Was soll nur später mal aus ihnen werden? Man sieht sie nur noch am Handy hängen – krummer Rücken, glasige Augen, nervöses Fußtippeln. Haben ja inzwischen alle angeblich ADHS. Müssten aber vielleicht einfach nur mal wieder raus an die frische Luft.Guckt doch mal, wie lang die Sabine abends noch wach liegt. Also Rilke ist das nicht, was die sich da immer reinzieht. Oder der Michael. Man merkt ja, dass es ihm nicht guttut. Was der neuerdings für Sachen redet! Der war doch früher nicht so.Es wurde lang genug versucht, mit freundlichen Appellen, mit Ermahnungen. Nun wird es Zeit, liebevolle Strenge walten zu lassen. Social-Media-Verbot für Erwachsene jetzt! Ran an die Risikogruppe! Allein werden sie es wohl nicht schaffen.Schon die ständigen Ausreden sprechen für sich. Nichts sollte uns so sehr besorgen über den Grad der kollektiven Handysucht der Leistungs- und Gleitsichtbrillenträger wie die Verdrängungsleistung, die dazu erforderlich ist, dass sie das verbieten wollen, wovon sie selbst abhängig sind – aber eben nicht für sich. Damit dann endlich mal Ruhe ist. Damit sie sich weiter ihr Gehirn frittieren können, ohne dass jemand rumnervt. Nice try!Eltern haben abends im Bett keine Zeit zu reden – müssen ja Instagram anguckenVielleicht bräuchten sie nur einfach mal wieder was zu tun, eine Aufgabe, irgendwas mit Menschen. Ein Wehrdienstjährchen hat noch keinem geschadet außer DEM FEIND. Ein soziales Pflichtjahr macht sexy und froh. Mal was zurückgeben. Nicht nur am Handy hängen und blödes Zeug über fremde Leute schreiben.Ein Social-Media-Verbot für Erwachsene würde viel Gutes bewirken, unter anderem hoffentlich ein Ende der verpeilten Diskussionen um ein Handyverbot für Jugendliche. Wenn Kinder und Jugendliche wieder Eltern hätten, die mal auf was anderes als ihr Handy schauen würden, hätten sie vielleicht auch wieder Anreize, sich mit dem sogenannten echten Leben zu beschäftigen, aus dem sich die Älteren schon längst zurückgezogen haben. Die Tablets werden ja auch deshalb so gern ausgeteilt, damit Mama und Papa beim Essen mal wieder miteinander reden können, wozu sie abends im Bett keine Zeit haben. Da müssen sie Instagram gucken.Ein Social-Media-Verbot für Erwachsene würde womöglich auch gleich den Weg freimachen fürs Ankurbeln der Geburtenraten, deren Kurve mit der Erfindung des iPhones ein wenig erschlafft ist. Wer zu viel Handy guckt, wird wütend. Wer wütend ist, zeugt keine Kinder. Und neigt überdies zu Verboten, nur nicht für sich selbst.Noch ein paar besorgniserregende Studien mehr zu den Verblödungserfolgen des Doomscrollingzeitalters und der strenge Blick gegen Handys am Esstisch gilt als woke. Regulierung ist generell out.Außer natürlich, wenn es um Kinder geht. Darauf können sich dann doch alle einigen, wenn man sich auch auf sonst kaum noch etwas einigen kann: dass die Kinder immer dümmer und frecher und schrecklicher werden, dass sie auf irgendeine obskure Weise das Problem sind und die Lösung somit in sie betreffenden Maßnahmen liegen muss.Aber sind es nicht die Erwachsenen, die sich immer auffälliger verhalten, immer trotziger, immer beleidigter? Ätschi bätsch, liebe Bundesregierung, wenn ihr mir hier das Schnitzel madig machen wollt durch freches, ungefragtes Anbieten veganer Alternativen – tja, dann seht ihr mal, was ihr davon habt, dann wähl’ ich halt die mit den NSDAP-Anspielungen. Im Handy stand, die sind gar nicht so. Und diesseits der Brandmauer wiederum spottet man und schüttelt den Kopf: Selbst schuld, liebe Bundesregierung, lange Jahre habt ihr und eure Vorgänger das Land bedürfnisorientiert regiert, wie das in den Pädagogikratgebern heißt, verwöhnt habt ihr die Leute, aufgesprungen seid ihr, sobald jemand nur mal irgendwo einen Wutrülpser ins Internet gesetzt hat. Jetzt seht ihr, was daraus geworden ist!Wäre natürlich schön, wenn sich Erwachsene verhalten könnten wie Erwachsene. Aber wie die Dinge stehen, ist es vielleicht Zeit, ihnen wieder Grenzen zu vermitteln, damit sie sich zu selbstbewussten und respektvollen Menschen entwickeln können. Nein sagen aus Liebe. Handyverbot für Erwachsene (und Kinder) jetzt!