Grosse Überwachung von kleinen Insekten: wie sich das Tessin gegen die Tigermücke wehrtInvasive Insekten wie die Tigermücke breiten sich aus. Mit einem neuen Überwachungsprogramm rüsten sich Bund und Kantone gegen die Einschleppung tropischer Erreger.Gerhard Lob, Mendrisio26.06.2026, 15.34 Uhr3 LeseminutenDie Asiatische Tigermücke kann zahlreiche tropische Infektionskrankheiten übertragen, insbesondere das Chikungunya- und das Denguefieber sowie Zikavirus-Erkrankungen.Ennio Leanza / KeystoneDie schweisstreibenden Temperaturen dieser Tage passten zum Anlass: Anne Lévy, die Direktorin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), hat im südtessinischen Mendrisio das nationale Vorreiterprojekt zur Überwachung und Bekämpfung invasiver Mücken besucht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Global steigende Temperaturen begünstigen die regionale Ausbreitung von Arthropodenvektoren in der Schweiz, die früher auf tropische Länder beschränkt waren», sagte Francesco Origgi vor den Medien. Er leitet das Institut für Mikrobiologie an der Fachhochschule der italienischen Schweiz (Supsi). Als Arthropodenvektoren werden Insekten bezeichnet, die Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Parasiten übertragen können.Neben den steigenden Temperaturen spielt auch die zunehmende Reisetätigkeit eine wichtige Rolle. Immer mehr Menschen reisen in Gebiete, in denen Krankheiten wie Dengue, Chikungunya oder das Zikafieber verbreitet sind. Sie importieren bei ihrer Rückkehr möglicherweise diese Erreger, die über die Tigermücke auch zu weiteren lokalen Übertragungen führen können. Daher werden Reisende an den Flughäfen Zürich, Genf und Basel gezielt für das Thema sensibilisiert.Ein Überwachungsprogramm für das West-Nil-VirusIn der Schweiz sind solche Fälle noch sehr selten. 2022 wurde das West-Nil-Virus erstmals in heimischen Stechmücken nachgewiesen, 2025 wurde eine erste lokal erworbene Übertragung auf einen Menschen bestätigt. Eine Person im Kanton Tessin erkrankte nach Mückenstichen an einer Hirnhautentzündung und musste ins Spital. «Das macht deutlich: Das Risiko eines Ausbruchs der Krankheit in unserem Land ist zwar sehr gering, aber eine lokale Übertragung ist möglich», sagte Lévy.Um das Risiko neuer Fälle zu senken, entwickeln das BAG, das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), die Supsi und die Tessiner Gesundheitsbehörden gemeinsam ein Überwachungsprogramm für das West-Nil-Virus. Es fokussiert auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. Federführend ist das Institut für Mikrobiologie der Supsi, das als Kompetenzzentrum für die Vorsorge gegen durch Insekten übertragene Krankheitserreger für das ganze Land fungiert. Wegen seiner strategischen Lage als Tor zur Deutschschweiz ist das Tessin aus Sicht des BAG der ideale Standort für die Umsetzung des Projekts.Tatsächlich leistet das Tessin seit langem Pionierarbeit. Beispielsweise bei der Bekämpfung der Tigermücke, die 2003 erstmals im Südzipfel der Schweiz nachgewiesen wurde und sich seither weiter in Richtung Norden ausbreitet. Die Behörden bekämpfen die Mücken mit zahlreichen Massnahmen. «Es wird nicht gelingen, die Verbreitung der Tigermücke ganz zu stoppen, aber wir können die Populationen eindämmen», sagt Anne Lévy mit Verweis auf die biologische Bekämpfung von Brutstätten. Auch die Bevölkerung kann mithelfen: Gefässe mit stehendem Wasser wie Untersetzer oder Giesskannen sollten wöchentlich geleert oder abgedeckt werden.Wirksame Massnahmen gegen die TigermückeAls wirksam gegen die Tigermücke erweist sich besonders eine wissenschaftliche Methode: das gezielte Aussetzen sterilisierter Männchen. Paaren sich die Weibchen mit ihnen, legen sie unbefruchtete Eier, und die Population der Tigermücken schrumpft rasch. Bei einem ersten Versuch in Morcote reduzierte sich der Bestand um über 90 Prozent. Auch in Losone wurde dieses Verfahren erfolgreich getestet.Mitte Juli startet ein Forschungsteam der Supsi ein neues Experiment. Es untersucht gemeinsam mit den Universitäten La Sapienza in Rom und der Universität Glasgow, wie das Alter weiblicher Tigermücken die Übertragung von Krankheiten beeinflusst.Passend zum Artikel
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