Wechsel an der Spitze von Bosch: Stefan Hartung tritt Ende Juni als Vorsitzender der Geschäftsführung des weltgrößten Autozulieferers zurück. Nachfolger wird sein Stellvertreter Christian Fischer. Das teilte der baden-württembergische Traditionskonzern am Freitag mit. Die genauen Gründe nennt das Unternehmen nicht. Hartung lege sein Mandat auf eigenen Wunsch nieder, weil er sich „künftig neuen gesellschaftlichen und unternehmerischen Aufgaben außerhalb der Bosch-Gruppe widmen“ wolle.Bosch hatte den Vertrag von Hartung, der Ende 2026 ausgelaufen wäre, erst im Oktober vergangenen Jahres um fünf Jahre verlängert. Gleichzeitig scheidet der 60-Jährige auch aus der Robert-Bosch-Industrietreuhand KG, die die unternehmerische Gesellschafterfunktion des Konzerns übernimmt und damit maßgeblich die Strategie des Konzerns verantwortet, aus.Im Aufsichtsrat von Bosch und in der Industrietreuhand ist nach Informationen der F.A.Z. aus Unternehmenskreisen der Unmut über die Lage des Konzerns in den vergangenen Monaten größer geworden. Während es in der Vergangenheit in der Regel so war, dass die verschiedenen Sparten nie gleichzeitig in der Krise waren, sondern oft ein Geschäftsbereich die Schwäche eines anderen ausgeglichen hat, hat Bosch zurzeit fast überall Probleme.Groß angelegter StellenabbauDer Konzern hat in den vergangenen zwei Jahren den Abbau von fast 28.000 Stellen angekündigt. Vor allem an den deutschen Standorten der Autosparte plant Bosch einschneidende Maßnahmen. Grund sind neben dem stagnierenden Automarkt vor allem der international zurückgehende Dieselanteil und die fehlenden Stückzahlen in der Elektromobilität sowie die Tatsache, dass viele Hersteller die Einführung ihrer neuen Elektronikarchitekturen zeitlich nach hinten geschoben haben.Dazu kommen die Schwierigkeiten des Geschäftsbereichs für Elektrowerkzeuge und die Probleme der Tochtergesellschaft Bosch-Siemens-Hausgeräte, die in Deutschland zwei Werke wegen Unterauslastung schließen will. Die Sparprogramme haben Bosch in den vergangenen beiden Jahren 4,5 Milliarden Euro gekostet und dem Unternehmen 2025 erstmals seit fast 20 Jahren Verluste gebracht.Bosch muss Herangehensweise in der neuen Autowelt ändernGerade im Automobilgeschäft kommt der Zulieferer, der so gut wie alle Autohersteller beliefert, nicht voran. Groß geworden ist Bosch in diesem Bereich, indem er mit großem Aufwand technische Innovationen entwickelt und industrialisiert hat. Um die hohen Entwicklungskosten einzuspielen, ist der Konzern auf entsprechende Stückzahlen angewiesen. So hat sich Bosch zum Beispiel in der Dieseltechnik bei bestimmten Teilen eine Monopolstellung erarbeitet.Doch diese Herangehensweise funktioniert in der neuen Welt der Automobilindustrie, in der sich der Antriebsstrang grundlegend verändert und digitale Architekturen zum zentralen Erfolgskriterium werden, immer weniger. Vor dem Hintergrund des unsteten Hochlaufs der Elektromobilität, unklarer gesetzlicher Vorgaben und zunehmender Turbulenzen im Welthandel musste Bosch seine Arbeitsweise ändern.Statt eingeführte Produkte wie gewohnt schrittweise zu verbessern, galt es, die technologischen Umwälzungen in großen Sprüngen, agiler und auch mit risikoreicheren und schwieriger planbaren Investitionen zu bewältigen. Diese Zäsur habe Hartung dem Vernehmen nach nicht zur Zufriedenheit der hinter dem Konzern stehenden Industrietreuhand bewältigt.Hartung steht seit Anfang 2022 Jahren an der