1. Häng den Job an den Nagel, Mann!Nach dem WM-Aus der deutschen Fußballnationalmannschaft haben sowohl die 84 Millionen Bundestrainerinnen und -trainer als auch die qualifizierten Kommentatoren in den Redaktionen der Republik einen Schuldigen identifiziert: Teamchef Julian Nagelsmann. Kaum jemand glaubt noch an eine Zukunft des seltsam entrückt wirkenden Coachs. Er habe in den letzten Minuten des denkwürdigen Spiels so ausgesehen, als wollte er jeden einzelnen Fehler korrigieren, der ihm bei dieser WM und in den Monaten zuvor unterlaufen war, schreibt mein Kollege Danial Montazeri (hier mehr dazu ). »Verdammt viele Fehler waren das.«

Bundeskanzler Merz hat zwar eine Mannschaft erlebt, die »mit Einsatz und Teamgeist bei dieser WM unser Land begeistert hat. Wir sind stolz auf euch« (hier mehr dazu ). Aber er scheint die Wirklichkeit häufiger anders wahrzunehmen als die Leute, die er regiert. Merz hat offenbar nie wirklich verstanden, dass ein Bundeskanzler nicht so ungelenk kommunizieren kann wie ein Oppositionsführer. Und Nagelsmann hat offenbar nie wirklich verstanden, dass ein Nationaltrainer nicht coachen kann wie ein Clubtrainer, analysiert Danial.Natürlich beginnt nun die Debatte über Nagelsmanns Ablösung. Er selbst macht keine Anstalten, sein Amt aufzugeben. Es wird wohl so kommen müssen, dass sein Arbeitgeber DFB auf ihn zugeht, ihn beiseitenimmt und sagt: Danke Julian, hier ist der Auflösungsvertrag. Nagelsmann kann sich zumindest bei SPIEGEL.de informieren, wie er sich dann verhalten muss: »Mein Rat: nichts sagen, nichts unterschreiben, nichts signalisieren«, empfiehlt Mira Ney, Anwältin für Arbeitsrecht im Interview (hier mehr ).