Frankfurt, Berlin. Zwei Tage vor Weihnachten zogen Mitarbeiter des Landgerichts Frankfurts einen Umschlag aus der Post, dessen Inhalt gesetzlich Krankenversicherten die Festtagsstimmung wohl verdorben hätte. Drei Institute des öffentlichen Gesundheitswesens sollen knapp 80 Millionen Euro verloren haben, heißt es in der Klage, die der Umschlag enthielt. Ihr Anlagevermögen habe sich in einem Hochrisiko-Immobilienfonds offenbar „in Luft aufgelöst“.Geklagt haben die Kaufmännische Krankenkasse aus Hannover (1,5 Millionen Versicherte), die Pronova BKK (600.000 Versicherte) und die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH), in der mehr als 14.000 Ärzte und Psychotherapeuten organisiert sind.Auf 37 Seiten erhebt der Münchener Anwalt Olaf Gärtner von der Kanzlei Hogan Lovells schwere Vorwürfe. Er fordert Schadenersatz, weil seine Mandanten „vorsätzlich darüber getäuscht“ worden seien, dass ihre Investments nicht in besicherte Anlagen geflossen sind, „sondern über eine komplexe Verbriefungsstruktur in einen hochrisikoreichen Mezzanine-Kreditfonds“.Die Klage, die dem Handelsblatt vorliegt, könnte einen neuen Anlageskandal im Gesundheitswesen einleiten. Kassenärztliche Vereinigungen und gesetzliche Krankenkassen sind eigentlich gezwungen, risikoscheu zu investieren. Schließlich geht es bei ihnen immer um Geld der Beitragszahler.Wenn deren Millionen plötzlich im Feuer stehen, stellt sich unvermeidlich die Frage, wer die Verantwortung dafür trägt. Deshalb muss das Landgericht Frankfurt in den kommenden Monaten aufklären, ob die Kassen tatsächlich getäuscht wurden, wie sie behaupten. Oder ob sie sich verzockt haben.Wie konnte es so weit kommen? Wieso erschien den Klägern ein Hochrisikoinvestment als offenbar sichere Anlage? Und wer steckt hinter dem Verius-Fonds, in den offenbar noch viele weitere Krankenkassen investiert haben?
Immobilien: Verluste beim Verius-Fonds treffen Investoren aus dem Gesundheitswesen
Gesetzliche Krankenkassen beklagen Verluste bei indirekten Investments in den Immobilienfonds. Das Landgericht Frankfurt muss klären: Haben sie sich verzockt – oder wurden sie getäuscht?







