Was hochfliegt, kommt irgendwann wieder runter. Diese Weisheit gilt in der Luftfahrt, und oft gilt sie auch an der Börse. Space-X-Aktionäre konnten das in diesen Tagen in ihrem Depot beobachten. In der ersten Euphorie nach dem Börsengang vom 11. Juni war das Wertpapier von seinem Ausgabepreis von 135 Dollar in der vergangenen Woche deutlich auf mehr als 200 Dollar gestiegen. Dann sank der Kurs und landete bei knapp 155 Dollar. Allein am Montag hatte die Aktie 16 Prozent ihres Wertes eingebüßt, insgesamt hatten die Kursverluste den Unternehmenswert innerhalb von drei Tagen um 600 Milliarden Dollar gemindert. Was also war passiert?Als unmittelbare Ursache der Kursverluste machten viele Beobachter die Ende vergangener Woche angekündigte Emission neuer Space-X-Anleihen aus. 20 Milliarden Dollar möchte sich das Unternehmen mit neuen Schuldverschreibungen am Anleihemarkt leihen. Dass diese Nachricht unmittelbar nach dem Börsengang kommt, bei dem Space-X bereits 75 Milliarden frisches Kapital mit dem Verkauf von Aktien eingesammelt hatte, könnte Anleger verunsichert haben, so eine Interpretation des Geschehens.Auch ein Bericht der Financial Times vom Wochenende könnte das Vertrauen in Space-X etwas gemindert haben: Der Zeitung zufolge hat der Finanzdienstleister MSCI die Weltraumfirma mit dem schlechtest möglichen ESG-Rating bewertet. Dabei wird ein Unternehmen nach Nachhaltigkeitskriterien beurteilt, es geht also um Umwelt- und Klimaschutz, soziale Aspekte und Unternehmensführung. Space-X erhielt von MSCI dem Bericht nach die Note CCC. Besonders Fragen rund um die Unternehmensführung sorgten demnach für die schlechte Bewertung, Gründer Elon Musk hatte sich vor dem Börsengang quasi die Alleinherrschaft über die Firma gesichert. Eine schlechte ESG-Bewertung kann dazu führen, dass Space-X von Fonds ausgeschlossen wird, die nach solchen Kriterien anlegen. Ob das so kommt, und für welche Fonds es zutreffen könnte, ist im Moment unklar. Die Nachhaltigkeitskriterien verschiedener Anbieter weichen zum Teil stark voneinander ab.Anleger sollten wissen, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass der Aktienkurs eines Unternehmens in der Zeit unmittelbar nach einem Börsengang schwankt. Schließlich kann der Markt erst den richtigen Preis für ein Unternehmen finden, wenn dessen Wertpapiere auch im freien Handel verfügbar sind. In der Zeit nach dem ersten Handelstag ist einiges in Bewegung: Neue Aktionäre versuchen, die Aktie zu kaufen und treiben den Preis. Wer früh eingestiegen ist, verkauft manchmal und nimmt Gewinne mit. Bei Space-X kommen einige Besonderheiten dazu. Nur ein kleiner Teil aller Aktien – unter fünf Prozent – ist im freien Handel. Ein geringer Streubesitz begünstigt Kursschwankungen. Wegen seiner Größe wird das Unternehmen außerdem rasch in mehrere Indizes aufgenommen, was etwa indexbasierte ETFs dazu zwingt, die Aktie zu kaufen.Der Vermögensverwalter BNP Paribas hat kürzlich eine Datenbank historischer Börsengänge ausgewertet und festgestellt, dass der Preis unmittelbar nach dem Handelsbeginn oft steigt. Über einen Zeitraum von ein bis drei Jahren betrachtet bleiben die Kursgewinne neu notierter Unternehmen dann aber im statistischen Durchschnitt hinter dem Markt zurück. In vielen Fällen stellte sich nach der ersten Euphorie also Ernüchterung ein. Ein wichtiger Wendepunkt bei der Preisbildung ist die sogenannte Lock-up-Klippe: Das ist der Tag, an dem die Haltefristen für jene Eigentümer auslaufen, die bereits vor dem Börsengang investiert waren. Traditionell endet diese Frist 180 Tage nach dem Start am Aktienmarkt. Bei Space-X sind die Fristen aber gestaffelt, sodass Alteigentümer erst nach und nach ihre Aktien abstoßen können. Elon Musk, größter Anteilseigner, kann frühestens im Juni 2027 Aktien verkaufen.Insgesamt müssen Aktionäre wohl damit rechnen, dass es beim Aufstieg von Space-X in die höchsten Sphären des Kapitalmarkts auch in nächster Zeit zu Turbulenzen kommen kann. Trotz der Kursverluste ist Musks Weltraumfirma immer noch das sechstgrößte Unternehmen der Welt gemessen an seiner Marktkapitalisierung. Und der Kurs vom Montagabend lag immer noch etwa 15 Prozent über dem Ausgabepreis.