Herr Sroka, am Sonntag müssen die Langstrecken-Triathleten nicht nur 3,8 Kilometer Schwimmen und auf kurzfristig wegen der Hitze verkürzten strecken Rad fahren und einen Halbmarathon bewältigen. Als Gegner kommt die Hitze dazu. Haben Sie große Bedenken, was da auf Sie und alle anderen Helfer zukommt?Wir haben einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit verschiedenen Wetterlagen zum Ironman. Wir hatten bestimmt schon drei oder vier Hitzerennen in der Vergangenheit. Das hilft uns, dass wir auch jetzt gut vorbereitet sind. Deshalb habe ich keine ganz großen Bedenken, die Verkürzung der Strecken auf dem Rad und beim Laufen sind zudem eine Entlastung. Aber die Hitze bleibt natürlich ein Faktor, eine Belastung. Das gilt ja nicht nur für den Ironman, sondern für alle Menschen, auch für die, die sich in dieser Woche so gut wie gar nicht bewegen.Haben Sie mehr Angst um die Topathleten, die im Kampf um Minuten und Sekunden über ihre Grenzen gehen müssen, oder fürchten Sie eher um die Hobbyathleten, die erst zwei bis drei Stunden nach den Schnellsten bei größerer Hitze vom Rad auf die Laufstrecke wechseln?Zuständig für den Ironman: DRK-Verbandsarzt Michael Sroka leitet ein riesiges Team an ehrenamtlichen Helfern.Dienstagmorgen Fotodesign Manuel DornIch habe eigentlich die meiste Angst um die Zuschauer, die zum Teil ohne Sonnenschutz mit Kind und Kegel den ganzen Tag in der Hitze stehen. Die Profisportler und die sehr ambitionierten Hawaii-Aspiranten müssten es eigentlich verstanden haben, denn das, was wir jetzt erwarten, ist von der Temperatur her nicht so weit weg von Hawaii. Also spätestens seit den Ereignissen damals um Sarah True, die als Führende nur einen Kilometer vor dem Ziel von Sanitätern von der Strecke geführt werden musste, ist das auch wirklich beim letzten Profi angekommen, wie der Umgang mit Hitze zu bewerkstelligen ist. Bei den Amateuren gibt es zwei unterschiedliche Gruppen. Die einen, die um jeden Preis, koste es, was es wolle, das Ziel erreichen wollen. Und die dann am Ende möglicherweise bei uns als Patienten landen. Und die, die mal eine Pause einlegen. Wir hatten im Großraum Bad Vilbel und Friedberg schon Liegewiesen, wo viele Teilnehmer die Fahrräder abgelegt, sich ins Feld gelegt und eine halbe Stunde Siesta gemacht haben.Ist es richtig, anzunehmen, dass im Wasser keiner kollabiert, da es dort kühl ist, dass auf dem Rad in den Morgenstunden der Fahrtwind hilft und die einfache Flüssigkeitszufuhr, während der Lauf in der Mittagshitze aus gesundheitlicher Sicht der Knackpunkt ist?Auch das hängt jeweils davon ab, wo die persönliche Stärke liegt. Wir haben Athleten, für die ist das Schwimmen eigentlich die schwierigste Hürde. Die werden möglicherweise leiden, weil es ihnen im Wasser am Sonntag zu warm ist. Auf der Fahrradstrecke sind auch Anstiege dabei, die bei Hitze besonders belastend sind. Aber natürlich ist der Marathon an diesem Wochenende wohl besonders im Fokus. Beim Laufen kommt hinzu, dass man dann seine Zeit im Blick hat, die man sich als Ziel gesetzt hat. Da neigt man im Zweifel dazu, sich zu überfordern.Wenn Sie die Zuschauer ansprechen: Sollen die am besten zu Hause bleiben?Viele wollen ja ihre Familienmitglieder unterstützen. Da wäre das ein großer Verzicht. Aber sie sollten sich auf die Hitze vorbereiten und beispielsweise genügend Wasser mitnehmen und für Sonnencreme und Kopfbedeckung sorgen und eben das machen, was uns der Mittelmeerraum vormacht: mittags eine Siesta. Und anstrengende Dinge wie Einkaufen auf den frühen Morgen und den späten Abend legen. Ein weiterer Tipp ist, sich als Zuschauer ein bisschen Schatten zu suchen und sich mal hinzusetzen, wenn es heiß wird. Für uns gibt es dann übrigens noch eine Gruppe, auf die wir besonders achten müssen.Welche?Die Helfer im Sanitätsdienst, also uns selbst: Helfer neigen dazu, über ihre Grenzen zu gehen, um anderen zu helfen. Gerade bei der Hitze müssen wir gut darauf achten, dass unsere rund 400 ehrenamtlichen Kollegen aus verschiedenen DRK-Verbänden in Hessen und natürlich auch die Rettungsdienste sich Pausen und Erholungszeit nehmen. Denn niemandem ist