Den Menschen in Myanmar droht das VergessenDie Uno weist darauf hin, dass die humanitäre Hilfe in dem Land zusammenbricht. Aber Unterstützung zu leisten, ist für Hilfsorganisationen kompliziert. Das Risiko ist gross, dass die Gelder am Ende in die Taschen der Generäle wandern oder zu den bewaffneten Rebellen.24.06.2026, 15.50 Uhr3 LeseminutenAuch die wirtschaftliche Lage vieler Menschen in Myanmar ist prekär. Bild: Strassenverkäuferin mit Kind in Rangun.Lauren DeCicca / GettyDie humanitäre Situation im Bürgerkriegsland Myanmar verschlechtert sich weiter. Dies offenbart der neuste Bericht des Menschenrechtsbüros der Uno. Der Bericht listet Menschenrechtsverletzungen zwischen August 2025 und Januar 2026 auf. Allein in diesem Zeitraum kamen 702 Zivilisten ums Leben, viele durch Luftangriffe des myanmarischen Militärs. Die Angriffe intensivierten sich ausgerechnet dann, als die Militärregierung zu Wahlen aufrief, um sich zu legitimieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Zahl der Toten dürfte tatsächlich noch höher liegen, wie die «New York Times» berichtete: Zwei Journalisten besuchten kürzlich das schwer zugängliche und umkämpfte Landesinnere Myanmars, mehrere Tote durch Luftangriffe dort fanden nie Aufnahme in eine offizielle Statistik. Die Zeitung schrieb von einer «Apokalypse».Am meisten macht den Menschen in Myanmar die Versorgungslage zu schaffen. Die Zivilbevölkerung in den Kampfgebieten und ausserhalb der grossen Städte hat oft Probleme, an Essen, medizinische Versorgung oder auch Alltagsgegenstände zu kommen. Das Militär wird von den Nachbarn Indien, China und Thailand versorgt – sie alle haben kein Interesse daran, dass der Konflikt sich über ihre Grenzen ausbreitet.Versorgung bricht zusammenIn den vergangenen fünf Jahren Bürgerkrieg haben Dörfer Nachschubwege eingerichtet, oft mit finanzieller Hilfe von ausländischen NGO und internationalen Organisationen. Aufgrund des Rückgangs von humanitären Ausgaben vor allem im Westen kollabierten diese Nachschubwege laut der Uno. Schulen und Spitäler müssten schliessen. Laut dem Welternährungsprogramm könnten im Jahr 2026 12,4 Millionen Menschen in Myanmar an Hunger leiden.«Als hätten die Menschen in Myanmar nicht genug durch das Militär gelitten – jetzt scheinen auch alle ausserhalb des Landes sie vergessen zu haben», lässt sich der Uno-Menschenrechtskommissar Volker Türk zitieren. Er ruft die internationale Gemeinschaft auf, die Zivilbevölkerung in Myanmar zu unterstützen.Tatsächlich ist die Hilfe für Myanmar vor allem für westliche Hilfsorganisationen kompliziert. Das offenbarte das verheerende Erdbeben im März 2025. Damals versuchten erfahrene Katastrophenhelfer aus aller Welt nach Myanmar zu kommen, mehrere Länder wollten Delegationen schicken. Viele wurden von der Militärregierung abgewiesen.Wer trotzdem helfen will, riskiert, dass die Hilfsgelder am Ende bei bewaffneten Gruppen landen. Sie sind oft eng mit der lokalen Bevölkerung verbunden, und es gibt so viele von ihnen, dass ein Überblick schwierig ist. Ebenso besteht die Gefahr, dass gutgemeinte Hilfsprojekte das Militärregime legitimieren.Klimaprojekt im KriegsgebietDie Umweltorganisation Global Forest Coalition kritisierte jüngst in einem ausführlichen Bericht eine Klimainitiative einer südkoreanischen Umweltorganisation in Myanmar. Die Organisation liess Kochherde verteilen, deren CO2-Ausstoss geringer ist als beim Kochen auf Holz. Die so reduzierte Verschmutzung wurde unter dem Pariser Klimaabkommen als sogenannte «carbon credits» an südkoreanische Unternehmen verkauft, die damit ihren eigenen Ausstoss kompensierten.Das Problem ist, dass die Haushalte, die beim Projekt mitmachen, mitten im umkämpften Gebiet liegen. Es gibt keine unabhängige Prüfung, ob sie angesichts des tobenden Bürgerkrieges tatsächlich ihre Kochherde ersetzt haben. Zudem ist das für die Umsetzung zuständige Umweltministerium fest in den Händen des Militärs, der zuständige Minister steht auf einer Sanktionsliste der EU.Westliche Botschaften und Entwicklungsorganisationen, die das Land noch nicht verlassen haben, sind äusserst vorsichtig, um nicht den Anschein zu erwecken, dass sie das Regime legitimieren. Oft findet zwischen ihnen und der Regierung kaum ein offizieller Austausch statt. Stattdessen konzentrieren sie sich auf einzelne Hilfsprojekte, von denen sie sicher sein können, dass das Geld am Ende nicht in den Taschen der Generäle landet.Passend zum Artikel