Stoischer Krieger hieß der Tanker, der es wagte, eine Route durch die Straße von Hormus zu wählen, mit der er die iranische Kontrolle umschiffte. Das Schiff, das unter liberianischer Flagge fährt, steuerte laut Medienberichten einen Kurs, der einer Empfehlung Omans folgte, des südlichen Anrainers der strategisch wichtigen Meerenge. Diese Route verläuft nah an der omanischen Küste.Und der Öltanker hielt sich daran, als er am Donnerstag die omanische Musandam-Halbinsel umfuhr. Die Behörden in Maskat hatten zuvor mitgeteilt, sie hätten – koordiniert mit der International Maritime Organization (IMO) – einen „temporären maritimen Korridor“ eingerichtet. Reedern und Kapitänen wurde eine unabhängige Risikobewertung nahegelegt.Tatsächlich war die Fahrt der Stoischen Krieger nicht ganz ohne Gefahren. Das iranische Regime, das die nördlichen Gewässer der Meerenge sowie eine nördliche Route kontrolliert – und die eigentlich übliche Route bedroht –, ist über den Vorstoß verärgert. Es lässt auch keinen Zweifel daran, dass es seinen Zugriff auf die Wasserstraße, die an ihrer engsten Stelle nur etwa 30 Kilometer breit ist, nicht aufgeben will. Sie ist ein zentrales Nadelöhr des Welthandels und weltweiten Energieexports.Kaum hatten die UN-Organisation und das arabische Sultanat am Mittwochnachmittag ihren Korridor öffentlich gemacht, da zürnten und drohten die Revolutionswächter in Teheran: „Einige Behörden“ hätten ohne Vorankündigung und ohne Abstimmung mit Teheran eine neue Route für den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus bekannt gegeben, was „inakzeptabel“ sei.„Hiermit wird allen mitgeteilt, dass die einzige zugelassene Route für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus die von der Islamischen Republik Iran festgelegte ist“, hieß es in einer Erklärung weiter. Der Schiffsverkehr außerhalb dieser Routen sei „äußerst gefährlich und verboten“. Und: „Gegen Verstöße wird vorgegangen.“Oman sitzt zwischen den StühlenDas omanische Verteidigungsministerium berief sich in einer Mitteilung auf die Verantwortung des Landes gegenüber der Straße von Hormus und deren Bedeutung für die Weltwirtschaft. Der Vorstoß mit der IMO stehe im Einklang mit dem omanischen Bekenntnis zum Völkerrecht und zum Seerecht. Und dem Bekenntnis dazu, die freie Schifffahrt durch die Meerenge ohne die Erhebung von Durchfahrtsgebühren zu gewährleisten.Der amerikanische Außenminister Marco Rubio bekräftigte im Zuge einer Reise an den Golf auch noch einmal, kein Land habe das Recht, für die Nutzung internationaler Gewässer Geld zu verlangen. Eine solche Forderung werde niemals Bestandteil eines akzeptablen Abkommens sein.Die Führung in Maskat unterhält eigentlich gute Beziehungen zu Iran und agierte daher immer wieder als Vermittler zwischen Washington und Teheran. Auch über die Straße von Hormus hatten beide Anrainer in der Vergangenheit regelmäßigen Austausch. Jetzt soll Oman laut der amerikanisch-iranischen Absichtserklärung Gespräche mit Iran führen, um „die künftige Verwaltung der maritimen Dienste“ in der Straße von Hormus zu regeln. Das solle „im Dialog mit anderen Anrainerstaaten“ geschehen.Beifall aus den EmiratenDas Sultanat steht in diesen Gesprächen, die am Dienstag begannen, von beiden Seiten unter Druck. Omanischen Vertretern, so berichten Diplomaten, sei Unbehagen darüber anzumerken. Das Regime in Teheran will demnach seinen Zugriff auf die Meerenge formalisieren, Einnahmen generieren – und Oman für seine Zwecke einspannen. Es stehen Gebühren für Dienstleistungen im Raum, wie zum Beispiel Lotsendienste, Rettungsdienste oder Sicherheitsdienstleistungen.Doch auf der anderen Seite wurde Oman laut Angaben von Diplomaten deutlich gemacht, es solle sich klar von den iranischen Bestrebungen absetzen. Es habe eine „klare Ansprache“ von westlichen Partnern und anderen arabischen Golfstaaten gegeben. Die Veröffentlichung des Korridors sei ein Signal in diese Richtung, hieß es. Die südliche Route nah an der omanischen Küste sei schon zuvor genutzt worden.Aus einem mächtigen Nachbarland Omans gab es prompt Beifall: aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie wollen verhindern, dass Iran jedweden Einfluss auf die Schifffahrt durch die Straße von Hormus erhält. Anwar Gargasch, hoher Diplomat der emiratischen Führung, riet Teheran am Donnerstag dringend davon ab, den Schiffsverkehr durch die Meerenge zu behindern oder Gebühren zu erheben.„Den arabischen Golfstaaten dürfen keine neuen geopolitischen Tatsachen als Folge einer hinterhältigen Aggression gegen sie aufgezwungen werden“, schrieb Gargasch auf der Plattform X. „Das sät neue Samen der Zwietracht und des Konflikts für die Zukunft. Und genau das trifft auf die Straße von Hormus zu.“ Offen, das zeigt der Konflikt über den neuen südlichen Korridor, ist diese noch nicht.