Ist es nicht merkwürdig, an welche vermeintlich unbedeutenden Ereignisse man sich erinnert? Uns fiel heute Morgen eine Szene aus der 11. Klasse ein. Damals fragte unser Deutschlehrer einen Mitschüler ab, der dann mitten im Verhör einfach nichts mehr sagte. Der Lehrer daraufhin: „Brauer (Name von der Redaktion leicht geändert), können Sie nicht, oder wollen Sie nicht?“Auslöser für diesen Flashback war ganz offensichtlich die Diskussion, die unmittelbar nach der Pleite unserer Nationalkicker gegen die Ecuadorianer losbrach, sogar innerhalb unserer jedenfalls bis dahin als unfassbar geschlossen beschriebenen Mannschaft: darüber, ob der Gegner den Sieg mehr gewollt habe als wir. Unser Spielführer Kimmich hatte „definitiv“ das Gefühl, dass dem so gewesen sei, während der Bundestrainer, von dem auch am Willen der Mannschaft zweifelnden Johannes B. Kerner gefragt, barsch sagte: „Hört auf mit dem Quatsch!“Klar, Nagelsmann kriegt schon viel Blödsinn zu hören von den mehr als 80 Millionen ehrenamtlichen Bundestrainern, die ja auch nicht verstanden, warum er Sané immer noch spielen ließ, der schließlich erst nach zwei Minuten ein Tor schoss. Aber ein bisschen wundert es uns schon, dass Nagelsmann das Angebot nicht annahm, die Niederlage auf einen mangelnden Siegeswillen zu schieben.Wie sorgt Nagelsmann dafür, dass unsere Männer wieder können?Denn wenn der nicht fehlte, dann kann es – siehe die Brauer-Alternative – ja nur ungenügendes Können gewesen sein, das nun für jähe Ernüchterung in dem Siegesrausch sorgte, in dem die Nation sich seit dem Triumph über die Fußballgroßmacht Curaçao befand. Wie aber will Nagelsmann bis Montag dafür sorgen, dass unsere Männer wieder können? Wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Laufweg. Doch wer nichts kann, dem bleiben nur Post und Bundesbahn, wie es jedenfalls zu unserer Schulzeit hieß. Ja, ein Kalauer. Aber dass die Bahn vieles nicht kann, was sie können müsste, bezweifelt wohl niemand mehr. Die rät nun ja sogar selbst ausdrücklich davon ab, sie zu benutzen.Doch zurück zu der Frage, was wichtiger ist, das Wollen oder das Können. Die stellt sich ja auch in der Politik nahezu täglich, aber auch und gerade dort ist sie nicht leicht zu beantworten. Schauen Sie sich nur Trump und seinen Krieg gegen Iran an. Den wollte er selbstverständlich gewinnen, am liebsten innerhalb von 90 Minuten. Und die amerikanische Militärmannschaft kann ja noch ganz andere Sachen als die iranische. Doch hat Letztere sich in eine immer noch laufende Verlängerung gerettet, und in der steht es 2:1 für die Mullahs. Ein Triumph des Willens! Trump dagegen hatte gedacht, es reiche schon, mit einem Bombenschuss den gegnerischen Kapitän aus dem Spiel zu nehmen.Pantisano dachte, das sei ein Elfmeter ohne TorwartÄhnlich siegessicher war sich auch der neue Linken-Vorsitzende Pantisano, der offensichtlich dachte, er laufe zu einem Elfmeter ohne Torwart an, als er der CDU Faschismus vorwarf. Was für ein Tor, was für ein Eigentor! Wenn die erste Amtshandlung eines Parteivorsitzenden darin besteht, sich beim politischen Gegner entschuldigen zu müssen, dann kann man nur sagen: Der kann es nicht.Wie aber steht es um das Wollen und Können unserer Regierung? Gibt es, wenn schon nicht ein schwarz-rot-goldenes Sommermärchen, so doch wenigstens ein schwarz-rotes? Das hängt immer noch vor allem von der SPD ab. Deren Vorsitzender Klingbeil wird nicht müde, für das Rentenreformpaket zu werben und den Widerspenstigen in der Partei zu suggerieren: Du willst es doch auch! Bas scheint er schon rumgekriegt zu haben, Schwesig ziert sich aber noch.Sicher wollen Sie jetzt aber noch wissen, was unser Mitschüler Brauer damals antwortete. Daran können wir uns beim besten Willen nicht mehr erinnern. Nicht vergessen haben wir aber, dass er Papst werden wollte. Das konnte er dann jedoch nicht mehr, weil ihm eine Thailänderin dazwischenkam. Ja, die Wege des Herrn sind unerforschlich. Aber dass immer sein Wille geschieht, daran besteht kein Zweifel.
FRAKTUR: Bas will die Rentenreform wie Nagelsmann den Sieg
Klingbeil scheint Bas schon rumgekriegt zu haben, Schwesig aber ziert sich. Nagelsmann steht unter noch größerem Zeit- und Erfolgsdruck.











