Zehntausende Menschen dürften an diesem Freitag ihren Arbeitsplatz mit einem mulmigen Gefühl verlassen haben. Vielleicht waren sie auch so richtig wütend. Beschäftigten bei Mercedes und Volkswagen wurde an diesem Tag erneut vorgehalten: Ihr seid zu viele, und vor allem seid ihr zu teuer. Während bei VW erneut eine Indiskretion in höchsten Kreisen die Beschäftigten in Aufruhr versetzt, kamen die schlechten Nachrichten bei Mercedes direkt ins E-Mail-Postfach.Bei VW steht erneut ein riesiger Jobabbau im Raum. Statt rund 50 000 Jobs sollen nun bis zu 100 000 wegfallen. Doch das ist nicht mal das schlimmste Szenario. Vier deutsche Werke könnten schließen. Darunter auch die in Emden und Zwickau – also ausgerechnet die beiden, die der Autohersteller bereits frühzeitig auf Elektro umgerüstet hatte, für viele Milliarden Euro. Einerseits wäre dies das endgültige Eingeständnis, das dieser Konzern bei seiner Elektrostrategie wirklich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann.Die Chinesen wollen die deutschen VW-Werke nicht habenErst kamen die E-Modelle zu spät, dann waren sie ein Technik-Desaster und jetzt, wo man endlich E-Autos baut, die die Kunden auch haben wollen, stellt man fest: lohnt sich ja alles gar nicht. Zumindest nicht in Deutschland. Man hätte es ahnen können, spätestens als der Chef des chinesischen Autoherstellers Xpeng zuletzt befand, die VW-Werke in Deutschland seien „ein bisschen alt“ – und damit den Hoffnungen eine Absage erteilte, die Chinesen könnten den Scherbenhaufen der VW-Manager zusammenkehren.Andererseits ist der Wolfsburger Konzern mittlerweile so tief im Schlamassel, dass man nur noch hoffen kann, dass sich jetzt endlich alle zusammenraufen und einen Plan für die Zukunft schmieden, der länger hält als ein paar Monate. Dabei ist übrigens auch die Gewerkschaft gefragt. Es ist richtig, dass die Arbeitnehmer ein tragfähiges, langfristiges Konzept verlangen. Doch sich immer nur hinter roten Linien zu verstecken, die zum Beispiel jede Werkschließung unmöglich machen, ist genauso falsch.An vielen Stellen wird es jetzt richtig wehtun müssen. Und selbst dann ist nicht sicher, wie gut der Autokonzern die nächsten Jahre überstehen wird. Die Probleme in China und den USA werden nicht kleiner werden. Die Gewinne von dort, die jahrelang Probleme in Deutschland kaschiert haben, kommen nicht mehr zurück. Jetzt hilft es nur, das Unternehmen so aufzustellen, dass man auch mit Elektroautos Geld verdient, um zumindest einen Teil der Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.Das gilt in ähnlichem Maße für Mercedes, auch wenn dort das Ringen um Sparmaßnahmen bisher ruhiger ablief als bei VW. Was auch daran liegt, dass der Vorstand um Ola Källenius es bisher vermied, ständig öffentlich neue Drohungen in Richtung Arbeitnehmer auszusprechen. Und dennoch dürfte auch bei den Schwaben der Ton jetzt rauer werden. Wer in einer Mail am Freitagvormittag seinen Mitarbeitenden sagt, sie sollten für das gleiche Geld zukünftig fünf Stunden mehr pro Woche arbeiten und Sonderzahlungen verschiebt, muss mit Gegenwind rechnen.Dennoch wären auch bei Mercedes die Arbeitnehmer gut beraten, sich den Realitäten nicht zu verschließen. Luxusautos, gebaut in Deutschland und exportiert in die Welt – dieses Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr. Zumindest nicht zu den Bedingungen, zu denen die Fahrzeuge bisher hierzulande produziert wurden. Der Absatz wird schrumpfen, die Gewinne auch. Das Gleiche gilt auch für BMW, wo nun auch härte Sparmaßnahmen bevorstehen.Als es noch in die andere Richtung ging, waren Beschäftigte in der Autoindustrie unter denen, die am meisten davon profitiert haben. Mit hohen Löhnen, der 35-Stunden-Woche und langfristigen Jobgarantien. Doch das ist jetzt nicht mehr tragbar. Noch ist es möglich, die Zumutungen auf ein für alle erträgliches Maß zu senken. Doch viel Zeit bleibt nicht.