Kristín Eiríksdóttir schrieb mit «Der Film» einen schonungslosen Roman über moralische Massstäbe.Von Verena Stössinger28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenKristín Eiríksdóttir schreibt schonungslos nüchtern über die Menschen auf Island.Dreamstime / Cubafotos / ImagoDas Festival, bei dem Villas Erstling Premiere hat, zeigt Dokumentationen, die «sowohl persönlich als auch politisch» sind. «Ihr Film ist beides», sagt die Moderatorin hinterher kühl, «versucht aber gleichzeitig, nichts davon zu sein.» Aus dem Publikum schlägt Villa Empörung entgegen, und sie bricht auf der Bühne zusammen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ihr Film erzählt von Dimmi, dem Jugendfreund mit ähnlich kaputtem Leben wie dem ihren. Sie konnte sich auffangen und versucht, clean zu bleiben und ihrem Kind gerecht zu werden, sie hat jetzt sogar die Aufnahmeprüfung an der Filmhochschule geschafft.Dimmi aber, der Sohn eines Seemanns und einer sehr jungen Russin, die von Reykjavík bald wieder zurück nach Murmansk geflohen war, rutschte immer weiter ab. Für den Säufer und Schnorrer, Junkie, Dealer, Dieb und Zuhälter, der öfter «hinter Gittern» sass und schliesslich auf einem Walfangschiff anheuerte, «weil es einem kleinen Mann gut tut, einen grossen Wal zu töten», ist Rettung nicht mehr denkbar. «Sie beziehen nie Position», kritisiert die Moderatorin. Und das bei den Themen Walfang, Sucht, #MeToo . . .Villa ist den Angriffen nicht gewachsen. «Wir müssen das irgendwie aushalten», sagt Ninja zwar, ihre Freundin und Kamerafrau, am Ende dieses so sensiblen wie auch schonungslos nüchternen Romans der auf Island berühmten Autorin Kristín Eiríksdóttir. Doch, meint sie, «es gibt keine Schlussfolgerung und keine Lektion, nur Schattierungen.» Und findet, dass sie den Film eigentlich noch einmal neu machen sollten, diesmal wach für Grenzüberschreitungen und mit der Absicht, Dimmi doch noch zu konfrontieren und sein Leben nicht nur unwidersprochen abzubilden. Aber dafür müsste Villa nach ihrem Rückfall in die Sucht erst einmal wieder auf die Beine kommen.Kristín Eiríksdóttir: Der Film. Ü: Tina Flecken. Hanser Berlin 2026. 368 Seiten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Distanz oder Nähe: Kristín Eiríksdóttir schonungsloser Roman über moralische Massstäbe
Kristín Eiríksdóttir schrieb mit «Der Film» einen schonungslosen Roman über moralische Massstäbe.






