Wenige Stunden nach dem deutschen Dämpfer gegen Ecuador feierten gleich drei andere Teams: Die Niederlande, Japan und Schweden zogen in der Gruppe I geschlossen in das Sechszehntelfinale ein. Die Niederlande bekommen es nach dem 3:1 gegen Tunesien mit Marokko zu tun, Japan trifft auf Rekordweltmeister Brasilien und Schweden droht ein Duell mit Frankreich.Bleibt Advocaat? „Darüber habe ich mir noch Gedanken gemacht“Trainer Dick Advocaat hat seine Zukunft nach dem WM-Aus mit Curaçao offen gelassen. „Darüber habe ich mir noch keine Minute Gedanken gemacht. Ich habe mich auf die WM fokussiert und wollte das maximale Ergebnis“, sagte der 78-Jährige auf der Pressekonferenz nach dem 0:2 gegen die Elfenbeinküste. Der Niederländer trainiert den Karibikstaat seit Januar 2024 – mit einer kurzen Unterbrechung von Februar bis Mai dieses Jahres.Die Spieler des WM-Neulings haben sich nach Platz vier in der Gruppenphase für einen Verbleib des Trainers ausgesprochen. „Ich will, dass er weitermacht, aber es ist seine Entscheidung“, sagte Torhüter Eloy Room, der mit seinen 15 Paraden im zweiten Spiel gegen Ecuador Heldenstatus in Curaçao erlangte.Die Elfenbeinküste steht nach dem Sieg im letzten Gruppenspiel erstmals bei einer Fußball-WM in der K.-o.-Runde. Mit zwei Toren war Nicolas Pépé (7./64. Minute) vor 68.324 Zuschauern in Philadelphia der umjubelte Matchwinner. Den ersten Treffer hat RB Leipzigs Yan Diomande vorbereitet. Im Sechzehntelfinale treffen die „Elefanten“ entweder auf Geheimfavorit Norwegen oder Titelkandidat Frankreich.Niederlande freuen sich auf „die großen Spiele“Ungeschlagen, Gruppenerster: Die Niederlande sind bei der WM auf Kurs. Doch mit dem bisher Erreichten wollte sich bei der Elftal nach dem 3:1 (2:0) gegen das bereits zuvor ausgeschiedene und nach einem chaotischen Turnierverlauf samt Trainerwechsel nicht konkurrenzfähige Tunesien niemand lange aufhalten. „Jetzt kommen die großen Spiele. Jetzt müssen wir bereit sein“, sagte Jan Paul van Hecke.Vor 68.391 Zuschauern gingen die Niederländer durch ein Eigentor des Frankfurters Ellyes Skhiri bereits in der dritten Minute in Führung. Fünf Minuten später erhöhte Brian Brobbey auf 2:0 und stellte damit früh die Weichen auf Sieg. Nachdem Hazem Mastouri nach dem Seitenwechsel kurz für Spannung gesorgt hatte (54.), beruhigte van Hecke die Niederlande mit seinem Treffer zum 3:1 schnell wieder (62.).In der K.-o.-Runde geht es für das Oranje-Team am Dienstag (3.00 Uhr MEZ) im mexikanischen Monterrey gegen Marokko weiter. Ein brisantes Duell angesichts der großen marokkanischen Gemeinschaft in den Niederlanden und der vielen bei niederländischen Klubs unter Vertrag stehenden Spieler.Japan vor Highlight gegen BrasilienHajime Moriyasu bat die Fußball-Großmacht Brasilien mit japanischer Höflichkeit um Verzeihung. Wen er denn für das stärkste Team halte, wurde der Nationaltrainer der „Blauen Samurai“ gefragt. Die Antwort? „Ich würde sagen: Argentinien. Ich entschuldige mich bei Brasilien, dass ich das gesagt habe“, erklärte Moriyasu, nachdem er mit Japan das Ticket für das WM-Sechzehntelfinale durch ein 1:1 (0:0) gegen Schweden gelöst hatte. Schweden ist als Dritter sicher in der K.-o.-Runde.Dass mit der Seleção in der Runde der letzten 32 Teams keine leichte Aufgabe auf die Japaner wartet, darüber ist sich auch Moriyasu im Klaren: „Aber dennoch glauben wir, dass wir eine Chance auf den Sieg haben.