ErklärtEs gibt etliche Sonnencrèmes speziell für Kinder. Aber brauchen die Kleinen wirklich ihre eigenen Produkte?Sonnenschutz ist für Kinder besonders wichtig. Worauf Eltern achten sollten – und warum es mit Eincremen allein nicht getan ist.Nina Himmer13.08.2025, 05.30 Uhr4 LeseminutenIllustration Simon Tanner / NZZLeserfrage: Muss ich für mein Kind teure Kinder-Sonnencrème kaufen, oder tun es auch die Produkte für Erwachsene?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wenn die Dermatologin Marion Moers-Carpi bei der Hautkrebsvorsorge die Muttermale, Sommersprossen und Leberflecken ihrer Patienten unter die Lupe nimmt, stellt sie ihnen stets auch eine Frage: «Wie oft hatten Sie in Ihrer Kindheit einen Sonnenbrand?» Die Antwort ist für die Hautärztin wichtig, denn Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Risiko für Hautkrebs im späteren Leben um das Zwei- bis Dreifache. Gemäss Untersuchungen bekommen wir 80 Prozent der UV-Strahlendosis unseres Lebens vor dem 18. Lebensjahr ab.Wohl & Sein antwortetIn der Rubrik «Wohl & Sein antwortet» greifen wir Fragen aus der Leserschaft rund um Gesundheit und Ernährung auf. Schreiben Sie uns an [email protected].Das ist eine tückische Kombination, «denn die Haut von Kindern ist durchlässiger und empfindlicher als jene von Erwachsenen und verkraftet Schäden durch UV-Strahlung schlechter», erklärt Marion Moers-Carpi. Das liege unter anderem an ihrer dünneren obersten Hautschicht, ihrem noch unreifen Immunsystem und der Tatsache, dass ihr Körper nur wenig Melanin bildet, das vor UV-Strahlung schützt. «Insbesondere Babys sollten deshalb keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden», so Moers-Carpi. Für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche wiederum gilt in Sachen Sonnenschutz: Viel hilft viel.Ein wichtiger Schutz kommt dabei aus der Tube. Insbesondere in ihrem ersten Lebensjahr brauchen Kinder allerdings spezielle Sonnencrème. «In dieser Zeit sollte man nur physikalischen Sonnenschutz mit mineralischen UV-Filtern wie Zinkoxid verwenden», sagt Moers-Carpi. Diese legen sich wie eine Barriere auf die Haut und dringen nicht in sie ein.Ab etwa eineinhalb bis zwei Jahren können auch Crèmes mit chemischen UV-Filtern verwendet werden, das Risiko für Hautreizungen ist dann geringer. «Sie sollten allerdings frei von Duft- und Konservierungsstoffen sein», rät die Dermatologin.Wichtig ausserdem: Die Sonnencrème sollte wasserfest sein, einen hohen Lichtschutzfaktor von mindestens 30 aufweisen, sowohl vor UV-A- als auch vor UV-B-Strahlung schützen und nicht alt oder abgelaufen sein. «Alte Sonnencrème wirkt nicht nur schlechter, sondern kann sogar schädlich sein, weil sich darin enthaltene Filter problematisch zersetzen», so die Medizinerin.Treffen all diese Kriterien zu, ist es nicht entscheidend, ob man ein Produkt für Kinder oder Erwachsene verwendet oder ob es aus der Apotheke oder der Drogerie stammt.Das richtige Auftragen der Crème ist entscheidendGenauso wichtig wie das passende Produkt ist der Umgang damit. Etwa beim Auftragen: «Ohren, Fusssohlen, Zehen, Nase, Kopfhaut, Kinn, Nacken sowie die Stelle zwischen Nase und Oberlippe werden gerne einmal vergessen», sagt die Ärztin, die Crèmes gegenüber Sprays bevorzugt. «Crèmes machen es leichter, alle Stellen flächig zu bedecken, und verursachen keinen Sprühnebel, den Kinder einatmen könnten.»Auch regelmässiges Nachcremen ist wichtig, vor allem, wenn Schweiss und Wasser im Spiel sind. Nachcremen sollte man etwa alle drei Stunden, die richtige Menge kann man mit der Zwei-Finger-Regel abschätzen. Moers-Carpi: «Wenn man je einen Streifen Sonnencrème auf die Innenseite von Zeige- und Mittelfinger gibt, reicht die Menge für jeweils eine Körperregion. Etwa Gesicht und Hals, einen Arm oder den Rücken.» Den besten Schutz entwickelt Sonnencrème übrigens auf sauberer und gut durchfeuchteter Haut. «Nach dem Kontakt mit Salz- oder Chlorwasser lohnt es sich deshalb, kurz zu duschen, bevor man nachcremt.»In der Schweiz hat sich die Anzahl von Neuerkrankungen mit schwarzem Hautkrebs in den vergangenen 35 Jahren mehr als verdoppelt. Sonnenschäden aus der Kindheit spielen dabei wohl eine grosse Rolle. Auch deshalb sollte man beim Thema Sonnenschutz über die Crème hinausdenken.Newsletter «Wohl & Sein»Vertiefen Sie Ihr Wissen über Ernährung, Gesundheit und Psychologie mit unserem Newsletter «Wohl & Sein», der jeden Donnerstag in Ihrem Posteingang landet.Jetzt kostenlos anmeldenKleidung, Hüte und Sonnenbrillen etwa sind ein wichtiger Schutz, ebenso angepasstes Verhalten: Schatten suchen, Mittagshitze meiden und Wetter-Apps nutzen. Der dort angegebene UV-Index gibt die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung an. Er hängt vom Wetter und vom Staubgehalt in der Luft, von der Dicke der Ozonschicht, vom Breitengrad, der Jahres- und Tageszeit sowie der Höhe ab. «Werte von 0 bis 3 sind okay, ab 4 ist Sonnencrème unabdingbar, und ab 7 sollte man laut der Weltgesundheitsorganisation Aufenthalte im Freien möglichst vermeiden», sagt Moers-Carpi.Und sonst? Drei Irrtümer begegnen der Hautärztin in ihrer Münchner Praxis besonders häufig. Erstens: die Annahme, dass ein bewölkter Himmel vor Sonnenbrand schützt. Das stimmt nicht, auch bei bewölktem Himmel kann viel UV-Strahlung bis zur Erdoberfläche durchdringen. Zweitens: dass nur helle Haut Sonnenschutz benötigt. «Der Eigenschutz von dunkler Haut hält zwar länger an, aber Sonnenschutz braucht sie trotzdem», stellt die Expertin klar. Drittens: dass Sonnenschutz nur in den Sommerferien wichtig sei. Moers-Carpi schüttelt den Kopf: «Sonnenschutz ist gerade im Sommer jeden Tag wichtig – auch in Deutschland und der Schweiz.»Sie haben auch eine Frage rund um Ernährung und Gesundheit? Schreiben Sie uns an [email protected].Passend zum Artikel
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