Spitze eines Konzerns, der mit 430.000 Mitarbeitern und mehr als 90 Milliarden Euro Umsatz zu den bedeutendsten deutschen Unternehmen gehört und der selbst Dax-Schwergewichte in Sachen Größe problemlos abhängt, ohne selbst börsennotiert zu sein. Der gebürtige Dortmunder startete seine Laufbahn bei Bosch im Jahr 2004 in der Haushaltsgeräte Sparte-BSH und gehörte seit 2013 der Geschäftsführung an. Im Jahr 2019 hatte er die Führung der wichtigen Automobilsparte des Konzerns übernommen. Damit galt der promovierte Maschinenbau-Ingenieur auch als aussichtsreichster Kandidat für den Chefposten des Gesamtkonzerns auf der Schillerhöhe in Gerlingen bei Stuttgart.Fischer hat keine Erfahrung im Autogeschäft von BoschSein Nachfolger Christian Fischer, der Hartung als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung vertreten hat und ebenfalls Mitglied der Industrietreuhand ist, hat dagegen keine Erfahrung im Automobilgeschäft von Bosch. Der 58 Jahre alte promovierte Wirtschaftswissenschaftler startete seine Laufbahn bei dem baden-württembergischen Konzern 1996 als Trainee. Er verließ den Konzern dann aber erst einmal, um 2018 wieder zurückzukommen und in der Geschäftsführung die Verantwortung für die Konsumgüter-Sparte zu übernehmen.Neben seiner Verantwortung für BSH und den Bereich Elektrowerkzeuge war Fischer unter anderem für die zentralen Wachstumsinitiativen des Unternehmens, das Portfolio-Management sowie die Entwicklung der obersten Führungskräfte des Unternehmens zuständig. Neue Stellvertreter Fischer sollen Finanzchef Markus Forschner und der für das Autogeschäft zuständige Geschäftsführer Markus Heyn werden.Hartung gehört im Bosch-Universium zu den Managern, die wenig zum gediegenen Stil des Stiftungskonzerns zu passen scheinen. Seine Herkunft hat der gebürtige Dortmunder nicht verleugnet. Er fiel auf, wenn er zusammen mit anderen Bosch-Managern im Haus Heidehof der Robert-Bosch-Stiftung Gäste unterhielt. Sein Naturell passte nicht recht in das distinguierte, eher etwas steif wirkende Ambiente des alljährlichen Kamingesprächs des Technologiekonzerns. Hartung redete so, als stehe er in einer Eckkneipe neben dem Westfalenstadion von Borussia Dortmund. Auch wenn er seine Heimat schon lange verlassen hat, kam das dort gepflegte Naturell immer wieder durch. Hartung ist geradeheraus, direkt, herzlich, manchmal hemdsärmelig.Hartungs Nachfolger ist ein anderer Typ: Er wählt seine Worte genau, formuliert präzise und vermeidet lässige Umgangssprache. „Christian Fischer hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er strategisch denkt, unternehmerisch handelt und weitsichtig führt“, sagt Stefan Asenkerschbaumer, geschäftsführender Gesellschafter der Industrietreuhand und Vorsitzender des Aufsichtsrats, über den neuen Chef des Konzerns.Und ganz ohne Autoerfahrung ist auch Fischer nicht. Vor seinem Eintritt in die Geschäftsführung von Bosch hatte er als Berater der Unternehmensberatung Roland Berger mehrere Mandate großer Autohersteller. Und war unter anderem für die Restrukturierung von Unternehmen zuständig. Erfahrungen, die Fischer in den kommenden Monaten bei Bosch wahrscheinlich gut gebrauchen kann.
Bosch-Chefwechsel: Christian Fischer folgt auf Stefan Hartung
Obwohl Stefan Hartung vor wenigen Monaten bis 2031 verlängert hat, tritt er als Bosch-Chef nun zurück – offiziell aus eigenem Antrieb. Offenbar ist aber auch der Unmut im Gesellschafterkreis ein Grund.










