Als ich am 11. Juli 2025 die Anfrage vom ZEITmagazin erhielt, 15 bis 20 kurze Gedanken zum Thema „Was ich gerne früher über Deutschland gewusst hätte“ beizutragen, war ich ehrlich gesagt ziemlich überrascht. Es war lange her, dass ich irgendwelche Aufmerksamkeit von den deutschen Medien bekommen hatte.
Wenn ich auf der Straße entlanggehe, halten mich Leute – so wie heute Morgen – an und fragen: „Oh, Sie sind noch in Berlin?“ Ich sage: „Ja, es sei denn, Sie denken, wir sind in Paris.“ Dann antworten sie: „Nein, wir wissen doch alle, dass Sie weg sind.“ Das zeigt, wie mächtig die Medien sind. Wenn die Medien sagen, ich sei weg, dann denken alle, die mich sehen, ich existiere gar nicht mehr.
Diese Frage von Existenz oder Nichtexistenz ist für jemanden wie mich, einen Exilanten, nach wie vor ein Problem – aber ich habe mich daran gewöhnt. Als mich das Magazin also nach meinen Eindrücken von Deutschland fragte, sagte ich einfach die Wahrheit. Natürlich ist meine Sichtweise möglicherweise voreingenommen, vielleicht auch weder besonders konkret noch umfassend – aber es ist eben meine Sichtweise.
Am 23. Juli bat mich das ZEITmagazin um weitere Beiträge in einem persönlicheren und leichteren Ton, woraufhin ich zusätzliche Reflexionen einsandte. Zwei Tage später wurde mir von der Redakteurin Elisa Pfleger zunächst eine gekürzte und redigierte Version gezeigt. Unmittelbar danach teilte sie mir mit, dass der leitende Redakteur, Johannes Dudziak, die Kolumne überprüft, ihre Veröffentlichung abgesagt und neue Beiträge bei anderen Autoren in Auftrag gegeben habe.








