Frankfurt/Main (dpa) - Weniger Schauspielerei, weniger Zeitschinderei, mehr Videobeweis-Möglichkeiten - die neuen Regeln werden bei der Weltmeisterschaft besonders beäugt. Auch im deutschen Fußball kommen einige davon zur neuen Saison.Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Schiedsrichter-Experten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) werden sich nach dem XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko ausführlich mit den Daten auseinandersetzen. Dabei fließen auch Erkenntnisse der Europäischen Fußball-Union (UEFA) mit ein. Die Kommission Fußball der DFL und die Clubs entscheiden dann über Regeländerungen, die über die verpflichtenden hinausgehen.Voreilige Schlüsse will man bei den Dachverbänden jetzt noch nicht ziehen. Die K.-o.-Spiele könnten durchaus ein „Gamechanger“ sein, also etwas verändern sagte Alex Feuerherdt, Sprecher der DFB Schiri GmbH, der Deutschen Presse-Agentur. Man müsse zwischen verpflichtenden und optionalen Regeländerungen unterscheiden. Erstere treten bereits zum 1. Juli im gesamten deutschen Fußball in Kraft. Fixe Regeländerungen Nicht nur, wenn der Torhüter den Ball zu lange in der Hand hält, gibt es wie bisher bereits einen Countdown. Auch bei Einwürfen und Abstößen kann der Schiedsrichter nun fünf Sekunden per Hand herunterzählen. Wird das Spiel bis dahin nicht fortgesetzt, geht der Ballbesitz ans gegnerische Team. Auch bei Auswechslungen müssen sich die Mannschaften ab sofort beeilen - oder es in Kauf nehmen, eine Minute in Unterzahl weiterzuspielen. Wird ein Spieler auf dem Feld behandelt oder das Spiel deswegen unterbrochen, muss er den Platz verlassen und darf erst nach einer Minute wieder zurückkehren. Heißt: Künftig dürften sich die Profis genau überlegen, ob und wie schnell sie wieder aufstehen oder eben tatsächlich Unterstützung durch das medizinische Personal nötig ist. Die Regel, die der langjährige Bundesliga-Referee Patrick Ittrich „weltklasse“ findet, soll Zeitspiel in Form von simulierten Verletzungen vorbeugen. Behandlungen nach einem Zusammenprall, nach Kopfverletzungen oder nach Fouls, die eine Karte zur Folge haben, sind davon ausgeschlossen. Der Video-Assistent darf bei der WM die jeweils zweite Gelbe Karte eines Spielers überprüfen, die zu einem Platzverweis führt. Diese Überprüfung ist verpflichtend, kommt also auch in der 1. und 2. Bundesliga. Optionale RegeländerungenBei der WM können Spieler, die in einer Konfrontation mit dem Gegner beim Sprechen ihre Hand vor den Mund halten, die Rote Karte sehen. Damit soll ein mögliches diskriminierendes Verhalten verhindert werden. Laut FIFA-Schiri-Chef Pierluigi Collina geht es dabei gezielt um Situationen, in denen Spieler aneinandergeraten. Der Video-Assistent darf bei der WM auch Eckstöße überprüfen. Diese Möglichkeit wurde in der Bundesliga bisher nicht angewandt. Die FIFA hatte nach dem Eklat beim Finale des Afrika Cups in einem Punkt die Regeln verschärft. Wenn Spieler aus Protest gegen Schiedsrichterentscheidungen den Rasen verlassen, können sie jetzt mit der Roten Karte bestraft werden. Im Finale der Kontinentalmeisterschaft zwischen Marokko und Senegal (0:1) im Januar war die senegalesische Mannschaft nach einem umstrittenen Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit aus Protest fast geschlossen in der Kabine verschwunden. Stürmerstar Sadio Mané holte seine Kollegen auf das Feld zurück. Dem Gästeteam wurde später der Titel aberkannt. Keine RegeländerungAnders als beim WM-Turnier soll es in der 1. und 2. Bundesliga und in europäischen Wettbewerben auch künftig keine festen Trinkpausen geben. DFL und UEFA wollen das auch je nach Wetterlage situativ entscheiden. Bei der Weltmeisterschaft unterbrechen die Unparteiischen die Partie in jeder Halbzeit nach etwa 22 Minuten für 3 Minuten. © dpa-infocom, dpa:260625-930-279016/1