“ Die Schweden müssen als einer von acht besten Gruppendritten auf ihren nächsten Gegner noch warten. Auch Deutschland ist ein theoretischer Kontrahent für das Drei-Kronen-Team.Basketball-Legende Dirk Nowitzki sah im Schweden-Trikot in Dallas zunächst eine torlose erste Hälfte. Nach dem Seitenwechsel stieg der Unterhaltungswert dann jedoch merklich. Der schön herausgespielte Führungstreffer von Daizen Maeda (56. Minute), zu dem der Frankfurter Ritsu Doan die Vorlage gab, war wie ein Weckruf für die Schweden. Anthony Elanga (62.) schlenzte den Ball aus 20 Metern schön ins lange Eck zum 1:1, und Isak hatte kurz darauf sogar die Chance aufs 2:1. Suzuki konnte den Ball gerade so noch am Pfosten vorbeilenken (65.). Die Schweden waren in der Schlussphase dem Siegtreffer deutlich näher.Dämpfer für die USA, versöhnlicher Abschluss für die TürkeiDank eines späten Siegtreffers verabschiedet sich die türkische Mannschaft erhobenen Hauptes von der WM. Vor den Augen der Hollywood-Stars Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Jessica Alba traf der eingewechselte Kaan Ayhan (90.+8) spät zum Sieg für die Türkei, die bereits vor der Partie ausgeschieden war. Die weiteren türkischen Treffer erzielten Jungstar Arda Güler (10.) und Orkun Kökcü (31.).US-Trainer Mauricio Pochettino, dessen Team schon vor der Partie als Gruppensieger feststand, veränderte sein Team im Vergleich zum 2:0 gegen Australien auf neun Positionen. Für die ohne zahlreiche Leistungsträger angetretenen US-Amerikaner trafen Auston Trusty (3.) und Sebastian Berhalter (49.) im gigantischen SoFi Stadium in Los Angeles.„Natürlich willst du jedes Spiel gewinnen“, sagte der ehemalige Schalker Weston McKennie, „wir wollten auch zeigen, dass die ersten beiden Siege kein Zufall waren. Aber die Türken waren sehr präzise und haben ihre Chancen genutzt.“ Im Sechzehntelfinale treffen die USA am kommenden Mittwoch (Ortszeit) in Santa Clara auf Bosnien und Hercegovina um Schalke-Stürmer Edin Dzeko.Australien will „etwas Besonderes zu schaffen“Kein Sieger, trotzdem ein Gewinner. In einem über weite Strecken ereignislosen Duell mit Paraguay ist Australien als Zweiter der Gruppe D in die K.o.-Phase eingezogen. Der Mannschaft von Trainer Tony Popovic reichte dafür in Santa Clara ein fades 0:0. „Unglaublich“, freute sich Mittelfeldspieler Jackson Irvine: „Jetzt müssen wir etwas schaffen, was noch kein australisches Team zuvor geschafft hat: ein K.-o.-Spiel bei einer WM gewinnen.“ Er sei „so stolz“, ergänzte Popovic: „Jetzt versuchen wir, etwas Besonderes zu schaffen.“Die punktgleichen Paraguayer hatten aufgrund der schlechteren Tordifferenz das Nachsehen. Mit vier Zählern auf dem Konto stehen die Chancen, den Sprung unter die besten acht Drittplatzierten zu schaffen, jedoch gut – in der ersten K.-o.-Runde käme das Team von Trainer Gustavo Alfaro derzeit auch als deutscher Gegner infrage.In einer von robusten Zweikämpfen geprägten Partie hatte St. Paulis Irvine gleich zu Beginn einen ersten guten Abschluss, den Paraguays Keeper Orlando Gill jedoch noch über die Latte lenkte (4.). Die Socceroos kontrollierten das Geschehen, ohne wirklich gefährlich zu werden. Zwingende Offensivaktionen waren auf beiden Seiten kaum zu sehen, drei Schüsse von Australien auf das Tor und null von Paraguay sprachen zur Halbzeit eine deutliche Sprache. Auch nach der Pause zeigte sich ein ähnliches Bild. Australien dominierte die Partie weitestgehend, auch wenn Paraguay nun etwas aktiver wurde.Die weiteren Themen der Nacht:Auch Belgiens Mechele wird VaterIn der belgischen Nationalmannschaft geht es schon wieder um Nachwuchs. Nach der Debatte um Jeremy Doku und die Geburt seines Sohnes hat auch Abwehrchef Brandon Mechele berichtet, dass seine Frau und er ein Kind erwarten – womöglich während des Turniers.