Immer weniger Menschen trinken Alkohol und greifen auf alkoholfreie Varianten zurück. Einen Trend, den auch die Schloss Wachenheim AG früh erkannt hat und ihre Produkte danach ausrichtet. Alkoholfreie Varianten haben bei dem Schaumwein- und Perlweinhersteller mittlerweile einen Geschäftsanteil von knapp 30 Prozent. „Das Konsumverhalten, aber auch der Geschmack zum Beispiel von alkoholfreien Weinen hat sich verändert“, erklärt Oliver Gloden, Vorstandssprecher der Schloss Wachenheim AG im Gespräch mit der F.A.Z. auf der Frühjahrskonferenz in Frankfurt.Im Jahr 1888 wurde Schloss Wachenheim als „Deutsche Schaumweinfabrik in Wachenheim“ gegründet und 1996 mit der Sektkellerei Faber in Trier verschmolzen. Dies war ein Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte und veränderte auch das Angebot an Produkten. In den vergangenen knapp 30 Jahren hat sich Schloss Wachenheim zu einem der bedeutendsten Schaum- und Perlweinhersteller in Europa entwickelt und beschäftigt heute 1700 Mitarbeiter. Viele Menschen in Deutschland kennen die Sektmarke Faber oder das Kinder-Partygetränk Robby Bubble.Zum Schloss Wachenheim gehören Marken wie FaberDie Unternehmensgruppe vertreibt heute neben Wein, Schaumwein, Sekt und deren entalkoholisierten Varianten auch Wermut, Cider, Spirituosen und Kindergetränke wie Robby Bubble. Diese Marke dominiert mit Faber das Geschäft in Deutschland, während in Frankreich das Sektgeschäft mit Charles Volner, Muscador oder Opéra die größte Rolle spielt. Größter Markt des Unternehmens aber ist Ostmitteleuropa mit Polen, Rumänien, Tschechien und der Slowakei.Auch dort werden alkoholfreie Alternativen beliebter. Mittlerweile hat Schloss Wachenheim in zwei sogenannte Entalkohalisierunganlagen in Trier investiert, mit denen dem Wein der Alkohol entzogen wird. Ob mit oder ohne Alkohol, der Konzern hat in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2025/26 insgesamt 177 Millionen Flaschen verkauft und damit einen Erlös von 347 Millionen Euro erzielt. Die Absatzmenge stieg gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr um 3,5 Prozent. Zuwächse konnten in allen drei operativen Teilbereichen, Deutschland, Frankreich und Ostmitteleuropa, erzielt werden. Das operative Ergebnis stieg auf rund 24,1 Millionen Euro, nach 23,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.„Aufgrund der Preissteigerungen im Alltag greifen die Kunden eher wieder zu günstigeren Produkten“, sagt Gloden. Was dem Unternehmen zugutekommt, denn in Deutschland sind für sie der Lebensmittelhandel und die Discounter der wichtigste Absatzmarkt.Analysten sehen Kurspotential bei Schloss WachenheimDie Dividende pro Aktie bleibt weiterhin wie fast immer in den vergangenen Jahren bei 0,60 Euro. Mehrheitsaktionär ist mit 70 Prozent der Aktien die Günther Reh AG aus Leiwen an der Mosel. Nick Reh, Sohn von Günther Reh, ist Aufsichtsratsvorsitzender.Als Nebenwert wird die Aktie von Schloss Wachenheim nur von wenigen Analysten beobachtet. Vier raten zum Kauf und sehen für die nächsten zwölf Monate ein Kurspotential von 45 Prozent.In Deutschland hat Schloss Wachenheim in den ersten neun Monaten von 2025/26 mit 63 Millionen Flaschen fast fünf Prozent mehr abgesetzt als im vorangegangenen Geschäftsjahr. Vor allem Schaumweine und alkoholfreie Getränke liefen besser, während Wein weniger nachgefragt wurde.78 Millionen Flaschen wurden in Osteuropa verkauftIn Frankreich stieg der Absatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 um fast vier Prozent auf mehr als 40 Millionen Flaschen. Der Zuwachs kam vor allem aus dem Exportgeschäft, während sich auf dem französischen Markt ein leichtes Plus bei Marken und Rückgänge bei Handelsmarken nahezu aufhoben.Im größten Markt Osteuropa wurden mit 78 Millionen Flaschen fast 2,5 Prozent mehr abgesetzt. Besonders in Polen und Tschechien ging mehr über den Ladentisch, in Rumänien sank die Absatzmenge knapp. Wein, Schaumwein, weinhaltige Cocktails sowie entalkoholisierte Schaumweine wurden mehr gekauft, Kinderpartygetränke und Wermut weniger.Wenig Anlass für Sektlaune bietet indes die Aktienkursentwicklung. Ausgehend von einem Höchstkurs bei rund 20 Euro im November 2021 ist die Aktie nun bei 13,65 Euro angekommen und notiert nahe einem Sechs-Jahres-Tief. Immerhin verleiht ihr das eine Dividendenrendite von 4,4 Prozent.