Mitten in Moskau, zwischen Kreml und Lubjanka, liegt das Büro des Lewada Zentrums im ersten Stock eines renovierungsbedürften Altbaus. Lew Gudkow, 79, führt in den Besprechungsraum, in dem sonst kleine Gruppen junger und alter Russinnen und Russen nach ihrer Meinung befragt werden. Gudkow führte das Institut 15 Jahre lang, inzwischen ist er dessen wissenschaftlicher Leiter. Er setzt sich auf einen der vielen leeren Stühle, die Zahlen hat er im Kopf. Russlands letztes unabhängiges Meinungsforschungsinstitut wurde bereits 2016 als „ausländischer Agent“ gebrandmarkt, Gudkow bangt um die Zukunft des Zentrums. Was die Zukunft Russlands angeht, macht er sich keine Illusionen.