Die vergangene Nacht zieht nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit der wärmsten Nacht in Deutschland seit Beginn der Messungen gleich. Im rheinland-pfälzischen Bad Bergzabern fiel die Temperatur nicht unter 26,2 Grad. Bisheriger Rekordhalter war der Berg Weinbiet in Rheinland-Pfalz, wo die Temperatur am 25. Juli 2019 ebenfalls nicht unter 26,2 Grad gesunken war.Während die Temperaturen tagsüber vielerorts auf die 40 Grad zugehen, sinken sie nachts teils nicht mehr unter 20 Grad. Der Deutsche Wetterdienst spricht ab dieser Grenze von tropischen Nächten. Nach Angaben des Umweltbundesamtes treten diese Tropennächte häufiger im Süden und Westen Deutschlands auf. Auch seien sie innerhalb dichter, innerstädtischer Bebauungsstrukturen wesentlich häufiger als auf Freiflächen. Wird der Juni-Temperaturrekord noch geknackt? Wetterexperte Helge Tuschy vom Deutschen Wetterdienst zufolge ist die anhaltende Hitzewelle besonders für West- und Südwesteuropa ungewöhnlich und könnte für den Juni „gegebenenfalls auch historisch ausfallen“.Diese Hitzewelle könnte für den Juni historisch ausfallen.Helge Tuschy, Deutscher WetterdienstAm Mittwochnachmittag ergänzte eine DWD-Sprecherin auf Anfrage des Tagesspiegels: „Wenn am Freitag oder Samstag die 40-Grad-Marke geknackt wird, dann wäre das ein neuer Juni-Rekord. Steigt die Temperatur über 41 Grad, könnte es sogar einen neuen Allzeitrekord geben.“ Später konkretisierte der Deutsche Wetterdienst, dass ein neuer Höchstwert wahrscheinlich am Freitag erwartet wird: „Der Juni-Rekord wird mit großer Sicherheit fallen.“Gleichzeitig betonten sowohl Tuschy als auch die DWD-Sprecherin, dass man für genauere Aussagen zunächst die weiteren Entwicklungen abwarten müsse. Zwar habe es auch hierzulande schon „einzelne, vorläufige Stationsrekorde“ gegeben, „doch ob es noch ein Deutschlandrekord wird, kann noch nicht gesagt werden“, ergänzte Tuschy. „Heat Dome“ sorgt für Temperaturen bis zu 41 Grad Den DWD-Experten zufolge sollen am Donnerstag im Westen und Südwesten des Landes mitunter bis zu 40 Grad erreicht werden, für Samstag prognostizieren die Meteorologen flächendeckend „sehr heiß bis extrem heißes“ Wetter mit Temperaturen zwischen 35 und 41 Grad.Die Hitzewelle hält mindestens bis Sonntag an.Deutscher Wetterdienst, WarnlageberichtMeteorologen zufolge ist ein Hitzedom für die gefühlten Backofentemperaturen verantwortlich. Dabei handelt es sich um ein Wetterphänomen, bei dem die Hitze wie unter einer riesigen Kuppel oft über mehrere Tage gefangen ist und nicht entweichen kann. DWD-Experte Tuschy bestätigte dem Tagesspiegel auf Anfrage, dass sich dieser sogenannte „Heat Dome“ aktuell von Westeuropa kommend in Richtung Mitteleuropa und Deutschland bewegen soll. „Der Hitzehöhepunkt ist auf dem Weg zu uns und erreicht uns voraussichtlich Freitag oder Samstag“, so der Deutsche Wetterdienst.Den DWD-Experten zufolge soll die Hitzewelle in Deutschland „mindestens bis Sonntag anhalten“. Aus Süden kommend strömt demnach weiterhin „heiße bis sehr heiße“ Luft nach Deutschland. Doch die Heißwetterphase hat nicht nur Sonnenschein im Gepäck, sondern auch „feuchte Luftmassen“, die regional für Hitzegewitter sorgen können. © Wetteronline, DWD I Tagesspiegel/Rita Boettcher Hamburger Halbmarathon fällt wegen Hitzewelle aus In ganz Deutschland reagieren Veranstalter, Vereine und Kommunen auf die enorm hohen Temperaturen. Zahlreiche Open-Air-Events wurden abgesagt – etwa der für Sonntag geplante Halbmarathon in Hamburg, für den 24.000 Läuferinnen und Läufer angemeldet waren. „Es ist vermutlich die schwerste Entscheidung, die wir in der Geschichte dieser Veranstaltung treffen mussten“, hieß es auf der Homepage. Für das Wochenende werden in der Hansestadt Temperaturen bis 37 Grad Celsius erwartet. Der Württembergische Fußballverband sagte sämtliche Fußballspiele für das kommende Wochenende ab. Der Berliner Fußballverband strich unter anderem alle Begegnungen im Kinderfußball, außerdem alle Spiele, die keine Relevanz für Auf- oder Abstiege haben. Auch Schulen reagieren vielerorts und verkürzen den Unterricht oder geben komplett hitzefrei. In manchen Regionen gelten aufgrund von Wasserknappheit und Waldbrandgefahr Bewässerungs- und Grillverbote. So wurde wegen Trockenheit in Dresden ein Wasserentnahmeverbot verhängt, nach dem Eigentümer und Anlieger bis Oktober kein Wasser aus den „oberirdischen Gewässern“ der Stadt entnehmen dürfen. Die Wettervorhersagen für die nächsten Tage Hitzewelle in Deutschland: Wann wird es wieder kühler? Dem Deutschen Wetterdienst zufolge sei eine „echte Linderung“ in puncto Hitze zumindest in den nächsten Tagen nicht zu erwarten. Eine leichte Abkühlung deutet sich demnach erst zu Beginn der kommenden Woche an – dann aber zunächst auch nur im Nordwesten des Landes. „Es wird noch schwül und heiß“, so die DWD-Experten, „aber die extreme Hitze ist dann komplett raus“.Auch in anderen Ländern Europas ächzen die Menschen derzeit unter den hohen Temperaturen. In Frankreich etwa dürfte sich die Hitzewelle nach mehreren heißen Tagen heute abermals verschärfen. Der Wetterdienst Météo France erließ für 72 Departements und damit den größten Teil des Landes ab dem Mittag die höchste Warnstufe Rot. Erwartet wurden flächendeckend Höchsttemperaturen zwischen 34 und 39 Grad und in einigen Regionen sogar Temperaturen bis 41 Grad. (mit Agenturen)