Noch vor wenigen Wochen sorgte das Drama um den Mitte Mai in der Ostsee gestrandeten Buckelwal in Deutschland für hohe Aufmerksamkeit. Die Geschichte um den verirrten Meeressäuger, von vielen „Timmy“ oder „Hope“ genannt, nahm allerdings kein gutes Ende. Im Rahmen einer beispiellosen Rettungsaktion wurde das geschwächte und offenbar an einer Hauterkrankung leidende Tier mithilfe eines Lastkahns von der Ostsee zum Eingang der Nordsee transportiert. Doch nur wenige Tage später wurde „Timmy“ tot an der dänischen Küste vor der Insel Anholt aufgefunden.Die Obduktion von „Timmy“ durch Experten ist nicht einmal drei Wochen her, da gerät bereits eine weitere Wal-Sichtung an der dänischen Küste in die Schlagzeilen. Am Samstagabend führte die Touristenführerin Linda Frølund Hansen eine kleine Personengruppe im Rahmen einer sogenannten „Bridgewalking“-Tour über die Stahlkonstruktion der Brücke „Den Gamle Lillebæltsbro“. Die alte Überführung verbindet die dänische Halbinsel Jütland mit der Insel Fünen.Die Gruppe hielt gerade nach kleineren Schweinswalen Ausschau, die ganzjährig in den Küstengewässern der Ostsee und Nordsee heimisch sind, als Hansen ein weitaus größeres Tier im Wasser unter der Brücke entdeckte. Sie filmte ihre Sichtung mit dem Smartphone – nur wenig später wurde das Video von den „Bridgewalking“-Veranstaltern in den sozialen Medien veröffentlicht. Unabhängig überprüfen ließen sich die Aufnahmen bislang nicht.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Hansen berichtete der „Bild“-Zeitung, von der ungewöhnlichen Sichtung: „Wir suchten nach Schweinswalen, die man von hier aus oft sehen kann. Wir standen auf der Brücke und schauten hinunter ins Wasser.“ Schließlich sei direkt unter der Brücke etwas aufgetaucht, das zunächst wie eine Boots- oder Jachtspitze ausgesehen habe, „aber es bewegte sich unter Wasser“, so die Tour-Führerin.Hansen zufolge soll das Tier eine Länge von etwa zwölf Metern gehabt haben. „Der Wal war riesig, so groß wie eine Segeljacht“, so die Dänin. Der Meeressäuger sei demnach unter der Brücke hindurch in Richtung Süden weiter in die Ostsee hineingeschwommen.Die „Bridgewalking“-Veranstalter schreiben via Instagram: „Wir haben das Video einem Biologen gezeigt, der mit 99-prozentiger Sicherheit sagen kann, dass es sich um einen Buckelwal handelt.“ Andere Wal-Experten wie etwa Meeresbiologe Fabian Ritter schließen sich dieser Meinung an. Gegenüber der „Bild“-Zeitung sagte er: „Ich erkenne klar einen Buckelwal.“ Wal-Experten zufolge soll das Tier krank sein Ritter zufolge deute die helle Färbung des Rückens darauf hin, dass das Tier „massive Hautprobleme“ habe – eine Feststellung, die eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Schicksal von Buckelwal „Timmy“ hat, der an ganz ähnlichen Hautveränderungen litt. Der Meeresbiologe stellte außerdem fest: „Wenn sich das Tier wie berichtet immer sehr nah an der Oberfläche aufhält, deutet das auf jeden Fall auf Schwäche hin.“ Er ergänzte: „Teilweise wirkt das Tier apathisch. Das sieht nicht gut aus und kann einem nur leidtun.“ Ritter war allerdings nicht vor Ort und beruft sich bei seinen Aussagen auf das veröffentlichte Videomaterial.Ein anderer Wal-Experte gab seine Einschätzung im dänischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk ab. Meeresbiologe Carl Kinze vom Dänischen Naturhistorischen Museum sagte dem Sender „DR“ nach Sichtung des Videomaterials, dass die helle Hautoberfläche des mutmaßlichen Buckelwals seltsam aussehe: „Er sieht furchtbar aus, was für einen Buckelwal untypisch ist. Das kann an einem Pilzbefall liegen, aber auch an einem ganz natürlichen Bewuchs mit Seepocken.“ Die alte Kleine-Belt-Brücke von der jütländischen Seite aus betrachtet. © IMAGO/Zoonar Der dänische Meerstier-Experte Morten Aagaard vom Aquarium „Jyllandsakvariet“ gelangte gegenüber dem staatlichen TV-Sender „TV 2 Danmark“ zu einer ganz ähnlichen Beurteilung: „Ich sehe einen Buckelwal, der an der Oberfläche bleibt und langsam schwimmt. Er hat eine helle Färbung am vorderen Teil und das ist nicht normal. Ein Buckelwal ist normalerweise ganz dunkel und glatt. Dieser hier ist rau, als hätte er einen Ausschlag oder wäre von der Sonne geschädigt. Er ist nicht gesund.“ Droht dem Wal ein ähnliches Schicksal wie „Timmy“? Die Einschätzungen der Experten erinnern stark an die Beurteilungen, die vor wenigen Wochen über Buckelwal „Timmy“ kursierten. Auch damals kamen einige Meeresbiologen zu dem Schluss, dass der vor Schleswig-Holstein und später Mecklenburg-Vorpommern gestrandete Buckelwal in keiner guten Verfassung sei.Als Hinweise wurden seinerzeit die starken Hautveränderungen des Tiers herangezogen. Auch der Umstand, dass der Buckelwal sich ständig an der Wasseroberfläche aufhielt und schließlich im seichten Wasser auflag, wurde als Konstitutionsschwäche ausgelegt. Ob dem nun im Kleinen Belt gesichteten Tier ein ähnliches Schicksal und Strandungen bevorstehen, bleibt abzuwarten.