geholfen, wenn letztlich die Helfer kollabieren.Weil Sie auch den typischen Mittagspausen-Jogger erwähnt haben: Hat das bei Hitze und Sonne irgendeinen Trainingseffekt, oder ist das kontraproduktiv?Man hat schon einen Trainingseffekt, weil man bei Hitze schneller in entsprechende Pulsfrequenzen kommt. Aber man hat natürlich auch den Effekt der Hitze, die Gefahr der Erschöpfung, des Sonnenstichs, weil die Mittagshitze einem auf den Kopf scheint. Deshalb ist es nicht ratsam, in der Hitze die größte Belastung zu suchen.Sollte der Sportler, der vielleicht üblicherweise zwei- bis dreimal die Woche eine halbe bis eine Stunde Sport macht, in dieser Woche dann mal lieber ganz darauf verzichten?Gut wäre es, um sechs Uhr morgens aufzustehen und zum Morgenlauf durch den Wald zu gehen. Oder abends ab 21 oder 22 Uhr. Zwischen 11 und 16 Uhr sollte körperliche Anstrengung draußen vermieden werden. Das gilt genau so für andere Tätigkeiten, wie beispielsweise das Blumengießen: am besten frühmorgens oder spätabends, wenn es eben nicht ganz so heiß ist. Und die beste Vorbereitung ist ohnehin, ordentlich zu schlafen. Wer eine Klimaanlage hat, sollte die auch vernünftig nutzen.Was heißt vernünftig?Die Wohlfühltemperaturen sind bei der Hitze nicht die 21 Grad, die wir sonst mögen. Jetzt ist das Delta zwischen drinnen und draußen das entscheidende Maß, weil das sonst auch belastet und krank macht. Vier bis fünf Grad reichen, um für Entlastung zu sorgen, die Luft zu entfeuchten hilft auch.Für die Triathleten ist die Hitze nicht nur am Sonntag eine hohe Belastung, sondern in der gesamten Woche der Vorbereitung. Ist diese Woche insgesamt eine Überforderung?Nein, es wäre für den Körper härter, wenn es im Extremfall von Samstag auf Sonntag plötzlich von kühlem Wetter auf Hitze umschlagen würde. So ist eine gewisse Gewöhnung vorhanden. Nordeuropäische Spitzen-Triathleten würden ja deshalb auch nie auf die Idee kommen, erst zum Wettkampftag nach Hawaii zu reisen, um sich vorher im kühlen Skandinavien vorzubereiten.Sollten sich die Triathleten dennoch anders vorbereiten als bei gemäßigteren Temperaturen?Ja, Regeneration ist das Entscheidende. Wenn man bei Hitze länger braucht zum Regenerieren, dann sollte man das an den letzten Vorbereitungstagen mit einkalkulieren.Ein großes Thema ist das Trinken: Müssen es für den Triathleten am Sonntag ganz besondere Spezialmixturen sein?Ich gehe es andersherum an: Von mineralienarmem Leitungswasser oder gar destilliertem Wasser ist kategorisch abzuraten. Ob es dann das stark beworbene isotonische Elektrolytgetränk sein muss oder die Apfelschorle, das ist die Entscheidung jedes Sportlers. Auch Sprudel, das wir Deutschen mehr trinken, oder stilles Wasser wie in Frankreich ist Geschmackssache. Auf jeden Fall sind dort wichtige Bestandteile wie Salze und Elektrolyte, also Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium enthalten. Jeder sollte in der Wettkampfsituation das trinken, was ihm schmeckt und hilft, genug Flüssigkeit und die Inhaltsstoffe aufzunehmen.Sie verdammen also auch nicht die Apfelschorle, deren Ruf als Durstlöscher auch mal nicht so gut war …Nein, alles natürlich immer in Maßen. Aber die Apfelschorle liefert wichtige Bestandteile, und auch für den Ironman kann in Maßen das alkoholfreie Weizen das richtige isotonische Getränk sein, um nach dem Wettkampf die Speicher wieder aufzubauen. Wenn der Athlet auf ein Getränk Lust hat, ist das umso besser. Sie werden am Sonntag auf dem Römerberg sehr viele Finisher sehen, die ein Weizenglas in der Hand haben.F.A.Z.Zur PersonMichael Sroka ist Kreisverbandsarzt beim Deutschen Roten Kreuz. Er verantwortet als ärztlicher Leiter die medizinische Versorgung beim Ironman Frankfurt am Sonntag. Er war bereits 2002 beim 1. Ironman in Frankfurt tätig. Sroka blickt entsprechend auf einige Jahre an Erfahrung mit dem Rennen zurück und kennt Hitzeszenarien, wie sie für diesen Sonntag erwartet werden. Das DRK baut dabei auf 400 ehrenamtliche Helfer, ohne die eine Veranstaltung wie der Ironman mit fast 3000 Teilnehmern, die teils an ihre Grenzen gehen und sogar darüber hinaus, nicht denkbar wäre.