PfadnavigationHomePanoramaBerliner BrennpunktDealer auf dem Schulweg, Angst im eigenen Treppenhaus – CDU fordert SicherheitsoffensiveStand: 10:36 UhrLesedauer: 3 MinutenAnwohnerinnen demonstrieren vor der Zwölf-Apostel-KircheQuelle: Carsten Koall/dpaBürger im Berliner Kurfürstenkiez beklagen zunehmende Kriminalität, eine offene Drogenszene und Unsicherheit im Alltag. Die CDU fordert: „Auffällige Personen“ sollten konsequent auf ihre Aufenthaltsberechtigungen überprüft werden.Offene Drogenszenen, Gewalt und Straßenprostitution: Im Berliner Kurfürstenkiez wächst der Unmut vieler Anwohner. Während sie mehr Sicherheit fordern, warnen Sozialverbände vor einer Verdrängung der Schwächsten.„Viele leben auf der Straße, sind zugedröhnt und sehr unberechenbar“, sagt Sulaf Ahmed, der zwei Rewe-Märkte im Kiez betreibt. Straßenprostitution habe es in der Gegend schon immer gegeben. Seit rund eineinhalb Jahren habe sich die Lage durch mehr schwer drogenabhängige Menschen spürbar verschärft. Die Folgen bekomme er täglich in seinen Geschäften zu spüren: mehr Diebstähle, mehr Aggressionen und zunehmend verunsicherte Mitarbeiter.Lesen Sie auchBei einer Demonstration vor der Zwölf-Apostel-Kirche machten Anwohner und Geschäftsleute auf die Situation aufmerksam. Ein Familienvater berichtete von regelmäßigen Einbrüchen in sein Wohnhaus und die Tiefgarage. Seine Kinder im Alter von sieben und zwölf Jahren lasse er inzwischen nicht einmal mehr allein ins Treppenhaus. Auch eine 65-jährige Anwohnerin schildert eine zunehmende Verunsicherung. Dealer sprachen Kinder an, viele Eltern begleiteten ihre Kinder deshalb bis zur Schule. Vor allem Frauen hätten Angst, sich abends allein im Viertel zu bewegen. Der Drogenhandel finde teilweise offen auf der Straße statt. Gegen die Prostituierten selbst habe sie dagegen nichts einzuwenden. „Die Frauen sind nicht das Problem“, sagt sie. „Das sind überwiegend arme Menschen.“Lesen Sie auchDie CDU fordert eine „Sofort-Offensive für Sicherheit und Sauberkeit“ im Kurfürstenkiez. Mit einem Verbot der Straßenprostitution, mehr Polizeipräsenz und einer erneuten Einstufung als kriminalitätsbelasteter Ort sollen die ausufernde Drogen- und Prostitutionsszene eingedämmt und die Sicherheit für Anwohner verbessert werden. Lesen Sie auchEs sollen Anmeldungen nach dem Prostituiertenschutzgesetz regelmäßig kontrolliert, die „Verrichtungsboxen“ entfernt und „auffällige Personen“ konsequent auf ihre Aufenthaltsberechtigungen überprüft werden. Zudem setzt sich die Partei für mehr Straßenreinigung sowie zusätzliche Hilfs- und Ausstiegsangebote für Prostituierte ein. Appell an Menschen in „Luxuswohnungen“Doch gegen die Pläne gibt es Widerstand. Nur wenige Meter entfernt demonstrierten Menschen gegen ein mögliches Verbot der Straßenprostitution. Anne Bonny von der Beratungsstelle Hydra warnt: Ein Sperrbezirk würde viele Frauen lediglich in die Illegalität oder in andere Stadtteile verdrängen. Sexarbeit gehöre seit dem 19. Jahrhundert zum Kiez, die Konflikte hätten sich vor allem durch Gentrifizierung verschärft. Sie appelliert an die Bewohner der neuen „Luxuswohnungen“, den Kiez weiterhin mit den „Vulnerabelsten“ zu teilen und gemeinsame Schutzstrukturen zu schaffen. Auch innerhalb der Berliner Regierungskoalition stößt die CDU-Forderung auf Kritik. Die frauenpolitische Sprecherin der SPD, Mirjam Golm, hält ein Verbot für den falschen Weg. Wer glaube, Straßenprostitution durch Verbote lösen zu können, setze auf Symbolpolitik statt auf wirksamen Schutz. „Die Realität verschwindet dadurch nicht – sie wird lediglich aus dem öffentlichen Raum verdrängt und für Hilfsangebote schwerer erreichbar.“dpa/jra
Berlin: Dealer auf dem Schulweg, Angst im eigenen Treppenhaus – CDU fordert Sicherheitsoffensive - WELT
Der Berliner Kurfürstenkiez steht vor einem Richtungsstreit. Anwohner beklagen zunehmende Kriminalität, offene Drogenszenen und Unsicherheit im Alltag. Die CDU fordert schärfere Maßnahmen – die SPD warnt jedoch vor einer Verdrängung der Schwächsten aus dem Viertel.










