ErklärtWeshalb vielen Menschen die Gallenblase entfernt wird, warum sich auch danach Gallensteine bilden können und welche Ernährung hilftEin Fachmann erklärt, weshalb der Lebensstil entscheidend ist, um Problemen vorzubeugen und Beschwerden zu lindern.Kathrin Burger24.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenIllustration Simon Tanner / NZZLeserfrage: Meine Gallenblase musste entfernt werden. Nun habe ich regelmässig nach dem Genuss von Speisen Schmerzen im Oberbauch. Fett meide ich und habe es mein Leben lang schon nicht gut vertragen. Worauf muss ich ernährungstechnisch künftig achten?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Gallenblase gehört nicht gerade zu den Organen, über die häufig gesprochen wird. Kein Wunder, denn wir können auf sie verzichten. Das Herz muss pumpen, das Hirn muss funktionieren, die Leber muss arbeiten – sonst sterben wir. Aber ohne Gallenblase können wir wunderbar weiterleben.Wohl & Sein antwortetIn der Rubrik «Wohl & Sein antwortet» greifen wir Fragen aus der Leserschaft rund um Gesundheit und Ernährung auf. Schreiben Sie uns an [email protected].Aber wozu haben wir sie überhaupt? Die birnenförmige Blase sammelt und verdickt die Gallenflüssigkeit aus der Leber. Wenn wir etwas essen, erhält die Gallenblase das Signal, sich zusammenzuziehen. Dadurch gibt sie über die Gallengänge in einem Schwall Galle in den Dünndarm ab. In der Galle schwimmt unter anderem überschüssiges Cholesterin, das die Leber loswerden will. Vor allem besteht der Verdauungssaft jedoch aus Gallensäuren. Diese zersetzen, im Dünndarm angelangt, Fett aus der Nahrung in kleinste Bestandteile.Weil die Gallenblase lediglich ein Speicher ist, kommen wir aber auch ohne sie zurecht. Und das ist gut so. Denn in manchen Fällen muss die Gallenblase operativ entfernt werden.Meist liegt das daran, dass sich irgendwann im Leben Steine in der Gallenblase bilden, die zu Entzündungen führen können und dann Gallenkoliken verursachen. Viele Betroffene beschreiben diese als die stärksten Schmerzen, die sie jemals erlebt haben. Schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Menschen in Industrienationen haben solche Steine in der Gallenblase oder in den Gallengängen – Tendenz steigend. Der Grossteil lebt damit symptomfrei, nur manche entwickeln Schmerzen.Der Lebensstil ist entscheidendÜber die Ursachen der Steine sagt Andreas Geier vom Leberzentrum am Universitätsklinikum Würzburg: «Gallensteine haben zwar eine erbliche Komponente, hauptverantwortlich ist jedoch zumeist ein ungesunder Lebensstil.» Und er erklärt: «Körperliche Inaktivität, kalorienreiche und ballaststoffarme Ernährung, Übergewicht und Adipositas zählen zu den Risikofaktoren.» Die Leitlinie zur Prävention von Gallensteinen empfiehlt deshalb regelmässige Bewegung und gesündere Ernährung, die nicht zu viele Kalorien liefert.Die mediterrane Ernährung mit eher wenig Fleisch, dafür viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten und Olivenöl kann Gallensteinen gemäss wissenschaftlichen Untersuchungen vorbeugen. Dies gilt vor allem für Frauen, da sie von Haus aus ein höheres Risiko für Gallensteine haben.Sind Gallensteine der Grund für die Operation, sollte man auch nach dem Eingriff auf die Ernährung achten. Denn mit Justierungen am Speiseplan kann man Gallensteinen vorbeugen. Die können nämlich auch dann noch entstehen, wenn die Gallenblase weg ist – und zwar in den verbliebenen Gallengängen, die die Gallenflüssigkeit von der Leber in den Dünndarm führen. Und dann kommt es wieder zu Schmerzen.Wichtig ist neben der Umstellung der Ernährung, Übergewicht abzubauen. Denn es erhöht das Risiko für Gallensteine auf verschiedenen Wegen, darunter: Überschüssige Kilos führen dazu, dass die Gallenblase sich nicht mehr so gut zusammenziehen kann und dann nur ein Teil der Flüssigkeit in den Darm zur Fettverdauung gepumpt wird. Ein Rest bleibt in der Gallenblase – sofern sie noch da ist – und in den Gallengängen. Dies kann dazu führen, dass sich zum Beispiel Cholesterin auskristallisiert – also Steine bildet. Da Übergewicht auch den Cholesterinspiegel im Blut erhöht, steigt das Risiko für eine Steinbildung wiederum an.Wie man sich nach einer Operation verhalten sollteDirekt nach einer OP heisst es erst einmal ein paar Tage lang: Schonkost einhalten, also ganz auf fettreiche Speisen verzichten und kleinere, dafür häufigere Mahlzeiten zu sich nehmen. Lebensmittel, die zu Blähungen, Durchfall oder Schmerzen führen, sollte man weglassen – dies kann zum Beispiel nach dem Genuss von Rosenkohl der Fall sein. Besser verdaulich sind Karotten, Zucchini oder Fenchel.«Beschwerden nach dem Essen sind nach Operationen an der Gallenblase häufig», so Geier. Dies liegt daran, dass sich Menschen unterschiedlich gut an das Fehlen einer Gallenblase anpassen. Denn die Galle fliesst nun kontinuierlich in kleinen Mengen von der Leber direkt in den Darm. Dies kann dazu führen, dass der Darm gereizt ist oder Fette unzerlegt in den Dickdarm gelangen, was Durchfall begünstigt. Zudem regeneriert man sich im Alter nach einem solchen Eingriff nicht mehr so leicht wie in jungen Jahren.«Bleiben Schmerzen länger bestehen, müssen diese natürlich abgeklärt werden», sagt Geier. Denn womöglich liegen sie an einer ernsthaften Erkrankung.Steckt nichts Schlimmes dahinter, kann man es weiterhin mit kleineren Portionen versuchen und sollte schwer Bekömmliches meiden. Nur wenige Betroffene kämpfen ein Leben lang mit Beschwerden nach dem Essen. Die meisten Menschen vertragen nach einer Entfernung der Gallenblase langfristig alle Lebensmittel. Trotzdem betont Geier ein weiteres Mal: «Auch nach einer OP sollte man eine gesunde, ballaststoffreiche und fettarme Kost einhalten.»Sie haben auch eine Frage rund um Ernährung und Gesundheit? Schreiben Sie uns an [email protected].Passend zum Artikel
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