht seiner DNA und rennt vor dem Säbelzahntiger nur davon, wenn er ihn sieht. Die begründete Vermutung einer Gefahr reicht nicht aus, was ihn fast immer zu spät reagieren lässt.Womit wir bei der politischen Krisenprophylaxe auf Steinzeitniveau wären. Klar, im Nachhinein ist jeder schlauer. Vieles ist nicht vorhersehbar, manches aber schon. Die frühen Symptome des Klimawandels gehören ebenso dazu wie Wladimir Putins grüne Männchen, die 2014 auf der Krim für alle erkennbar machten, dass das grosse Fressen der Friedensdividende für den Westen bald vorbei sein musste. Die Schweizer brauchten aber noch viele weitere Jahre plus den russischen Überfall auf die ganze Ukraine, um das zu begreifen. Und die Bedrohung durch die Überalterung nimmt erst recht niemand ernst, allen voran die zuständige Bundesrätin. Das AHV-Alter bei 65 zu belassen, wirkt für eine nachhaltige Finanzierung etwa so sinnvoll, wie sich am Strand einem Tsunami entgegenzustellen.Nun droht ein nächster Sturm. Auch diesmal ist er für viele noch unsichtbar, abstrakt und irrelevant. Aber spätestens seit dieser Woche sind die Vorboten nicht mehr zu übersehen: Die Jugend leidet. Das Bundesamt für Gesundheit diagnostiziert eine weitere Zunahme psychischer Auffälligkeiten, Teenager fühlen sich gestresster und neigen häufiger zu Depressionen. Die Entwicklung setzt sich in den Zahlen der Invalidenversicherung fort. In der Altersgruppe 18 bis 24 verdoppelte sich allein im Jahr 2024 die Anzahl neu bewilligter Renten wegen psychischer Erkrankungen auf rund 2000, Tendenz stark steigend. Dass vergangenes Jahr laut einer neuen Studie die Anzahl Stellen für Berufseinsteiger in der Schweiz wegen der KI um ein Drittel schrumpfte, sorgt zusätzlich für Verunsicherung.Doch diesem Problem fehlt die Lobby. Die Macht an der Urne verschiebt sich Richtung Rentner, haben die Experten des Think-Tanks Avenir Suisse jetzt herausgefunden. Und Nationalräte wie der SP-Chef Cédric Wermuth oder der SVP-Hardliner Mike Egger setzen lieber auf Konformität mit dem Zeitgeist – mit ihrem Postulat gegen toxische Männlichkeit bei Jugendlichen. Ob sie damit die Prioritäten richtig setzen? Extreme Hitze beeinträchtige die kognitive Leistungsfähigkeit, geben Ärzte zu bedenken.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»28 KommentareUwe Miroslau 30.06.2026Lieber Beat, es gab eine Zeit wo ich in Deutschland deine Ideen erfrischend fand. Leider warst du lange im grossen Kanton. Die gesellschaftliche Debatte die du anstösst ist relevant aber der Lösungsweg lässt sich nicht durch Befindlichkeiten und Gefühle lösen. Das grosse über uns hast du gelernt. Wir Ch erwische mich in dem Moment des Mitgefühls aber es ist leider nicht das was ich objektiv von der nzz erwarte. Es macht mich als Deutscher in der Schweiz, der seit Jahrzehnten die nzz als Leuchtturm des Liberalismus und des Austausches versteht n Argumenten gesehen hat, die nzz abzubestellen. Es schmerzt. Deine Artikel haben den finalen Entscheid gegeben. Manchmal hilft es weniger sein zu wollen…..Uli Hofer 29.06.20266 EmpfehlungenVielleicht leidet die Jugend bei uns ganz einfach an Wohlstandsverwahrlosung.
Wir nehmen die Probleme der Jugend so wenig ernst wie einst den Klimawandel
Die Politik ignoriert das Jugendproblem genau wie einst den Klimawandel. Warum wir bei Depressionen von Jugendlichen wegschauen statt Krisen zu verhindern.









