Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni etwas aufgehellt, auch als Folge der von den Vereinigten Staaten mit Iran geschlossenen Rahmenvereinbarung zur Beendigung des Irankriegs. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 85 auf 85,6 Punkte.„Die deutsche Wirtschaft hofft auf eine Entspannung der weltpolitischen Situation“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die von dem Institut befragten rund 9000 Unternehmen bewerteten die Erwartungen, mehr aber noch die derzeitige Geschäftslage besser als zuvor.Volkswirte waren darüber überrascht und sprachen von einem Zeichen der Hoffnung. Auffällig sei, dass die leichte Verbesserung vor allem auf eine bessere Einschätzung der aktuellen Lage zurückzuführen sei, erklärte Robin Winkler, der Deutschland–Chefvolkswirt der Deutschen Bank. „Die Auswirkung des Krieges auf die laufenden Geschäfte haben sich also bis zuletzt eher in Grenzen gehalten“, kommentierte Ralph Solveen von der Commerzbank. Carsten Brzeski, der Chefvolkswirt von ING, verwies indes warnend darauf, dass der Ifo-Index insgesamt immer noch niedriger als vor Beginn des Krieges Ende Februar liege.Mit der leichten Stimmaufhellung im Juni schließen die Unternehmen das zweite Vierteljahr mit einer positiven Note ab. Unter den Bankvolkswirten herrscht für das zweite Quartal dennoch große Skepsis. Brzeski, Solveen und andere warnen, dass die Wirtschaftsleistung geschrumpft sein könnte. Im ersten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen.Im verarbeitenden Gewerbe zeigt die Ifo-Umfrage, dass zur Jahreswende etwas in Gang gekommen ist. Die Einschätzung der Lage durch die Industrieunternehmen hat sich seither im Trend verbessert – trotz des Irankriegs. Ökonomen wie Solveen sehen das als Hoffnungswert für eine konjunkturelle Verbesserung im zweiten Halbjahr.Solveen wies freilich auch darauf hin, dass immer noch mehr Industrieunternehmen die Lage schlecht als gut einschätzen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall beklagte, dass das Geschäftsklima in der Metall- und Elektroindustrie schon seit 37 Monaten ununterbrochen im Rezessionsbereich liege.Die sich andeutende Besserung in der Industrie ist nicht breit verankert. Zuletzt habe das Geschäftsklima sich nur unter Unternehmen der Mineralölwirtschaft, der Datenverarbeitung und des sonstigen Fahrzeugbaus aufgehellt, sagte Klaus Wohlrabe, der Ifo-Umfragechef. Im sonstigen Fahrzeugbau sind unter anderem Bestellungen von militärischem Gerät erfasst. Die Basis für eine breite Erholung der Industrie ist damit noch nicht gegeben.Wohlrabe betonte ferner, dass die Unternehmen generell Lage und Aussichten immer noch in der Mehrzahl negativ einschätzten, mit der einzigen Ausnahme der Dienstleister. Diese sehen zumindest die aktuelle Geschäftslage, nicht aber die Aussichten, eher positiv als negativ. In allen anderen Branchen bedeutet leichte Stimmungsaufhellung somit, dass die Unternehmen Lage und Erwartungen weniger negativ, nicht aber schon positiv sehen. Transport- und Logistikunternehmen erholten sich von dem Energiepreisschock, auch der Inlandstourismus laufe gut, sagte Wohlrabe. Gut laufe auch alles, was mit Bürokratie zu tun habe, wie etwa die Rechtsberatung oder die Steuerprüfungen.Die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden in Nahost trugen im Juni zu einem kleinen Teil zur Stimmungsaufhellung bei. Nach Angaben des Ifo-Instituts ging weit mehr als die Hälfte der Antworten in der Umfrage vor dem 18. Juni ein, dem Tag der Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung zwischen den beiden Kriegsparteien. Damit könnte die Stimmung sich in den kommenden Wochen weiter aufhellen, sollten Washington und Teheran sich weitgehend an die Vereinbarung halten.