Wenn es um den „Missbrauch durch Bildmaterial“ geht, ist die Beschränkung auf die Weitergabe von Nacktfotos oder sexuell expliziten Bildern ohne eine Einwilligung viel zu eng. Gegen Millionen Frauen in aller Welt könnte fast jedes Foto als Waffe benutzt werden. Deshalb sollte ein stärkerer Fokus darauf gerichtet werden, ob die Einwilligung für eine bestimmte Art der Verbreitung vorliegt. Das fordert die gemeinnützige Organisation Chayn, die sich der geschlechtsbasierten Gewalt widmet und für einen neuen Bericht dutzende Frauen pakistanischer Herkunft interviewt hat. Die Befragten haben aus dem Land und der Diaspora berichtet, welche schwerwiegenden Konsequenzen die verschiedensten Bilder für sie gehabt haben – auch wenn darauf überhaupt niemand nackt war.
Auch „harmlose“ Bilder können gefährlich sein
Als „Missbrauch durch Bildmaterial“ („Image-Based Abuse“) bezeichnet Chayn „das Aufnehmen, das Weitergeben oder die Androhung der Weitergabe eines Bildes oder Videos einer Person ohne deren Einwilligung“. Dabei fehlt explizit der Verweis darauf, dass es sich um ein Nacktbild, das Bild einer halb nackten Person oder die sexuell eindeutige Darstellung einer Person handelt. Das begründen sie damit, dass für Frauen nicht nur aus Pakistan auch Fotos, die sie beim Sitzen neben einem Klassenkameraden zeigen oder ganz normale Selfies dramatische Konsequenzen haben können. So könnten sie wegen eines Bildes zur Heirat gezwungen werden, ihren Arbeitsplatz verlieren, Gewalt erfahren oder gar umgebracht werden. Betroffen sei oft die ganze Familie. Das gelte auch für Fotos, die im Rest der Welt überhaupt keine Aufmerksamkeit erregen würden.









