Der Sportwagenhersteller Porsche steht vor unruhigen Monaten. Vorstandschef Michael Leiters bekräftigte bei der virtuellen Hauptversammlung noch einmal, dass es zu weiteren Einschnitten kommen wird. „Wir sind zu stark gewachsen – insbesondere im indirekten Bereich. Und um unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, reicht daher die bisher geplante Verschlankung nicht aus“, sagte der Manager in seiner Rede bei der Veranstaltung, die Porsche aus den Eisbach-Studios in München übertrug.Leiters machte deutlich, dass er künftig mehr Engagement von seiner Belegschaft erwarte. „Made in Germany“ habe sich auch „durch etwas“ zum Erfolgsrezept entwickelt, „das heute leicht vergessen wird: Fleiß. Das Leistungsprinzip hat sich durchgesetzt. Darin liegt für uns der entscheidende Punkt“, erklärte Leiters, der die Verantwortung für das Stuttgarter Traditionsunternehmen Anfang Januar von Oliver Blume übernommen hatte. Die Gespräche mit Betriebsrat und Gewerkschaft über die Zahl der Stellen, die sozialverträglich abgebaut werden sollen, und über die Maßnahmen, um die Standorte wettbewerbsfähiger zu machen, laufen nach Angaben von Leiters „auf Hochtouren“.Porsche will Zahl der Derivate und Modelle reduzierenZudem kündigte Porsche an, die Zahl der verschiedenen Modellvarianten zu reduzieren. „Unser Portfolio ist zu komplex geworden – auch im Vergleich zum Wettbewerb“, erläuterte Leiters. Gleichzeitig baut der Hersteller das Angebot an margenstärkeren Autos aus. Leiters denkt dabei an Modelle oberhalb des bekannten zweitürigen Sportwagens 911 und auch oberhalb des SUV Cayenne.Um die Kosten zu senken, will das Unternehmen die „Entwicklung unserer Sportwagen grundlegend neu denken“ und auf Synergien mit der Muttergesellschaft VW setzen. „Wir prüfen, wie wir Plattformen und Branchenlösungen flexibler nutzen können“, sagte Leiters. „Dies schließt explizit auch die intelligente Nutzung von Konzern-Baukästen ein.“ Der Porsche-Chef nannte in seiner Rede aber weder strategische Einzelheiten oder konkrete Sparziele noch bezifferte er die Zahl der Stellen, die er vor allem in der Verwaltung noch abbauen will, sondern verwies auf einen Kapitalmarkttag im Oktober. Die neuen Maßnahmen kommen zu dem Sparprogramm hinzu, das vorsieht, bis 2029 rund 3900 Stellen abzubauen.Leiters betont „Sportwagen-DNA“In Bezug auf die Produktstrategie betonte Leiters die „Sportwagen-DNA“ des Autoherstellers. „Porsche bleibt die Marke für Menschen, die bewusst selbst fahren wollen, gerade in einer zunehmend automatisierten Welt“, sagte Leiters. Das Unternehmen investiere deshalb in alle drei Antriebsarten: Verbrennungsmotoren, Elektroantriebe und Hybridlösungen, die Porsche nicht als Brückentechnologie betrachte. „Im Gegenteil: Für den 911 etwas ist unser eigens entwickelter Performance-Hybrid ein elementarer Baustein.“ Für diese Lösung benötigt Porsche die Zellen V4Smart, die der Autohersteller in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammen mit dem angeschlagenen Batteriehersteller Varta herstellt.Viele Aktionäre kritisierten bei der Hauptversammlung die Strategie von Leiters Vorgänger Blume. Deka-Experte ⁠Ingo Speich sprach von einem „Scherbenhaufen“. Die Aktie habe sich seit dem Börsengang 144 Prozentpunkte schlechter als der Dax entwickelt, sagte Speich. „Das ist kein Zufall, sondern das Resultat ⁠klar verfehlter ‌Zielsetzungen und unzureichender Steuerung.“Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte Porsche die aktuelle Prognose. Das Unternehmen erwartet einen Umsatz zwischen 35 bis 36 Milliarden Euro bei einer operativen Umsatzrendite (Ebit) in einer Bandbreite von 5,5 bis 7,5 Prozent. Darin seien außerordentliche Aufwendungen in Höhe von 800 bis 900 Millionen Euro sowie Zollbelastungen von rund 700 Millionen Euro berücksichtigt. Bei den Auslieferungen, die sich im vergangenen Jahr auf 279.449 Fahrzeuge beliefen, werde sich das Auslaufen der 718-Modellreihe und des Verbrenner-Macans bemerkbar machen. „Am Ende werden wir dort klar unter dem Niveau von 2025 liegen“, sagte Leiters. „Wir werden kurzfristig keine Rückkehr zu den angestrebten Margen sehen, die wir aus der Vergangenheit kennen.“