Die Vorschläge der Rentenkommission gehen in die richtige Richtung. Länger zu arbeiten, darauf haben sich die meisten Menschen eingestellt. Dass die gesetzliche Rente allein nicht reicht, das Gefühl hat die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung schon länger. Insofern ist es sinnvoll, möglichst schnell zu verhindern, dass viele der Boomer abschlagsfrei zu früh in Rente gehen und ihre Produktivität dem Arbeitsmarkt fehlt und sie stattdessen die Rentenkasse belasten.Dass die großen Kohorten der Geburtenjahrgänge 1960 bis 1966 irgendwann in Rente gehen werden, war lange abzusehen. Dass Länder wie Schweden darauf eine Generation vorher reagiert haben, war vernünftig. Dass Deutschland nun auch eine Kapitalrente einführen könnte, kommt spät, verliert dadurch seinen Sinn jedoch nicht, mit den hohen Renditen der Kapitalmärkte dank weltwirtschaftlicher Erfolge das deutsche Rentensystem ein Stück weit zu entlasten.Der einzige Haken ist die Doppelbelastung, die den aktuell Beschäftigten dadurch entsteht, die derzeitigen Rentner wie bisher finanzieren zu müssen und parallel staatlich verordnet eine Kapitalrente ansparen zu müssen, gemeinsam mit ihren Arbeitgebern. Zwei Prozent der Lohnsumme sind viel Geld und belasten die Nettolöhne der Beschäftigten und die Investitionskraft der Unternehmen. Hier fehlt ein Entlastungsbeitrag der aktuellen Rentner, deren Rentenerhöhung mit 4,2 Prozent zum 1. Juli wieder deutlich höher ausfällt als die Inflation. Hier auf ein Prozent Erhöhung zu verzichten zur Entlastung der Beitragszahler, wäre ein gutes Signal zur Generationengerechtigkeit gewesen. Aber auch so ist angesichts der Rentengeschenke der vergangenen Jahre erstmals seit Einführung der Rente mit 67 vor fast 20 Jahren wieder ein Schritt in die richtige Rentenrichtung in Aussicht.