Zu einem richtigen Sommer gehören – aus seriöser journalistischer Sicht – drei Dinge. Erstens: eine Hitzewelle. Zweitens: eine Debatte, ob es sich bei dieser Hitzewelle noch um eine normale Hitzewelle handelt oder nicht doch eher um einen beunruhigenden Beleg des fortschreitenden Klimawandels. Und es braucht, drittens: ein Tier, das die Republik in Aufruhr versetzt. Und mit dem die Redaktionen das Sommerloch, also die tendenziell nachrichtenarme Zeit, füllen können.So gesehen war es ideales Timing, als im vergangenen Juni ein Wels im mittelfränkischen Brombachsee eine Art lochnesshaften Schrecken verbreitete. Er attackierte immer wieder Badegäste, bis die Polizei anrückte. „Polizist erschießt XXL-Wels“, titelte die Bild. Und der grundsätzlich kritische Spiegel fragte: „Wie gefährlich sind Welse für Badende?“ Damit war der „Killer-Wels aus Bayern“ (SWR) zweifellos das „Sommerloch-Tier“ des Jahres. Sein Schicksal und vor allem sein Ende erinnern an den Bären Bruno, dem vor 20 Jahren seine medienwirksame Wanderung durchs Oberland zum Verhängnis wurde.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Deutlich mehr Glück hatte da die Milchkuh Yvonne, das Sommerloch-Tier 2011. Eigentlich sollte sie geschlachtet werden, doch dann floh Yvonne vom Weidegelände im Landkreis Mühldorf am Inn und versteckte sich in einem Waldgebiet. Wochenlang fieberte das Land mit, wie selbst die versiertesten Spurenleser beim Versuch scheiterten, das Tier einzufangen.Das Landratsamt erteilte zwischenzeitlich einen Abschussbefehl, was selbst im fernen Indien Proteste hervorrief, wo sie Yvonne mitunter heilige Eigenschaften zusprachen. Am Ende ging die Geschichte gut aus: Im September tauchte Yvonne auf einer Weide in Unteralmsham auf, blieb vor der Schlachtung verschont und lebte bis zu ihrem Tod 2019 ein, soweit man weiß, erfülltes Leben.Vor 20 Jahren:Wie Problembär Bruno den Freistaat Bayern blamierteWochenlang spazierte er durchs Oberland, unaufhaltbar. Bis zu jener finsteren Nacht auf der Kümpflalm.Die große Frage lautet jetzt: Wer wird das diesjährige Sommerloch-Tier? Die ersten Kandidaten liefen sich in dieser Woche schon mal warm: Bei Eggenfelden büxten zwei Kühe aus und beschädigten vier Autos in der Innenstadt. Die nächste Yvonne dürfte unter ihnen allerdings nicht sein – die Polizei hat die Tiere schnell eingefangen.Ein gewisses Talent zeigt auch jenes Wildschwein, das sich in diesen Tagen auf dem Nürnberger Südfriedhof herumtreibt. Vorübergehend sperrte die Friedhofsverwaltung die Eingänge. Bisher verhalte sich das Wildschwein friedlich, heißt es, Gräber habe es nicht verwüstet. Ob vornehme Zurückhaltung am Ende für den Titel reicht? Eher unwahrscheinlich. Der Sommer ist noch lang. Und das Sommerloch auch.