Zwei Historiker zeichnen den Aufstieg von Elon Musk zum «Technoking» nach. Sie erfinden auch ein neues Wort für seine Selbstinszenierung: MuskismusBerthold Merkle28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenWill sich selbst ein Denkmal setzen: Elon Musk ist zur Ideologie geworden.Cheney Orr / ReutersElon Musk ist kein Unternehmer. Nicht mehr. Er ist eine Ideologie. In ihrem Buch «Muskismus» zeigen die Historiker Quinn Slobodian und Ben Tarnoff keinen exzentrischen Visionär, sondern einen politischen Akteur mit eigenem Programm. Musks Auftritte als gnadenloser «besonderer Effizienzberater» nach der letzten Wahl Trumps in den Behörden Washingtons sind noch in Erinnerung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Autoren suchen die Wurzeln von Musks Strategie und untersuchen dafür die prägenden Augenblicke seines Lebens von der Kindheit im Apartheid-Land Südafrika bis zur Startrampe des Raumfahrtunternehmens Space X und der Verwandlung des sozialen Netzwerks Twitter in sein Sprachrohr X. Ihre Analyse zeigt, wie sich um Musk ein Denken formiert hat, das staatliche Regeln als Fesseln begreift und Technik als Heilsversprechen inszeniert. «Muskismus» nennen die Autoren diese Mischung aus Marktgläubigkeit, libertärem Sendungsbewusstsein und digitalem Autoritarismus.Der klügste Zug des Buches ist der historische Vergleich: Vor hundert Jahren installierte Henry Ford mit der Fliessbandproduktion das wirtschaftliche Betriebssystem des 20. Jahrhunderts, heute greift Musk mit Elektroautos, Raumfahrt und Plattformökonomie in die Infrastrukturen des 21. Jahrhunderts ein. Doch wo Ford Wohlstand für alle versprach, verkauft Musk etwas Verführerischeres: Autonomie, Unabhängigkeit und Souveränität durch Technologie. Mit einem Haken: Die Freiheit, die er verspricht, führt direkt in die Abhängigkeit von ihm.Die beiden Autoren argumentieren zugespitzt, oft auch polemisch, und stellen vor allem die alte Frage neu: Wer gestaltet die Gesellschaft, gewählte Institutionen oder visionäre Unternehmer? Erschreckend klar wird auch, was passiert, wenn ein leidenschaftlicher Computerspieler sein Leben und damit das vieler anderer als ein einziges grosses Computerspiel betrachtet.Quinn Slobodian und Ben Tarnoff: Muskismus. Aufstieg und Herrschaft eines Technoking. Ü: Stephan Gebauer. Suhrkamp 2026. 267 Seiten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel