Sicherer, komfortabler, digitalisierter: Auf der Eurobike, die bis Samstag auf dem Frankfurter Messegelände stattfindet, präsentieren rund 800 Aussteller ihre Produkte. Im Jahr 2025 gab es in Deutschland nach den Zahlen des Zweiradverbands ZIV 90,6 Millionen Fahrräder und E-Bikes – das entspricht einem Plus von mehr als 25 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Die Produktion von Fahrrädern stieg um 3 Prozent auf 658.000 Stück, während die E-Bike-Produktion um 3 Prozent auf rund 1,3 Millionen leicht zurückging. Insgesamt blieb die Produktion damit stabil. Der Umsatz aus dem Verkauf von Rädern und E-Bikes sank 2025 hingegen um 7,7 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro, ein deutlich geringerer Rückgang als im Vorjahr. Umso wichtiger ist es für Hersteller, mit Innovationen neue Zielgruppen zu erschließen und Kunden Kaufanreize zu geben.1. Hersteller investieren in SicherheitVor allem der Verkehr in Großstädten macht der Fahrradbranche zu schaffen, Radfahren im Großstadtverkehr ist gefährlich. Allerdings ist das Rad in Metropolen als Fortbewegungsmittel sehr beliebt. Deswegen bauen Hersteller immer mehr Sicherheits-Features ein. Interessant ist etwa der futuristisch anmutende Helm, den der Koblenzer Hersteller Canyon auf der Eurobike präsentiert. Der smarte Stingr-Helm hat auf der Innenseite des klappbaren Visiers seitlich ein Infodisplay. Dort können Informationen zu Straßenhindernissen oder dem Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer, aber auch Warnsignale angezeigt werden. Zudem erhält der Fahrer interessante Details zu seiner Fahrt wie die Geschwindigkeit oder die getretene Wattzahl. Wenn Visier und Display gerade nicht benötigt werden, genügt ein Sprachbefehl oder ein Knopfdruck, um das Visier automatisch einfahren zu lassen.Außerdem zeigt Canyon Räder, die in der Lage sind, per haptischem oder visuellem Reiz (indem etwa der Lenker blinkt) auf Gefahren hinzuweisen, ein Display im Lenker warnt zum Beispiel vor kritischem Terrain.Zudem werden immer mehr Bikes mit Blinker ausgestattet. So zeigt das Schweizer Unternehmen Sidelights auf der Messe ein 360-Grad-Beleuchtungssystem, das in den Lenker integriert ist und sowohl Frontscheinwerfer als auch Blinker bietet. Ziel ist es laut Sidelights, dass Räder im Straßenverkehr nicht mehr übersehen, sondern ebenso gut wahrgenommen werden wie Autos.2. Die Digitalisierung der Räder setzt sich fortLange konzentrierten sich Hersteller bei Fahrrädern auf leistungsstarke Motoren und leichte Rahmen, auf gute Bremsen und flüssige Schaltungen, auf schickes Design und hohe Reichweite. Doch immer häufiger integrieren sie digitale Elemente in ihre Produkte. So hat der Komponentenspezialist Limotec aus Taiwan eine vollautomatische Sattelstütze entwickelt, die das Unternehmen auf der Eurobike vorstellt. Das System passt die Sitzhöhe völlig selbständig und situativ an die jeweilige Fahrsituation und Topographie an.Ein weiteres Beispiel sind elektronische Minipumpen, bei denen der gewünschte Reifendruck eingegeben und die Pumpe per Knopfdruck gestartet wird. Sobald der eingestellte Druck erreicht ist, stoppt sie automatisch. Im Trend sind auch Sicherheitsschlösser wie jenes von TMD Locks aus den Niederlanden, die ohne Schlüssel auskommen, sondern dann öffnen, wenn das Smartphone in der Nähe oder die Öffnung über eine App freigegeben wird.Smart: Der Stringr Fahrradhelm von Canyon hat im Visier ein Display.Canyon3. Unternehmen bieten immer mehr KomfortAls nichts Geringeres als einen neuen Schritt in der Entwicklung von E-Bikes bewirbt der Münchner Hersteller Hepha sein neues Konzeptfahrrad, das noch nicht erhältlich, aber auf der Eurobike zu sehen ist und dort auch probegefahren werden kann. Alles daran sei bereits serienreif, verspricht Geschäftsführer Alex Thusbass. Das Fahrrad mit dem Titel „Urban X“ soll dem Nutzer Schalten und Bremsen ersparen, es beschleunigt also selbständig und bremst von allein wieder ab. Thusbass sagt, diese Form intuitiven Fahrens ermögliche es Radfahrern in der Stadt, in der ständig eine Ampel zum Bremsen nötige, einfach mit dem Treten aufzuhören. Das Rad komme dann rechtzeitig vor dem