Mehr als hundert Jahre hat es gedauert, jetzt kommen zwei der drei großen deutschen Druckmaschinenhersteller doch noch zusammen. Ein Grund zum Jubeln allerdings ist es nicht. Denn Heidelberger Druckmaschinen, der nach wie vor größte Druckmaschinenhersteller der Welt, übernimmt nur noch einen kleinen Teil des einst stolzen Konkurrenten Manroland. Die Maschinenproduktion interessiert auch die Heidelberger nicht. Sie übernehmen nach eigenen Angaben nur Vertrieb, Service und das Ersatzteilgeschäft der in Schieflage geratenen Manroland Sheetfed und retten damit immerhin 600 Arbeitsplätze. Der Heidelberg-Vorstand prüft zudem die Weiterproduktion einer der beiden Manroland-Großmaschinen, der „Cartonmaster 900“. Darauf festlegen wollte sich Heideldruck-Vorstand Jürgen Otto am Mittwoch aber nicht. Die Maschinenproduktion von Manroland am Stammsitz in Offenbach ist bereits eingestellt.740 KündigungenDer Wirtschaftsprüfer Deloitte hat nach Angaben des Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz hundert Investoren angesprochen. „Unter den Letztbietenden waren auch unmittelbare Wettbewerber. Heidelberger hatte das beste Angebot.“ Einen Kaufpreis nannte er nicht. Den nicht übernommenen 740 Manroland-Mitarbeitern am Unternehmenssitz Offenbach wurde nach seinen Worten gekündigt. Bis auf 140 Beschäftigte seien alle inzwischen „freigestellt“. Heidelberger Druckmaschinen will die Produktion von Ersatzteilen in Offenbach weiterführen, allerdings nur mit rund 50 Beschäftigten.Der Heidelberger Konzern, der wie die Branche unter dem stark rückläufigen Maschinengeschäft leidet, geht damit als Gewinner aus der Konsolidierung hervor. Vorstandschef Otto erhofft sich aus dem Kauf vor allem den Zugang zu 3000 Manroland-Kunden und damit Umsatz aus Service, Verbrauchsmaterial, Ersatzteilen und perspektivisch auch neues Geschäft mit Maschinen. Am Ende der Integration rechnet er mit 100 Millionen Euro zusätzlichem Umsatz im Jahr. Service und Verbrauchsmaterialien sind anders als Maschinenverkauf zudem profitabel: Die neuen Einheiten sollen zehn bis 15 Millionen Euro zum Betriebsgewinn beisteuern.„Meilenstein für die Industrie“Zahlen sind allerdings nur das eine. Otto sprach nicht umsonst von einem historischen Meilenstein für die deutsche Druckmaschinenindustrie. Kaum eine andere Branche hatte den Weltmarkt so lange dominiert, in kaum einer anderen war das Selbstbewusstsein so ausgeprägt. Kein Wunder: Druckmaschinenbau war von Anfang an mehr als nur Geschäft. Johannes Gutenberg hatte 1452 in Mainz nicht einfach eine Maschine erfunden, er hat das Tor zur Neuzeit aufgestoßen. Anfang des neunzehnten Jahrhunderts war es abermals ein Deutscher, der das Drucken revolutionierte: Der Bauernsohn Friedrich Koenig, in Leipzig zum Buchdrucker ausgebildet, ging 1806 nach London, um seine Idee einer Schnellpresse in die Tat umzusetzen. Acht Jahre später wurde die Londoner „Times“ als erste Tageszeitung der Welt mit einer dampfgetriebenen Maschine gedruckt. Das Zeitalter der Handdruckerei war vorbei, beendet von einem deutschen Bauernspross. Ausgerechnet in ihrer Heimat hatte er die führenden englischen Ingenieure übertrumpft. Der Gründungsmythos der deutschen Druckmaschinenbranche war geschaffen.Koenig gründete 1817 mit einem Kompagnon nahe Würzburg die Schnellpressenfabrik Koenig & Bauer. Dieser Druckmaschinenwiege sind alle großen deutschen Hersteller entwachsen. Über Ausgründungen und Fusionen entstanden im Laufe der Zeit Heidelberger Druckmaschinen, Manroland und Koenig & Bauer, mittlerweile in sechster Generation in Familienhand.Die starke Marktstellung wurde für alle zum Problem. Seit Jahren wächst die Nachfrage nach Maschinen nicht mehr. Und das, obwohl das globale Druckvolumen ungeachtet der Digitalisierung immer noch zunimmt, vor allem wegen des Verpackungsdrucks. Die Maschinen allerdings drucken heute viel effizienter: Wenn eine Druckerei früher zwei Maschinen kaufte, reicht heute oft eine. Erstes Opfer dieses Niedergangs war Manroland. 2012 ging das Unternehmen in die Insolvenz, weil die damaligen Eigentümer Allianz und MAN nicht mehr bereit waren, frisches Kapital bereitzustellen.Das Geschäft mit Bogenoffsetmaschinen kaufte aus der Insolvenz heraus die britische Langley, eine familiengeführte Gesellschaft mit einer Reihe von Maschinenbauern unter ihrem Dach. Mit Manroland wurden die Briten allerdings nie glücklich: Allein im Vorjahr bescherte ihnen das Unternehmen 43 Millionen Euro Verlust.Manroland ist mit dem Verkauf Geschichte. Die Marke allerdings wollen die Heidelberger noch eine Weile behalten. Service, Ersatzteile und Verbrauchsmaterial würden auch künftig unter dem Namen Manroland vermarktet.
Aus Manroland wird Heidelberger
Manroland ist Geschichte. Heidelberger Druckmaschinen übernimmt den Service, die Maschinenproduktion endet. Eine Zäsur in der langen Historie dieser einst so stolzen Maschinenbauer.






