KommentarFrische Idee für die Steuern: Überschüsse gehören den BürgernDer Kampf gegen die Steuer- und Abgabenlast ist ein urliberales Anliegen. Es ist erfreulich, dass die FDP das erkannt hat.23.06.2026, 18.12 Uhr3 LeseminutenDie Innerschweiz ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sie gibt auch dem Steuerwettbewerb neue Impulse.Michael Buholzer / KeystoneWenn es eine Mär gibt über die Schweiz, dann jene, dass der Staat günstig sei und die Abgabenlast tief. In Tat und Wahrheit arbeiten die Bürgerinnen und Bürger heute fast fünf Monate für Staat, Sozialwerke und Obligatorisches wie Krankenkassenprämien, Pensionskassenbeiträge oder SRF-Gebühren. Ganze 141 Tage lang, bis zum 21. Mai – das hat die liberale Denkfabrik Avenir Suisse berechnet.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Erst ab diesem Tag gehört einem das Einkommen selber, wobei sich der «Tag der finanziellen Freiheit» schleichend nach hinten verschiebt. Sicher, das Geld, das man abgeben muss, wird nicht nur für Unnötiges verwendet, sondern dient auch guten Zwecken, unter anderem der eigenen Altersvorsorge. Das ändert aber nichts daran, dass zusehends der Staat vorgibt, was mit dem Geld der Bürger geschieht. Der individuelle Spielraum wird enger.Vor diesem Hintergrund wirkt jeder Vorschlag, der für einmal in eine andere Richtung geht, wie Frischluft. So etwa die neu belebte Idee des Steuerrabatts: Der Staat soll Überschüsse, die er erzielt, nicht horten und für irgendwelche Projekte verwenden, sondern den Steuerzahlern rasch zurückgeben. Mehrere Kantone stellen derzeit Überlegungen an, ob sie ein solches Instrument einführen und zu viel erhobene Steuern an die Bürger rückerstatten wollen. Der erste Kanton könnte Zug sein, dort stimmt das Parlament demnächst über eine entsprechende Vorlage ab.Zug ist innerhalb der Schweiz eine Ausnahme, der Finanzdirektor Heinz Tännler bringt bekanntlich das Geld nicht mehr zum Tempel raus. Lange nicht allen Kantonen geht es so prächtig wie Zug. Doch laut Avenir Suisse gibt es eine Vielzahl von Kantonen, die eine tiefe Verschuldung aufweisen und in der Lage wären, Überschüsse zurückzugeben. Das wäre eine Handhabe gegenüber allzu pessimistisch budgetierenden Finanzdirektoren. Die direkten Steuern würden prozentual rückerstattet (und nicht als Pro-Kopf-Gutschein, wie es die Umverteiler fordern), der Betrag könnte bei der definitiven Steuerrechnung das Jahr darauf angerechnet werden. Das wäre ohne grossen Aufwand zu bewerkstelligen.Die Steuerrückerstattung ist zweifellos eine gute Sache. Noch besser ist es freilich, wenn der Staat die Steuern generell und dauerhaft senkt und den Leuten nur das wegnimmt, was es effektiv braucht, um die staatlichen Leistungen zu finanzieren. Zumal wenn mehrere Jahre lang Überschüsse erwirtschaftet werden und es sich nicht bloss um einen einmaligen Ausreisser handelt.Allerdings haben es Steuersenkungen tendenziell schwer. Regierung und Parlament wollen meist nicht definitiv auf das Geld verzichten aus Sorge, in schlechteren Jahren plötzlich die Ausgaben reduzieren zu müssen. Und welcher Politiker will schon sparen? Der Vorteil der Rückvergütung liegt darin, dass sie jährlich neu beurteilt werden kann. Richtig ist sie ohnehin, und Steuersenkungen schliesst sie nicht aus. Möglicherweise schärft die regelmässige Diskussion über die Überschussverteilung zudem das Bewusstsein der Leute, dass es sich um ihr eigenes Geld handelt und nicht um jenes des Staates.Der Kampf gegen die Steuer- und Abgabenlast und der Einsatz für die individuelle Freiheit sind ein Politikfeld, auf dem sich besonders die FDP profilieren kann und dies neuerdings vermehrt auch tut – so wird etwa der Steuerrabatt namentlich von Freisinnigen vorangetrieben. Für Liberale ist der Schutz des Privateigentums fundamental, und dazu gehören möglichst tiefe Steuern.Deshalb ist es auch nicht mehr als logisch, dass die Freisinnigen die dauerhafte Mehrwertsteuererhöhung für die Finanzierung der 13. AHV-Rente ablehnen, die das Parlament letzte Woche verabschiedet hat. Mit jeder Steuererhöhung werden die Bürger ein Stück weit enteignet. Die Belastung, darüber muss man sich keine Illusionen machen, wird nie mehr abnehmen. Für linke und rechte Etatisten mag das eine unausweichliche Entwicklung sein, für Liberale ist es ein Unding.Passend zum Artikel