Signal zum Stehen. „Probieren Sie es aus, es funktioniert“, sagte er.Davon abgesehen ist das Hepha ein echter Hingucker und fällt optisch aus dem Rahmen, vor allem wegen seiner Sitzbank. Thusbass sagt, Fahrradsattel seien für Menschen entwickelt worden, die aktiv treten müssten. E-Bikes wie das Konzeptrad benötigten dagegen weniger Kraft und daher einen Sitz mit mehr Fläche.Mit Sitzbank: Das Hepha Urban X will Fahrern nicht nur das Schalten, sondern auch das Bremsen ersparen.Schleidt4. Die Ladezeit für Akkus wird wichtigerBei vielen Ausstellern auf der Eurobike sind Slogans zu lesen, bei denen es um kürzere Ladezeiten geht. Der chinesische Drohnenhersteller Avinox, der inzwischen in den Fahrradmarkt eingestiegen ist und dort mit leistungsstarken, relativ kompakten Motoren auf sich aufmerksam macht, weist auf Systeme hin, die sich innerhalb von 75 Minuten „und damit in der Mittagspause“ aufladen lassen, wie Ferdinand Wolf von Avinox sagt.Nebenan bei Hepha schwärmt Alex Thusbass sogar davon, dass das Konzeptrad Urban X (siehe oben) in nur 17 Minuten „von null auf 80 Prozent“ geladen werden könne, das sei nicht länger als die Kaffeepause des Nutzers. Mit diesen Ladezeiten könne es zum Beispiel für Einzelhändler interessant sein, eigene Ladesäulen vor dem Geschäft zu installieren. Dann könnten Kunden ihre Akkus wieder vollmachen, während sie den Einkauf erledigten, so Thusbass. Das könne auch das Problem lösen, dass es in Städten zu wenige Lademöglichkeiten gebe.Kürzere Ladezeiten sind für Hersteller aus mehreren Gründen interessant. Zum einen erweitern sie die Reichweite, weil Radfahrer zwischendurch ihre Akkus schnell nachladen können. Zum anderen können Batterien für kürzere Strecken kleiner und leichter ausfallen.Leistungsstark: Der MG Concept Motor von AvinoxAvinox5. Dreiräder für Ältere sind im KommenInsgesamt differenzieren viele Hersteller ihr Angebot immer weiter aus. Susanne Puelho, die gemeinsam mit ihrem Mann Felix 2017 die Fahrrad- und E-Bike-Marke Raymon mit Sitz in Schweinfurt gegründet hat, sagt, es gehe zunehmend darum, die Bedürfnisse vieler Zielgruppen punktgenau zu bedienen. Die Marke Raymon macht das mit einem E-Mountainbike, das nach Aussage der Hersteller das derzeit leichteste E-Mountainbike der Welt ist. Das Taroq sei gerade mal 20,4 Kilogramm schwer, hebt Susanne Puelho hervor, das relativ niedrige Gewicht gehe nicht zulasten von Leistung und Preis.Eine Zielgruppe, die von Herstellern zunehmend in den Blick genommen wird, sind ältere Radfahrer, die mobil bleiben, sich aber sicher im Straßenverkehr bewegen wollen. Für sie entwickelt die Branche immer mehr Spezialräder, zum Beispiel das Unternehmen HP Velotechnik aus dem hessischen Kriftel. Paul Hollants und Daniel Pulvermüller haben das Unternehmen vor mehr als 30 Jahren als Liegeradmanufaktur gegründet, seither wurden zwei Dutzend Fahrradmodelle auf zwei und drei Rädern kreiert. Auf der Eurobike präsentiert das Unternehmen aus der Rhein-Main-Region, das 50 Mitarbeiter beschäftigt, mit dem Modell Delta tx ein Sesseldreirad mit extra hoher Sitzposition, die das Einsteigen erleichtern soll, einem variablen Sitz- und einem Gepäcksystem, das immerhin 25 Kilogramm Ladung zulassen soll.Noch stünden viele Nutzer den Dreirädern skeptisch gegenüber, sagt ein Sprecher des Unternehmens, doch das sei bei Lastenrädern zu Beginn auch so gewesen. Künftig erhoffen sich die Hessen, dass mehr ältere Menschen auf ihre komfortablen E-Dreiräder zurückgreifen.Komfortabel: Das Dreirad Delta tx von HP Velotechnik, das bei der Eurobike vorgestellt wurde, soll vor allem Menschen ansprechen, die auch im Alter noch mobil sein wollen.Emil Eichinger7. Mehr Features für Kinder und FamilienAuch Kinder und Familien gehören zu den Zielgruppen, für die die Branche mehr bieten will. So gibt es Kinderanhänger zwar schon länger, auch jene des Herstellers Croozer aus Nordrhein-Westfalen. Doch nehmen sie bislang viel Platz weg und sind deshalb etwa für Bewohner von Mietwohnungen nur bedingt geeignet gewesen. Der neue Anhänger „Lykke“ ist so gebaut, dass er schnell vertikal zusammengefaltet und somit auch leicht im Hausgang abgestellt werden kann.Auch