Die Feiern zum Christopher Street Day in München werden 2026 wieder Rekorde brechen, die man selbst aufgestellt hat. Zum Beispiel säumten 2025 allein bei der Polit-Parade, dem Herzstück dieses größten queeren Festivals Süddeutschland, 300 000 Schaulustige Münchens Straßen. Das schafft kein Oktoberfest-Umzug. Und diesmal zieht sich das Spektakel noch länger hin: 213 Gruppen wollen am Samstag, 27. Juni, von 12 Uhr an fünf Stunden lang auf der drei Kilometer langen Strecke zu Fuß oder auf den Musikwagen mitfeiern und „für gleiche Rechte und Akzeptanz“ demonstrieren. Das ist eine Rekordbeteiligung.Insgesamt werden ein Wochenende lang mehr als eine halbe Million Menschen unter der Regenbogenflagge feiern. Und das ist längst nicht mehr nur die LGBTIQ*-Community, sondern das ist ein breiter Teil der Stadtgesellschaft, die sich solidarisiert und im bunten Treiben ihren Spaß sucht. Auch diese Zahl dürfte heuer steigen, denn erstmals dauert der CSD als großes Finale der zwei Pride-Weeks (mit mehr als 100 Veranstaltungen in der ganzen Stadt) drei volle Tage lang.Es erstaunt und erfreut gleichermaßen, was die queere Gemeinde erreicht hat. Seit der ersten öffentlichen Aktion von Homosexuellen 1973 mit Info-Ständen in der Fußgängerzone, seit der ersten großen Schwulendemo 1976 im Schlosspark Nymphenburg und seit dem ersten CSD 1980, bei dem etwa 100 Teilnehmende unter dem Motto „Schwul, na und?“ durch die Stadt zogen – zum Teil noch vermummt.Heute zeigt man stolz und offen seine Lebensweise. Die Münchner haben einen schwulen Oberbürgermeister gewählt, der nun nicht nur durch sein Amt Schirmherr ist, sondern für den der CSD „schon immer etwas Besonderes“ war: „Ich erinnere mich genau, wie es als Jugendlicher war, das erste Mal teilzunehmen. An dieses Gefühl von Freiheit – und daran, nicht nur ‚toleriert‘ zu werden, sondern akzeptiert und wertgeschätzt. An das Gefühl, selbstbewusst man selbst sein zu können“, sagt Dominik Krause, der den Demo-Zug anführen und auch auf der neuen Polit-Bühne mitdiskutieren wird.Dominik Krause (Mitte) lief schon immer gern im CSD-Zug mit, hier 2024 mit seinen Bürgermeisterkollegen Verena Dietl und Dieter Reiter (von links). Florian PeljakIst also alles regenbogenbunt? Bei weitem nicht, der Oberbürgermeister und Studien erkennen einen Rückschritt: „Queerfeindliche Übergriffe und Hasskriminalität nehmen zu. Queere Menschen weltweit geraten immer stärker unter Druck.“ Diesem „Backlash“ müsse man sich „vereint und mit aller Kraft entgegensetzen“, die Community genauso wie alle Bürgerinnen und Bürger, die „für ein weltoffenes München“ stehen.Gerade das soll die Politparade erreichen, die größte Demonstration von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen (LGBTIQ*) im süddeutschen Raum. Der Schlachtruf diesmal lautet: „Unsere Vielfalt. Unsere Stärke.“ Damit rufen die Organisatoren zur Geschlossenheit auf, denn nicht alle Mitglieder der Gemeinde trifft es gleichermaßen – noch. Zum Beispiel nehmen rechte Gruppierungen gerade Trans-Personen ins Visier. Tobias Oliveira Weismantel, geschäftsführender Vorstand der Münchner Aids-Hilfe, mahnt daher: „Jeder Angriff auf Einzelne ist ein Angriff auf alle!“So solidarisch darf dann auch ausgelassen gefeiert werden, diesmal von Freitag bis Sonntag. Mehr Menschen als in den Vorjahren erfordern auch „mehr Platz und mehr Sicherheit“ für alle. Daher haben die Organisatoren ihr Konzept komplett geändert. Das Straßenfest findet nun nicht mehr rund ums Rathaus stand, sondern auf der Ludwigstraße. Die wird zwischen Odeonsplatz und Siegestor zur „Pride-Meile“ mit fünf Bühnen, Special-Areas, 93 Infoständen und viel Gastronomie. Auch der Demozug am Samstag ändert seinen Weg: Vom Start an der Erhardtstraße/Ecke Fraunhoferstraße geht es über Fraunhofer-, Müller- und Blumenstraße, den Sendlinger-Tor-Platz und entlang der Sonnenstraße zum Stachus und über den Maximiliansplatz bis zur Ludwigstraße.Die bärtige Diva: Conchita Wurst ist, wie hier schon 2023, die Hauptattraktion beim Straßenfest. Florian PeljakDie Hauptbühne zieht vom Marienplatz auf den Platz vor der Feldherrnhalle um. Das Programm mit vielen Showacts – aber auch mit „Shoutouts“, also Ansprachen etwa von Aktivistinnen, queeren Geflüchteten oder den Pride-Partnern aus Kiew – demonstriert die Vielfalt der Szene, wie man schon bei den Headlinern sieht: Am Freitag, 21.15 Uhr, ist das Conchita Wurst, Österreichs ESC-Gewinnerin von 2014 („Rise Like A Phoenix“) hat „Spreading Happiness“ zum Ziel; am Samstag, 21.15 Uhr, ist das „Voice of Germany“-Finalistin Oxa, extravagant-energische und genderfluide Performerin, Sängerin und Tänzerin aus Brasilien; am Sonntag, 20.15 Uhr, verbreitet Patrick Lindner gute Laune wie seit 35 Jahren, er hatte sich einst als einer der Ersten im volkstümlichen Schlager geoutet.Regenbogenbunt: Ein Eindruck vom Straßenfest 2025. Florian PeljakAnsonsten steigen viele weitere Höhepunkte, bundesweit berüchtigte Drags wie Loreley Rivers und Barbie Q; lokale Pop-Heldinnen wie Vandalibsn, der Austro-Songwriter und „Drama Cowboy“ Mavi Phoenix, der russisch-ukrainische Pride-Star MKSM (bekannt vom ZDF bis zur Hamburger Staatsoper) und dazu DJs, Podcasts und eine Modeschau. Und das allein auf der Hauptbühne.Auf weiteren Stages gibt es Karaoke, Talks, Biergarten, den lauschige Platz der Regenbogenfamilie mit Bauklötzchenstand, ein Fetisch-Areal, den Party-Dancefloor am Siegestor (nur Freitag und Samstag), Sport-Angebote, das neue „Senior*innen-Café“ von Münchenstift an der Schellingstraße und das wie immer ausverkaufte Rathaus-Clubbing auf sechs Ebenen (Samstag, 500 Resttickets bei stabiler Wetterlage).CSD München, Freitag bis Sonntag, 26. bis 28. Juni, alle Infos, Überfüllungs-Ampel und das Programm unter csd-muenchen.de, Awareness-Notruf unter 0160/99 80 29 94Festival im Münchner Olympiapark:Das sind die Höhepunkte des Tollwood-SommersEin Flüchtlingsmädchen als Riesenpuppe startet ein Tollwood-Festival, das heuer dem Motto nach ganz aufs Gefühl setzt. Ein Überblick von Musikstars wie den „Sex Pistols“ bis zum Straßentheater und einer Kissenschlacht.­­­­