Inmitten der Wirren um die Energielieferungen aus Nahost schöpft die deutsche Wirtschaft ein wenig Hoffnung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Mai leicht von 84,5 auf 84,9 Punkte gestiegen. „Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich vorerst, die Lage bleibt aber fragil“, kommentierte Clemens Fuest, der Präsident des Ifo-Forschungsinstituts in München.Die Unternehmen blickten etwas weniger pessimistisch auf die kommenden Monate. Und sie waren etwas zufriedener mit den laufenden Geschäften.Das Geschäftsklima war nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran drastisch gesunken. Vor allen die Geschäftserwartungen, die zuvor von der Aussicht auf eine durch die staatliche Schuldaufnahme angeschobene Erholung getrieben worden waren, brachen ein. Die Entwicklung nun zeigt eine gewisse Stabilisierung auf niedrigem Niveau.Mit Ausnahme des Bauhauptgewerbes hellte das Geschäftsklima sich in den wichtigsten Wirtschaftsbereichen leicht auf. Im verarbeitenden Gewerbe bewerteten die Unternehmen vor allem die Geschäftslage besser als zuvor. Das deutet darauf hin, dass die zögerliche wirtschaftliche Erholung der vergangenen Monate andauert.Export und Staatskonsum treiben die KonjunkturIm ersten Quartal dieses Jahres haben der Export und der staatliche Konsum das Wachstum in Deutschland getrieben. Das Statistische Bundesamt bestätigte am Freitag eine frühere Schätzung, wonach das reale Bruttoinlandsprodukt im Zeitraum von Januar bis März um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist. Das ist der beste Wert seit einem Jahr. „Nach dem leichten Wachstum zum Jahresende 2025 ist die deutsche Wirtschaft auch positiv ins Jahr 2026 gestartet“, erklärte Ruth Brand, die Präsidentin des Statistischen Bundesamts.Mit dem Auftrieb der Inflation durch die gestiegenen Energiepreise und die Unsicherheit über die andauernde Sperrung der Straße von Hormus droht im laufenden zweiten Quartal freilich ein Dämpfer. Die Ökonomen der Deutschen Bundesbank erwarten, dass die Wirtschaft im laufenden Quartal nur stagnieren wird. Für das Gesamtjahr laufen die derzeitigen Prognosen auf eine Wachstumsrate von rund 0,5 Prozent hinaus.Dabei unterstellen die meisten Konjunkturforscher, dass etwa bis zur Jahresmitte die Öl- und Gaslieferungen aus den Golfstaaten wieder fließen können und die Straße von Hormus wieder offen sei. Geschieht das nicht, dürften die jetzigen Prognosen sich als zu positiv erweisen.Am Jahresbeginn nahm der Handel mit dem Ausland stark zu. Deutsche Unternehmen exportierten 3,3 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen, nachdem der Export seit dem Frühjahr 2025 geschrumpft war. Mit einem zugleich nahezu stagnierenden Import trug der Außenhandel rechnerisch 1,3 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei.Private Investitionen so niedrig wie seit zwölf Jahren nicht mehrDem stand eine ausgesprochen schwache Binnennachfrage gegenüber – mit Ausnahme des Staats, der 1,1 Prozent mehr konsumierte als im Vorquartal. Als besonders negativ schlug zu Buche, dass sowohl die staatlichen als auch die privaten Bruttoanlageinvestitionen sanken. Im Baugewerbe zeigten sich so die Folgen einer unüblich langen Kältephase.Das Minus der staatlichen Ausrüstungsinvestitionen ist dagegen eine Gegenbewegung zum starken Plus am Jahresende. Private Ausrüstungsinvestitionen legten im ersten Quartal um drei Prozent gegenüber dem Vorquartal zu, so stark wie seit dem Frühjahr 2022 nicht mehr. Sie waren zuvor in etwa dem Ausmaß geschrumpft.Insgesamt zeigen die Investitionsdaten eine fundamentale Schwäche der deutschen Wirtschaft. Die privaten Ausrüstungsinvestitionen liegen in etwa auf dem Niveau des Jahres 2014, die privaten Bauinvestitionen in etwa auf dem Niveau des Jahres 2010.Die privaten Konsumausgaben stagnierten am Jahresbeginn, anders als noch vor wenigen Wochen von den Statistikern angenommen. Der Energiepreisschock und die Unsicherheit haben die Verbraucher verschreckt. Die Zusatzbelastungen an den Tanksäulen und andere Preissteigerungen lassen hier vorerst keine Belebung erwarten.Das Konsumklima hat sich im Mai zwar moderat verbessert. Der entsprechende NIM/GfK-Index sei von minus 33,1 auf minus 29,8 Punkte gestiegen und liege damit vergleichsweise niedrig, erklärte das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen am Freitag. Die Neigung der Verbraucher bleibe weiter verhalten, hieß es, und werde durch die Belastung durch den Konflikt im Nahen Osten getrübt.