PfadnavigationHomePolitikAuslandKriegAus Sorge vor Angriffen aus Belarus – Ukraine lässt Gebiet an der Grenze räumenStand: 21:42 UhrLesedauer: 3 MinutenAndrij Melnyk, ständiger Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen, fordert von Europa mehr Geschlossenheit und verstärkte Waffenhilfe, um Russland unter Druck zu setzen. „Wir müssen mit einer starken Stimme reden.“An der Grenze zu Belarus lässt die Ukraine mehrere Ortschaften räumen. Kiew warnt vor wachsendem russischem Druck und möglichen Operationen von belarussischem Boden. Gleichzeitig melden beide Seiten neue Angriffe – mit Toten in mehreren Regionen.Das ukrainische Militär hat die Evakuierung von Ortschaften an der Grenze zu Belarus angeordnet. Die Räumungen in der Region Tschernihiw im Norden des Landes sollten in einer Woche beginnen, teilte der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Wjatscheslaw Tschaus, am Mittwoch über Telegram mit.Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte im Mai erklärt, die ukrainischen Geheimdienste hätten erfahren, dass Russland seine Bemühungen verstärke, „Belarus viel tiefer in den Krieg hineinzuziehen“ und Operationen von belarussischem Territorium aus zu starten. Er habe das Militär und die Sicherheitsbehörden angewiesen, eine Reaktion vorzubereiten und die Verteidigung in der Nordukraine zu verstärken. Belarus und Russland wiesen das zurück.Lesen Sie auchZuletzt verlangte Selenskyj von Belarus, Signalstationen zu entfernen, die nach Angaben Kiews dafür genutzt werden, Funksignale an russische Drohnen weiterzuleiten, die die Ukraine angreifen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf Kiew am Dienstag seinerseits vor, Belarus in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hineinziehen zu wollen. Russland sei bereit, Belarus vor Angriffen zu schützen, sagte Lawrow. Tatsächlich hatte Russland belarussisches Territorium genutzt, als es die Ukraine am 24. Februar 2022 überfiel.Am Mittwoch überzogen sich Russland und die Ukraine erneut mit Angriffen. Bei russischen Angriffen in der Ukraine wurden Behördenangaben zufolge mehrere Menschen getötet. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, Russland habe in der Nacht 101 Langstreckendrohnen gegen das Land eingesetzt. Lesen Sie auchIn der nordostukrainischen Stadt Balaklija wurde nach Angaben des Chefs der Militärverwaltung in der Region Charkiw, Oleh Synjehubow, eine 56 Jahre alte Frau durch russische Drohnen getötet. Am Stadtrand von Sumy tötete eine russische Gleitbombe einen 57 Jahre alten Straßenbahnfahrer, wie der Chef der regionalen Militärverwaltung, Oleh Hryhorow, mitteilte.Lesen Sie auchZudem stieg die Zahl der Toten nach einem russischen Angriff mit einer ballistischen Rakete und Streumunition auf die Heimatstadt von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Krywyj Rih, auf vier. Eine 62-jährige Frau sei ihren am Dienstag erlittenen Verletzungen erlegen, teilte der Leiter der Stadtverwaltung, Olexander Wilkul, mit. Lesen Sie auchDas ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben dagegen eine große russische Erdgas-Verarbeitungsanlage tief im Hinterland Russlands angegriffen. Das teilte der ukrainische Generalstab am Mittwoch mit. Getroffen worden sei die Gasanlage Orenburg im südlichen Ural nahe der Grenze zu Kasachstan, hieß es in einer Mitteilung auf Telegram. Die Anlage liegt mehr als 1200 Kilometer von der Front im Osten und Süden der Ukraine entfernt. Nach ukrainischen Angaben brach auf dem Gelände ein Feuer aus. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht. Russische Behörden äußerten sich vorerst nicht.Oppositionspolitiker in Russland festgenommenIn Russland hat unterdessen knapp drei Monate vor der Parlamentswahl ein Gericht in Moskau den Oppositionspolitiker Maxim Kruglow wegen des Vorwurfs der Verbreitung von Unwahrheiten über die Armee zu sieben Jahren Strafkolonie verurteilt. Das meldeten mehrere russische Medien übereinstimmend. Vorgeworfen wurden dem stellvertretenden Vorsitzenden der Oppositionspartei Jabloko demnach zwei Posts in sozialen Medien aus dem Jahr 2022. In einem Post hatte Kruglow demnach geschrieben, dass er sich auf Angaben der Vereinten Nationen beziehe und eine Zahl getöteter Zivilisten in der Ukraine genannt, im anderen Post ging es um Butscha. Russische Truppen hatten die ukrainische Kleinstadt in den ersten Kriegstagen besetzt, sie wurde nach ihrer Befreiung zu einem Symbol für russische Kriegsverbrechen. Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg.Kruglow saß als Abgeordneter von 2019 bis 2024 im Moskauer Stadtparlament und war seit Ende 2023 ein Co-Vorsitzender der Partei. Anfang Oktober 2025 wurde er demnach festgenommen.dpa/nw