Europas größter Autokonzern Volkswagen steht einem Medienbericht zufolge vor einem weiteren massiven Stellenabbau. In den nächsten Jahren sollten im Konzern weltweit bis zu 100 000 der aktuell rund 657 000 Arbeitsplätze wegfallen, berichtete das Manager Magazin am Freitag unter Berufung auf Insider. Das entspräche einer Verdoppelung des bisherigen Abbauziels, das in seiner Radikalität schon beispiellos gewesen sei.Bisher ist vereinbart, dass bis 2030 rund 50 000 Stellen innerhalb des Konzerns abgebaut werden sollen, die meisten davon bei der Marke VW, aber auch bei Porsche, Audi und in der Softwaresparte Cariad. Allerdings sind betriebsbedingte Kündigungen dabei ausgeschlossen. Auch die Schließung von Werken ist bisher nicht vorgesehen. Darauf hatten die Arbeitnehmervertreter bei den Verhandlungen mit dem Management bestanden.Nun soll der Jobabbau noch deutlich radikaler ausfallen, wie das Manager Magazin schreibt, es gehe um bis zu 100 000 Stellen. Wie genau sich die Zahl zusammensetze, sei demnach noch nicht klar. VW-Chef Oliver Blume habe seine Pläne für das Sanierungskonzept dem Vorstand vorgestellt. Ein zweiter Insider sagte dem Magazin, in dem zentralen Papier stehe bewusst keine eindeutige Zahl.Nach SZ-Informationen wurde die Unterlage in dieser Woche an den Aufsichtsrat weitergeleitet. Zuvor hatte der Konzernvorstand und Manager aus den einzelnen VW-Marken über die neuen Sparpläne gesprochen. Am 9. Juli, also in rund zwei Wochen, wird es eine Aufsichtsratssitzung geben. Dort soll VW-Chef Oliver Blume seine Strategie vorstellen, wie er den Konzern aus der Krise führen will. Und dann wird es offenbar um einen erneuten großen Jobabbau gehen – und auch um die Zukunft mehrere Werke in Deutschland.Dem Manager-Magazin-Bericht zufolge könnten mittelfristig vier deutsche Werke geschlossen werden. Dabei gehe es um die VW-Standorte in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Mit dem Auslauf der dort aktuell gefertigten Modelle würde die Produktion dem Plan zufolge gestoppt werden, hieß es. Aktuell sucht der Konzern bereits eine neue Lösung für das Werk in Osnabrück, möglicherweise wird dort ein Rüstungskonzern den Standort übernehmen. Auch in der gläsernen Manufaktur in Dresden hat VW bereits die Autoproduktion eingestellt.Volkswagen:Eine Stadt bangt um ihr WerkIn der Autofabrik Osnabrück mussten sie schon viel durchmachen. Und die Zukunft ist wieder mal ungewiss. Die Rettung scheint die Rüstungsindustrie zu sein. Was macht das mit den Beschäftigten – und den Menschen in einer Stadt, die sich Friedensstadt nennt?VW will sich zu den Berichten nicht äußernDem Bericht des Manager Magazin zufolge könnte der Wolfsburger Autobauer völlig neu sortiert werden. So könnten sowohl die Kernmarke Volkswagen als auch die Komponententochter aus dem Konzernverbund herausgelöst und in eigene Gesellschaften eingebracht werden. In der Logik könnten auch einzelne abgespaltene Marken einfacher am Kapitalmarkt platziert werden.Das Unternehmen wollte sich am Freitag nicht konkret zu den Plänen und den Medienberichten äußern. „Die zu Grunde liegenden Sachverhalte werden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess werden wir nicht vorgreifen“, teilte ein Sprecher mit. Zugleich bestätigte er: Der Konzernvorstand habe „in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens gearbeitet.“ Es gehe darum, das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen.Der VW-Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall reagierten mit scharfen Worten und kündigten harten Widerstand an, falls solche Pläne tatsächlich existierten und in die Realität umgesetzt würden. „Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen. Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern“, so IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo in einer gemeinsamen Stellungnahme.Die Gewerkschaften haben bei VW traditionell eine starke Stellung. Gemeinsam mit dem Land Niedersachsen können sie im Aufsichtsrat radikale Kürzungen blockieren. 2024 verhandelten sie nach harten Kürzungsansagen monatelang mit dem Vorstand, bis man sich auf ein deutlich sanfteres Sparpaket mit Stellenabbau, aber ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen einigte.„Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht“, so die Gewerkschafter. „Statt blinden Aktionismus zu zeigen, sollte der Vorstand endlich seinen Job machen und sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren: wettbewerbsfähige Produkte, Technologien, Konzernstrukturen und -synergien und damit auch sichere Beschäftigung.“
Bericht: Bei Volkswagen sollen bis zu 100 000 Stellen wegfallen
Das entspräche einer Verdoppelung des bisherigen Abbauziels. Die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk Neckarsulm könnten geschlossen werden.












