Nach dem schweren Doppelbeben in Venezuela werden im Internet freiwillige Helfer gefeiert, die ihren Rettungseinsatz auf der Suche nach Verschütteten mit Gesang begleiten. Auf einem von „El País México“ geteilten Video sind die Helfer zu sehen und zu hören, wie sie laut und enthusiastisch gemeinsam singen: „Beruhig dich, mein Verletzter, wir sind fast da.“Dabei greifen sie in einer leichten Abwandlung auf ein populäres venezolanisches Weihnachtslied zurück, „El burrito sabanero“. Es handelt von einem Hirten, der sich mit seinem kleinen Esel auf den Weg zum Jesuskind macht. Der Gesang soll dem Medium zufolge Verschüttete auf die nahenden Helfer aufmerksam machen und Trost spenden.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Das „El País“-Video zeigt auch, wie unter schweren Betontrümmern Überlebende gefunden werden, darunter ein eingeklemmtes Kind. „Wir holen dich jetzt raus, damit dich der Hubschrauber wegbringen kann“, ist ein Helfer zu hören, dem der kleine Junge antwortet: „Aber es ist alles zerstört.“Am dritten Tag nach der Katastrophe im venezolanischen Bundesstaat La Guaira verbreiten Videos wie dieses weiter die Hoffnung, noch Menschen aus den eingestürzten Häusern zu retten. Neben Einsatzkräften aus dem In- und Ausland beteiligen sich allerorts Anwohner an der Suche – zumeist ohne schweres Gerät oder ausreichendes Werkzeug. Mehrere Erdbeben in Folge Am Mittwoch hatten zwei kurz aufeinanderfolgende Beben der Stärke 7,2 und 7,5 den Norden und das Zentrum des südamerikanischen Landes erschüttert. Mindestens 920 Menschen sind laut Behörden ums Leben gekommen, mehr als 3000 wurden verletzt. Es wird befürchtet, dass Tausende Menschen unter Trümmern begraben worden sein könnten.In der Nacht auf Samstag erschütterte ein weiteres Beben mit einer Stärke von 4,9 die Nordküste Venezuelas, wie das europäische Erdbebenzentrum EMSC mitteilte. Zeugen der Nachrichtenagentur Reuters spürten das Beben unter anderem in der Hauptstadt Caracas und der nahegelegenen Stadt Maracay.Venezuela steht nach den verheerenden Erdbeben vom Mittwoch vor entscheidenden Stunden bei der Rettung von Überlebenden. Das sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez mit Blick auf den dritten Tag der Suche nach unter Trümmern verschütteten Menschen. „Es sind kritische Stunden für die Rettung von Leben“, sagte Rodríguez. Experten gehen davon aus, dass die Überlebenschancen der Vermissten und Verschütteten nach 72 Stunden stark sinken. Militär kontrolliert Norden Venezuelas Angesichts der schweren Schäden im Bundesstaat La Guaira hat die venezolanische Regierung die Region im Norden des Landes militarisiert. Die Streitkräfte hätten die Kontrolle übernommen, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Arbeit der Rettungskräfte zu erleichtern, sagte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez. Auch die Zufahrtsstraßen nach La Guaira wurden gesperrt. Damit will die Regierung in Caracas verhindern, dass Menschen unnötig dorthin reisen. Freiwillige Helfer müssen sich zuvor registrieren. Zahlreiche Gebäude sind in der Erdbebenregion eingestürzt. © REUTERS/Maxwell Briceno Mehr als 380 Wohnhäuser sowie 13 Krankenhäuser wurden durch die Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 am Mittwoch zerstört oder schwer beschädigt, wie Rodríguez mitteilte. Auch Einkaufszentren und andere Gebäude seien eingestürzt. Insgesamt seien mehr als 1400 Gebäude und Einrichtungen teilweise beschädigt oder zerstört worden. Mehr als 300 Nachbeben registriert La Guaira wurde von den Erdbeben am schwersten getroffen, aber auch in der Hauptstadt Caracas und an anderen Orten kam es zu großen Schäden. Mehr als 300 Nachbeben wurden bislang registriert.Auf einem eigens für die Suche nach Vermissten eingerichteten Internetportal gingen Zehntausende Meldungen ein. Nach Angaben der Betreiber gelten dort derzeit rund 50.000 Menschen als vermisst. Auf der inoffiziellen Plattform können Angehörige und Bekannte Fotos der Vermissten zusammen mit weiteren Informationen hochladen. Die Angaben lassen sich allerdings nicht unabhängig überprüfen. Menschen ruhen sich aus, während sie nach den Erdbeben in einem Feldlazarett in La Guaira, Venezuela, am 24. Juni 2026 behandelt werden. © REUTERS/Maxwell Briceno Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Rodríguez telefonierte mit US-Präsident Donald Trump. Er und US-Außenminister Marco Rubio hätten angerufen und ihr die Unterstützung der USA für Venezuela angesichts der Katastrophe zugesichert, schrieb Rodriguez auf der Plattform X.„Sie bekräftigten ihre Bereitschaft, die Hilfsmaßnahmen durch die Entsendung von Rettungskräften, Spezialausrüstung, Unterstützung für Notunterkünfte und humanitäre Hilfe für die betroffenen Familien zu begleiten. Wir sind zutiefst dankbar für diese Geste der Freundschaft und Zusammenarbeit“, schrieb die Staatschefin. Im Januar hatte eine Spezialeinheit des US-Militärs den langjährigen Machthaber Nicolás Maduro in Caracas gefangengenommen und in die USA gebracht, um ihn wegen Drogendelikten vor Gericht zu stellen. Seitdem hat Maduros einstige Stellvertreterin Rodríguez die Regierungsgeschäfte übernommen. (Reuters, dpa)
Schwere Erdbeben in Venezuela: Retter begleiten Suche nach Verschütteten mit Gesang
Nach dem Doppelbeben in Venezuela singen Helfer ein abgewandeltes Weihnachtslied, um Verschüttete zu trösten. Über 920 Menschen sind bereits tot – die Suche geht weiter.