„Ich werde auch Vater, aber das wird erst nach der WM der Fall sein. Meine Frau war gerade beim Arzt, es ist alles in Ordnung“, sagte der 33 Jahre alte Innenverteidiger vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Neuseeland und schob hinterher: „Vielleicht muss ich aber zurück, wenn es früher kommt.“Offensivstar Jeremy Doku war nach London gereist, um bei der Geburt seines Sohnes Praise dabeizusein. Eine französische Journalistin hatte dies scharf kritisiert, ihr Sender bat im Anschluss um Entschuldigung. Ob Doku nach seiner Rückkehr gegen Neuseeland in der Nacht zum Samstag (5.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveblog zur Fußball-WM und bei MagentaTV) zum Einsatz kommt, ließ Trainer Rudi Garcia offen.Nagelsmann rüffelt KernerJulian Nagelsmann hat eine Frage von Magenta-TV-Moderator Johannes B. Kerner nach dem 1:2 im dritten WM-Vorrundenspiel gegen Ecuador überhaupt nicht gefallen. „Bitte hört auf mit dem Quatsch, ehrlich. Warum wollten die Jungs nicht Vollgas geben?“, antwortete der Fußball-Bundestrainer auf Kerners Frage, ob der deutschen Mannschaft das letzte Engagement gefehlt habe angesichts des bereits zuvor feststehenden Gruppensiegs.Ecuador habe es ein bisschen mehr gewollt, insistierte Kerner. Auch das wollte Nagelsmann so nicht stehen lassen: „Nee, die wollten es nicht mehr“, sagte der 38 Jahre alte Cheftrainer. „Die haben halt ein bisschen mehr Risiko genommen in vielen Aktionen.“„Wir hatten einen super Start ins Spiel und müssen, wenn wir so früh führen, mit viel mehr Überzeugung das Ding zu Ende spielen“, so Nagelsmann weiter. „Leider haben wir direkt nach dem Tor angefangen, Harakiri in der Positionierung zu machen. Dann wurde es schwer.“Auch in der ARD befand der Bundestrainer, dass die Mannschaft lernen müsse, souveräner in solchen Situationen zu spielen. „Das war ärgerlich, dass wir da den Gegner wieder reinholen“, sagte Nagelsmann. „Wir haben sie leider selber wieder ins Spiel zurückgeholt.“Faé zu Schweinsteiger: „Könnten es rassistisch nennen“Der Trainer der Elfenbeinküste, Emerse Faé, hat Bastian Schweinsteiger scharf für dessen Aussage über den Spielstil der Afrikaner kritisiert. „Das ist traurig. Wir könnten es rassistisch nennen. Als ich seinen Kommentar gehört habe, war ich enttäuscht. Ich habe keine andere Möglichkeit, als das zu akzeptieren“, antwortete Faé, als er nach dem Einzug in die K.-o.-Runde auf die Äußerung des früheren DFB-Profis angesprochen wurde. Er könne nicht ändern, was Schweinsteiger oder andere Leute erzählen.Wenige Tage zuvor war Schweinsteiger für Äußerungen über den Fußball der Elfenbeinküste kritisiert worden. Der frühere Nationalspieler und aktuelle ARD-Experte beschrieb das Spiel des deutschen Gruppengegners, wie in Videos zu sehen ist, als „bisschen afrikanischer Fußball natürlich, der manchmal so ein bisschen unorthodox ist, ein bisschen wild ist, bisschen vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt ist. Wir müssen uns einstellen, dass es unberechenbar wird manchmal.“