100 Stellen weg, 113 Millionen Franken gespart, mehr Fokus auf die humanitäre Hilfe: Der Bundesrat stellt seine Entwicklungshilfe neu aufDer Bund will sich mehr in Krisengebieten engagieren – auch auf Kosten von langfristigen internationalen Projekten. Er zieht sich beispielsweise aus Lateinamerika zurück.24.06.2026, 14.22 Uhr2 LeseminutenDas Budget für die internationale Zusammenarbeit beträgt insgesamt 2,4 Milliarden Franken. Dadurch finanziert der Bund beispielsweise Landwirtschaftsprojekte im Ausland.Amr Abdallah / ReutersDer Bundesrat hat am Mittwoch entschieden, der humanitären Hilfe einen grösseren Stellenwert beizumessen. Sie soll künftig rund 40 Prozent des etwa 2,4 Milliarden Franken grossen Budgets der internationalen Zusammenarbeit (IZA) ausmachen. Bis jetzt beträgt der Anteil rund 26 Prozent.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die humanitäre Hilfe umfasst beispielsweise das Schweizer Engagement in Krisengebieten wie dem Gazastreifen oder dem Sudan, wo die Menschen an Leib und Leben bedroht sind. Dass die humanitäre Hilfe ausgebaut wird, geht auf Kosten der bilateralen und multilateralen Zusammenarbeit. Diese soll dafür sorgen, dass es gar nicht erst zu Notlagen wie in Sudan kommt – beispielsweise mit Bildungs- oder Landwirtschaftsprojekten. Im Zuge dessen ziehe sich die «Entwicklungszusammenarbeit aus Lateinamerika» zurück, schreibt der Bundesrat in seinem Communiqué.Er spricht darin von einer «Umpriorisierung». Durch diese spare er von 2027 bis 2030 rund 113 Millionen Franken. Er tut dies auch durch die Streichung von rund 100 Stellen. Zwei Drittel davon werden über die Partnerbüros in den jeweiligen Ländern abgebaut. Beim restlichen Drittel handelt es sich zwar um Mitarbeitende des Bundes. Diese sollen aber keine Kündigungen erhalten, wie es in der Medienmitteilung heisst. Vielmehr sollen die Stellen «über natürliche Fluktuationen und interne Verschiebungen» abgebaut werden.Kritik am BerichtDer Bundesrat begründet die Umpriorisierung mit den zunehmenden Kriegen, Krisen und Naturkatastrophen. «Um rasch und wirksam helfen zu können, stärkt der Bundesrat die humanitäre Hilfe.» Auch will der Bundesrat verhindern, weitere Nachtragskredite für die humanitäre Hilfe genehmigen zu müssen. Für den Sudan sprach der Bund im November 50 Millionen Franken.Im Rahmen des Entlastungspakets 27 ist die IZA überhaupt genauer angeschaut und auf allfällige Doppelspurigkeiten überprüft worden. Der entsprechende Bericht stiess schon vor der Ankündigung des Bundesrates an diesem Mittwoch auf Kritik. Der «Tages-Anzeiger» hatte die Pläne schon am vergangenen Freitag publik gemacht. Am Montag veröffentlichte die entwicklungspolitische Organisation «Alliance Sud» eine Medienmitteilung und kritisierte die «fachlich nicht begründeten» Massnahmen und damit den besagten Bericht von DS Advisory. Dahinter steht laut dem «Tages-Anzeiger» mit dem ehemalige CEO der Helsana-Versicherung ein Gesundheitsexperte.Die Entwicklungshilfe hat eine lange Tradition, und sie ist bis heute tief in der Schweiz verankert. Das zeigt eine Umfrage der ETH Zürich, die im Frühling Schlagzeilen gemacht hat. Demzufolge sind 77 Prozent der 4305 Befragten dafür, dass die öffentlichen Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit auf diesem Level bleiben oder sogar noch erhöht werden sollten.Passend zum Artikel