Liebesaffäre mit juristischem Nachspiel: Der ehemalige CEO Laurent Freixe fordert von Nestlé Millionen zurückWegen einer verheimlichten Liebesbeziehung verlor Laurent Freixe seinen Job als Nestlé-Konzernchef. Nun kämpft er juristisch um Ruf und Geld. Ein Arbeitsrechtler ordnet seine Erfolgschancen ein.27.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDer frühere Nestlé-Konzernchef Laurent Freixe hält seine fristlose Entlassung im September 2025 für unbegründet.Carlos Manuel / Global Images / ImagoEine solche Trennung kommt selten vor in Schweizer Chefetagen. Anfang September 2025 eröffnete der Nestlé-Verwaltungsrat dem damaligen CEO Laurent Freixe, dass er fristlos entlassen sei. Freixe musste umgehend sein Mobiltelefon abgeben, damit die Firma heikle Daten löschen konnte. Freixe verlor auch seine Bonusansprüche. Es war ein tristes Ende nach fast vierzig Jahren im Unternehmen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Diese hatte ihm Nestlé bei der fristlosen Entlassung gestrichen.«Laurent Freixe bestreitet sowohl die Gründe als auch die Art und Weise seiner Entlassung», wird Freixes Anwältin im Bericht zitiert. Er sei nach fast vierzig Jahren tadelloser Dienste ohne vorherige Anhörung entlassen und seiner «rechtmässig verdienten Vergütung beraubt worden». Dadurch seien sein Ruf und seine Fähigkeit, seine Karriere fortzusetzen, in unverhältnismässiger Weise geschädigt worden. Einzelheiten zu den Forderungen wollte die Anwältin nicht nennen. Ein Nestlé-Sprecher lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme zur Angelegenheit ab.Die Regeln für die Vergütung von Führungskräften sind im Vergütungsbericht von Nestlé dargelegt. Dort steht, dass Vorstandsmitglieder bei einer fristlosen Kündigung ihre Ansprüche auf den kurzfristigen Bonus sowie auf Leistungen aus langfristigen Anreizprogrammen verlieren. Anders ist es, wenn der Arbeitgeber einem Vorstandsmitglied ordentlich kündigt – zum Beispiel wegen strategischer Differenzen. Die Manager haben dann während der Kündigungsfrist von 12 Monaten weiter Anspruch auf das jährliche Grundgehalt, den anteiligen kurzfristigen Bonus sowie auf gesperrte Aktien aus langfristigen Anreizprogrammen.War die fristlose Kündigung rechtens?Dass Topmanager wie Freixe rechtlich gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber vorgehen, ist keineswegs unüblich. Solche Fälle hätten sehr häufig ein juristisches Nachspiel, sagt Michael Hess, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Schellenberg Wittmer. «Eine fristlose Kündigung führt eigentlich immer zu einem Streitfall, das ist fast so sicher wie das Amen in der Kirche.» Bei Topmanagern gehe es zudem um viel Geld.Den typischen Fall schildert Hess so: Die Arbeitnehmer bestritten, dass die fristlose Kündigung rechtmässig gewesen sei. Wenn das Gericht diese Sicht stütze, habe dies in der Regel auch finanzielle Folgen. «Es steht dem Arbeitnehmer dann alles zu, was er bei einer ordentlichen Kündigung erhalten hätte.» Im Fall Freixe hätte dieser also wohl Anspruch auf die Bonuszahlungen und die gesperrten Aktien, die ihm der Nestlé-Verwaltungsrat gestrichen hat. Es dürfte um einige Millionen Franken gehen.Arbeitnehmer forderten in solchen Gerichtsfällen vermehrt auch Schadenersatz, sagt der Arbeitsrechtler. Sie argumentierten, dass durch die Art und Weise der Entlassung ihre Reputation und ihre Karriere geschädigt worden seien. Diesen Ansatz scheint auch die Anwältin von Laurent Freixe zu verfolgen.Der Knackpunkt in der juristischen Auseinandersetzung wird also wohl sein, ob die fristlose Kündigung von Freixe gerechtfertigt gewesen ist oder nicht. Das hänge stark vom Einzelfall ab, sagt der Experte Hess. Generell gelte, dass die Gerichte hohe Massstäbe an die Rechtmässigkeit einer fristlosen Kündigung anlegten. Auf welche Seite sie sich im Fall Freixe stellen würden, sei schwer vorauszusagen. «Typischerweise kann sich keine der Parteien in Sicherheit wiegen.»Nestlé sieht sich im RechtDie Gerichte müssen auch beurteilen, ob es Alternativen zu einer fristlosen Kündigung gegeben hätte. Nestlé dürfte sich auf den Standpunkt stellen, dass es keine anderen Optionen gab.Nach Ansicht des Konzerns hat Freixe den internen Verhaltenskodex verletzt, den er als CEO kurz zuvor noch selbst überarbeitet und unterschrieben hatte. Für die Firmenkultur wäre es ein verheerendes Signal gewesen, wenn der Kodex ausgerechnet für den Konzernchef nicht gegolten hätte. Am Hauptsitz in Vevey hatte es schon viele Gerüchte über die Liebesbeziehung gegeben. Mitarbeiter hatten sich bei der internen Anlaufstelle für Whistleblower gemeldet.Zudem ist für Nestlé klar, dass es einen Interessenkonflikt gab und dieser auch zum Tragen gekommen ist. Wie Insider nach den Vorfällen berichteten, hatte Freixe seine mutmassliche Geliebte im Herbst 2023 zur Leiterin Marketing und Kommunikation für die Region Lateinamerika befördert. Sie war damit direkt dem Franzosen unterstellt, der damals diese Region vom Hauptsitz aus leitete. Der Verdacht liess sich nicht ausräumen, dass Freixe die Frau bei der Beförderung bevorzugt behandelt hatte.Schliesslich stritt Freixe gegenüber dem Verwaltungsrat bis zum Schluss ab, dass es eine Liebesbeziehung gegeben habe. Dem Verwaltungsrat lag aber der Untersuchungsbericht einer externen Anwaltskanzlei vor, der das Gegenteil nahelegte. Das Vertrauensverhältnis zwischen Verwaltungsrat und CEO war zerstört.Nun kämpft Freixe juristisch um seinen Ruf und ums Geld. Bei angedrohten Klagen ist oft das Ziel, dass sich die Parteien aussergerichtlich einigen. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass es zu einem Gerichtsverfahren kommen wird. Die Affäre Freixe könnte Nestlé noch einige Male einholen.Passend zum Artikel