das Unternehmen Li:on aus Markdorf am Bodensee, das die ehemaligen Radprofis Marcel Kittel und Tony Martin gegründet haben, tut sich mit Innovationen in dem Segment Kinderräder hervor. Neu ist zum Beispiel ein Lichtsystem, bei dem Teile des Rahmens leuchten und die Kinder auf dem Rad im Dunkeln deutlich besser sichtbar sind als mit klassischer Rückleuchte. Zudem wächst das Rad dem Hersteller zufolge mit, das heißt, der Vorbau ist so verstellbar, dass sich das Rad an die Größe des Kindes anpassen lässt. Dadurch soll es länger nutzbar sein als herkömmliche Modelle.Mut zur Lücke: Der Kinderanhänger Croozer Lykke lässt sich zusammenfalten und spart damit Platz.Croozer7. Lastenräder werden spezifischerWelches Fahrrad ist das richtige für mich? Auf diese Frage gibt es immer mehr Antworten, weil die Kundenwünsche immer gezielter adressiert werden. Ein Beispiel dafür liefert der Gießener Hersteller Dynamic Drives. Die Hessen haben sehr robuste Räder entwickelt, die extremen Belastungen standhalten sollen und zudem flexibel einsetzbar sind. Das neue „Heavy Duty Pedelec“ richtet sich laut Mitarbeiter José Garcia an industrielle Kunden, an Handwerker, Lieferdienste, Landschaftsbauer oder Händler, die ihre Produkte und Materialien mit dem Lastenrad transportieren wollen. Bis zu 400 Kilogramm können in das Rad geladen werden, sagt Garcia.Der Wiener Hersteller Vello setzt auf der Eurobike Akzente bei Kompakträdern und setzt in dem Markt, der sonst eher schwerfällige Räder im Angebot hat, mit dem Vello Sub ein eher leichtes Lastenrad auf die Spur. Es ist schon mit einem Gewicht ab 25 Kilogramm zu haben und lässt sich so zusammenfalten, dass man es auch mit in die Bahn nehmen kann.Viel Platz: Das Lastenrad des Gießener Unternehmens Dynamic Drives richtet sich zum Beispiel an Landschaftsbauer oder Lieferdienste.Emil Eichinger8. Der Markt der Gravelbikes wird erwachsenWer vor einigen Jahren vom Gravelbike sprach, meinte meist ein sportliches Rad für schnelle Feierabendrunden auf Schotter- oder Radwegen. Inzwischen zeichnet sich ein deutlich breiter gefächertes Bild ab: Gravelbikes sprechen weiterhin eine sportliche Klientel an, haben sich aber gleichzeitig zu Alltags‑, Reise- und Abenteuerrädern entwickelt. Am sportlichen Ende der Gravel-Angebotspalette stehen leichte Modelle für Training, Rennen und schnelle Touren, wie beispielsweise das Modell Soreno des bayerischen Herstellers Raymon. Daneben gibt es komfortorientierte Räder für lange Strecken, Bikepacking und Reise.Mit der Verbreitung der Gravelbikes – der Anteil dieser Modellgruppe am Gesamtmarkt in Deutschland lag 2025 laut Zahlen des Branchenverbands ZIV bei rund 10 Prozent, 2024 waren es erst 6,5 Prozent – gibt es auch deutlich mehr Auswahl für das entsprechende Equipment. Besonders sichtbar ist die Spezialisierung beim sogenannten Bikepacking. Hier kommen Taschen zum Einsatz, die an Lenker, Rahmen, Oberrohr oder Sattelstütze befestigt werden. Dazu kommen Bekleidung und Schuhe, die den Spagat zwischen sportlicher Effizienz und Praxistauglichkeit schaffen sollen.Gravelbikes von Raymon auf der Eurobike Messe, fotografiert am 23. Juni in Frankfurt am MainEmil Eichinger9. Warum sollte man noch schalten?Immer mehr Schaltsysteme wählen für den Fahrer den richtigen Gang aus. Dabei analysieren die Systeme Trittfrequenz, Tempo und Last und wählen dafür die ideale Gangart aus, ohne dass der Fahrer noch etwas dazu tun müsste. Auf der Eurobike stellt Avinox zum Beispiel sein sogenanntes Smooth-Shift-System vor. Dieser elektronische Antrieb ermöglicht es der Antriebseinheit, Gangwechselsignale zu erkennen und die Kassette sanft zu schalten, ohne dass ein Treten der Pedale erforderlich ist – Schalten geht also auch bei Stillstand. Dabei reduziert das System auf intelligente Weise das Drehmoment, um Schaltstöße zu minimieren, die Kette zu schützen und die Lebensdauer des Antriebs zu verlängern.
Gravelbikes und smarte Helme: Das sind die Fahrradtrends auf der Eurobike 2026
Gravelbikes für jeden Geschmack, Dreiräder für Senioren, bessere Akkus, Helme mit Display: Die Branche zeigt auf der Messe Eurobike in Frankfurt zahlreiche Innovationen.














